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, unruhmlich verschwendet zu haben? Er trieb die Vorwürfe, welche er bei diesen gelbsüchtigen Vorstellungen sich selbst machte, so weit als sie der Affect einer allzufeurigen, aber mit angeborner Liebe zur Tugend durchdrungenen Seele treiben kann. Die Schmerzen wovon sein Gemüt dadurch zerrissen wurde, waren so heftig, dass er die ganze Nacht, welche auf diesen traurigen Tag folgte, in einer fiebrischen Hitze zubrachte, welche, mit dem Zustande, worin sich seine Seele befand, zusammengenommen, ein sehr fügliches Bild derjenigen Pein hätte abgeben können, worin, nach dem allgemeinen Glauben aller Völker, die Lasterhaften in einem andern Leben die Verbrechen des gegenwärtigen büssen.

Wir haben schon einmal angemerkt, dass das Missvergnügen über uns selbst ein allzuschmerzhafter Zustand sei, als dass ihn unsre Seele lange ausdauern könnte. Es ist natürlich, dass die Selbstliebe allen ihren Kräften aufbeut, um sich Linderung zu verschaffen; und wenn wir betrachten, wie wenig Gutes ein anhaltendes Gefühl von Scham und Verachtung seiner selbst würken kann, und wie nachteilig im Gegenteil Gram und Niedergeschlagenheit, natürliche Folgen, der wiederkehrenden Tugend sein müssen: so haben wir vielleicht Ursache, die Geschäftigkeit der Eigenliebe, uns bei uns selbst zu entschuldigen, für eine von den nötigsten Springfedern unsrer Seele, in diesem stand des Irrtums und der Leidenschaften, worin sie sich befindet, anzusehen. Die Reue ist zu nichts gut, als uns einen tiefen Eindruck von der Hässlichkeit eines törichten oder unsittlichen Verhaltens, dessen wir uns schuldig fühlen, zu geben. Sobald sie diese Würkung getan hat, soll sie aufhören; ihre Dauer würde uns nur die Kräfte benehmen, uns in einen bessern Zustand emporzuarbeiten, und dadurch eben so schädlich werden als eine allzugrosse Furcht, die zu nichts dient, als uns dem Übel desto gewisser auszuliefern, welchem wir behutsam entfliehen oder mutig widerstehen sollten.

Agaton hatte desto mehr Ursache, diesen wohltätigen Eingebungen der Eigenliebe Gehör zu geben, da ihm seine allezeit zu warme Einbildungs-Kraft seine Vergehungen und den Gegenstand derselbigen wirklich in einem weit hässlichern Lichte gezeigt hatte, als die gelassene und unparteiische Vernunft getan haben wurde. Die seltsame Abwechselung dieser launischen Zauberin, und wie wenig ihr der plötzliche Übergang von dem äussersten Grad eines Affects zum entgegen gesetzten kostet, wird vermutlich einem guten teil unsrer Leser aus eigner Erfahrung so wohl bekannt sein, dass sie sich nicht verwundern werden, zu vernehmen, dass die Begierde sich selbst in seinen eignen Augen zu rechtfertigen, oder doch wenigstens soviel möglich zu entschuldigen, unsern Helden unvermerkt dahin gebracht habe, auch der schönen Danae einen teil der Gerechtigkeit wieder angedeihen zu lassen, der ihr von den strengesten Verehrern der Tugend nicht versagt werden kann. Es war schwer, sehr schwer, würde ein Socrates gesagt haben, den Reizungen eines so schönen Gegenstandes, den Verführungen so vieler vereinigter Zauberkräfte zu widerstehen; die Flucht war das einzige sichere Rettungs-Mittel; es war freilich fast eben so schwer; aber das Vermögen dazu war wenigstens anfangs in eurer Gewalt; und es war unvorsichtig an euch, nicht zu denken, dass eine Zeit kommen würde, da ihr keine Kräfte mehr zum fliehen haben würdet. So ungefähr möchte derjenige gesagt haben, der den Critobulus, weil er den schönen Knaben des Alcibiades geküsst hatte, einen Wagehals nannte; und dem jungen Xenophon riet, vor einem schönen gesicht so behende wie vor einem Basilisken davon zu laufen. Allein so bescheiden und so wahr klang die Sprache der Eigenliebe nicht. Es war unmöglich, sagte sie unserm Helden, so mächtigen Reizungen zu widerstehen; es war unmöglich zu entfliehen. Sie nahm die ganze Lebhaftigkeit seiner Einbildungs-Kraft zu hülfe, ihm die Wahrheit dieser tröstlichen Versicherungen zu beweisen; und wenn sie es nicht so weit brachte, ein gewisses innerliches Gefühl, welches ihr widersprach, und welches vielleicht das gewisseste Merkmal der Freiheit unsers Willens ist, gänzlich zu betäuben, so gelang es ihr doch unvermerkt, den Gram aus seinem Gemüte zu verbannen, und dieses sanfte Licht wieder darin auszubreiten, worin wir ordentlicher Weise alles, was zu uns selbst gehört, zu sehen gewohnt sind.

Allein Danae gewann wenig bei dieser ruhigern Verfassung seines Herzens. Ihre Vollkommenheiten rechtfertigten zwar die hohe Meinung die er von ihrem charakter gefasset hatte, und beides; die Grösse seiner leidenschaft; er vergab sich selbst, sie so sehr geliebet zu haben, so lang er Ursache gehabt hatte, die Schönheit ihrer Seele für eben so ungemein zu halten als es die Reizungen ihrer person waren: Aber sie verlor mit dem Recht an seine Hochachtung alle Gewalt über sein Herz. Der Entschluss sie zu verlassen war die natürliche Folge davon, und dieser kostete ihn, da er ihn fasste, nur nicht einen Seufzer; so tief war die Verachtung, wovon er sich gegen sie durchdrungen fühlte. Die Erinnerung dessen was er gewesen war, das Gefühl dessen was er wieder sein könne, sobald er wolle, machte ihm den Gedanken unerträglich, nur einen Augenblick länger der Sclave einer andern Circe zu sein, die durch eine schändlichere Verwandlung als irgend eine von denen welche die gefährten des Ulysses erdulden mussten, den Helden der Tugend in einen müssigen Wollüstling verwandelt hatte.

Bei so bewandten Umständen war es nicht ratsam, ihre Wiederkunft zu erwarten, welche, nach ihrem Bericht, längstens in dreien Tagen erfolgen sollte. Denn sie hatte keinen Tag vorbeigehen lassen, ohne ihm zu schreiben; und die notwendigkeit, ihr eben so regelmässig zu antworten, setzte ihn, nach der grossen Revolution die in seinem Herzen