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die Reizungen andrer Schönen empfindlich machen. Seiner Meinung nach machte die Abwechselung der Gegenstände das grösseste Glück der Liebe aus. Er behauptete diesen Satz durch eine sehr lebhafte Ausführung der besonderen Vergnügungen, welche mit der Besiegung einer jeden besonderen klasse der Schönen verbunden sei. Die Unwissende und die Erfahrne, die Geistreiche und die Blöde, die Schöne und die Hässliche, die Cokette, die Spröde, die Tugendhafte, die Andächtige – – kurz jeder besondere charakter beschäftige den Geschmack, die Einbildung, und so gar die Sinnen (denn von dem Herzen war bei ihm die Rede nicht) auf eine eigene Weise – – erfordre einen andern Plan, setze andre Schwierigkeiten entgegen, und mache auf eine andre Art glücklich. Das Ende dieser schönen Ausführung war, dass es unbegreiflich sei, wie man so viel Vergnügen in seiner Gewalt haben, und es sich nur darum versagen könne, um die einförmigen Freuden einer einzigen, mit romanhafter Treue in gerader Linie sich fortschleppenden leidenschaft bis auf die Hefen zu erschöpfen.

Agaton gab zu, dass die Abwechselung, wozu ihn Hippias aufmuntre, für einen müssigen Wollüstling ganz angenehm sein möge, der aus dieser Art von Zeitvertreib das einzige Geschäfte seines Lebens mache. Er behauptete aber, dass diese Art von Leuten niemalen erfahren haben müsste, was die wahre Liebe sei. Er überliess sich hierauf der ganzen Schwärmerei seines Herzens, um dem Hippias eine Abschilderung von demjenigen zu machen, was er von dem ersten Anblick an bis auf diese Stunde für die schöne Danae empfunden; er beschrieb eine so wahre, so delicate, so vollkommene Liebe, breitete sich mit einer so begeisterten Entzückung über die Vollkommenheiten seiner Freundin, über die Sympatie ihrer Seelen, und die fast vergötternde Wonne, welche er in ihrer Liebe geniesse, aus, dass man entweder die Bosheit eines Hippias oder die freundschaftliche Harterzigkeit eines Mentors haben musste, um fähig zu sein, ihn einem so beglückenden Irrtum zu entreissen.

Die Reizungen der schönen Danae sind zu bekannt, versetzte der Sophist, und ihre Vorzüge in diesem Stücke werden sogar von ihrem eigenen Geschlecht so allgemein eingestanden, dass Lais selbst, welche den Ruhm hat, dass die Edelsten der Griechen und die Fürsten ausländischer Nationen den Preis ihrer Nächte in die Wette steigern, lächerlich sein würde, wenn sie sich einfallen lassen wollte, mit ihr um den Preis der Liebenswürdigkeit zu streiten. Aber dass sie jemals die Ehre haben würde, eine so ehrwürdige, so metaphysische, so über alles was sich denken lässt erhabene Liebe einzuflössen – – dass der Macht ihrer Reizungen noch dieses Wunder aufbehalten sei, das einzige welches ihr noch abging – – das hätte sich in der Tat niemand träumen lassen können, ohne sich selbst über einen solchen Einfall zu belachen.

Hier ging unserm Helden, welcher die boshafte Vergleichung mit der Corintischen Lais schon auf die befremdlichste Art ärgerlich gefunden hatte, die Geduld gänzlich aus. Er setzte den Sophisten mit aller Hitze eines in dem gegenstand seiner Anbetung beleidigten Liebhabers wegen des zweideutigen Tons zu Rede, womit er sich anmasse, von einer person wie Danae zu sprechen; und sein Unwille sowohl als seine Verwirrung stieg auf den äussersten Grad, da ein Satyr-mässiges Gelächter die ganze Antwort des Hippias war.

Es ist so leicht voraus zu sehen, was für einen Ausgang diese Scene nehmen musste, dass wir nach allem was von den Absichten des Sophisten bereits gesagt worden ist, den Leser seiner eignen Einbildung überlassen können. Ungeduldige fragen auf der einen – – Ausflüchte und schalkhafte Wendungen auf der andern Seite; bis sich Hippias auf vieles Zureden endlich das Geheimnis des wahren Standes der schönen Danae, und derjenigen Anecdoten, welche wir (wiewohl aus unschuldigern Absichten) unsern Lesern schon im dritten Capitel des vierten Buches verraten haben, mit einer Gewalt, welcher seine vorgebliche Freundschaft für Agaton nicht widerstehen konnte, abnötigen liess.

Wir haben schon bemerkt, wie viel es bei Erzählung einer Begebenheit auf die Absicht des Erzählers ankomme, und wie verschieden die Wendungen seien, welche sie durch die Verschiedenheit derselben erhält. Danae erzählte ihre geschichte mit der unschuldigen Absicht zu gefallen. Sie sah natürlicher Weise ihre Aufführung, ihre Schwachheiten, ihre Fehltritte selbst in einem mildern, und (lasset uns die Wahrheit sagen) in einem wahrern Licht als die Welt; welche auf der einen Seite von allen den kleinen Umständen, die uns rechtfertigen oder wenigstens unsre Schuldvermindern könnten, nicht unterrichtet, und auf der andern Seite boshaft genug ist, um ihres grösseren Vergnügens willen das Gemälde unsrer Torheiten mit tausend Zügen zu überladen, um welche es zwar weniger wahr aber desto comischer wird. Unglücklicher Weise für sie erforderte die Absicht des Hippias, dass er diese schalkhafte Kunst, eine Begebenheit ins Hässliche zu malen, so weittreiben musste, als es die gesetz der Wahrscheinlichkeit nur immer erlauben konnten.

Unser Held glich während dieser Entdeckungen mehr einer Bild-Säule oder einem Toten als sich selbst. Kalte Schauer und fliegende Glut fuhren wechselsweise durch seine Adern. Seine von den widerwärtigsten Leidenschaften auf einmal bestürmte Brust atmete so langsam, dass er in Ohnmacht gefallen wäre, wenn nicht Eine davon plötzlich die Oberhand behalten, und durch den heftigsten Ausbruch dem gepressten Herzen Luft gemacht hätte. Das Licht, worin ihm Hippias seine Göttin zeigte, machte mit demjenigen, worin er sie zu sehen gewohnt war, einen so beleidigenden Contrast; der Gedanke, sich so sehr betrogen zu haben, war so unerträglich, dass es ihm unmöglich fallen musste, dem Sophisten Glauben beizumessen. Der ganze Sturm,