lange Dauer des äussersten Schmerzens. Beides spannt endlich ihre Nerven ab, und bringt sie zu einer Art von Ohnmacht, in welcher sie gar nichts mehr zu empfinden fähig ist. Was indessen auch die Ursache einer für die Absichten der Danae so nachteiligen Veränderung gewesen sein mag; so ist gewiss, dass die Würkungen derselben in kurzer Zeit so sehr überhand nahmen, dass Agaton selbst Mühe hatte, sich in sich selbst zu erkennen, oder zu begreifen, wie es mit dieser seltsamen Verwandlung der Scene zugegangen sei. Ein magischer Nebel schien vor seinen erstaunten Augen wegzufallen; die ganze natur zeigte sich ihm in einer andern Gestalt, verlor diesen reizenden Firniss, den ihr der Geist der Liebe gegeben hatte; diese Gärten, vor wenigen Tagen der geliebte Aufentalt, aller Freuden und liebes-Götter, diese elysischen Haine, diese mäandrischen Rosen-Gebüsche, worin die lauschende Wollust sich so gerne verborgen hatte, um das Vergnügen zu haben, sich erhaschen zu lassen – – erweckten jetzt durch ihren Anblick nichts mehr, als jeder andre schattichte Platz, jedes andre Gebüsche; die Luft, die er atmete, war nicht mehr dieser süsse Atem der Liebe, von dem jeder Hauch die Flammen seines Herzens stärker aufzuwehen schien; Danae war bereits von der idealischen Vollkommenheit zu dem gewöhnlichen Wert einer jeden andern schönen Frau herabgesunken; und er selbst, der vor kurzem sich an Wonne den Göttern gleich geschätzet hatte, fing an, sehr starke Zweifel zu bekommen: Ob er in dieser weibischen Gestalt, worein ihn die Liebe verkleidet hatte, den Namen eines Mannes verdiene? Man wird nicht zweifeln, dass in diesem Zustand die Erinnerungen dessen, was er ehemals gewesen war – – der wundervolle Traum, den er je länger je mehr für die Würkung irgend eines wohltätigen Geistes, und vielleicht des abgeschiedenen Schattens seiner geliebten Psyche selbst, zu halten bewogen war – – die stimme der Tugend, die er einst angebetet, und welcher er alles aufgeopfert hatte – – und die Vorwürfe, die sie ihm schon vor einiger Zeit über ein in müssiger Wollust unrühmlich dahin schmelzendes Leben zu machen angefangen, – – gute gelegenheit hatten, sein Herz, dessen beste Neigungen selbst auf ihrer Seite waren, mit vereinigter Stärke wieder anzugreifen. Sie hatten es fast gänzlich wieder eingenommen, als er erst deutlich gewahr wurde, wohin ihn die Betrachtungen, denen er sich überliess, notwendig führen mussten. Er erschrak, da er sah, dass ihm nichts als die Flucht von dieser allzureizenden Zauberin seine vorige Gestalt wieder geben könne. Sich von Danae zu trennen! Auf ewig zu trennen! – – Dieser Gedanke benahm seiner Seele auf einmal alle die Stärke wieder, welche sie wieder in sich zu fühlen anfing, und weckte alle Erinnerungen, alle Empfindungen seiner entschlummerten leidenschaft wieder auf Sie, die ihn so inbrünstig liebte, – – sie, die ihn so glücklich gemacht hatte – – zu verlassen – – für alle ihre Liebe, für alles was sie für ihn getan hatte, und auf eine so verbindliche, so edle Art getan hatte, den Qualen einer mit Undank belohnten Liebe preis zu geben – –: Nein, zu einer so niederträchtigen, so hässlichen Tat, (wie diese in seinen Augen war) konnte sich sein Herz nicht entschliessen. Die Tugend selbst, welcher er seine eigene Befriedigung aufzuopfern bereit war, konnte ein so undankbares und grausames Verfahren nicht gut heissen. – – Wir überlassen es der Entscheidung kalter Sitten-Lehrer: ob die Tugend das konnte, oder nicht; aber unser Held war von dem letzteren so lebhaft überzeugt, dass er, anstatt auf Gründe zu denken, womit er die Sophistereien der Liebe hätte vernichten können, in vollem Ernst auf Mittel bedacht war, das Interesse seines Herzens und die Tugend, welche ihm nicht unverträglich zu sein schienen, auf immer mit einander zu vereinigen.
Die zärtliche Danae hatte inzwischen, wie leicht zu erachten ist, die Veränderung, welche in der Seele unsers Helden vorgegangen war, im ersten Augenblick, da sie merklich wurde, wahrgenommen. Allein die gute Dame war weit entfernt, seinem Herzen die Schuld davon zu geben; sie betrog sich selbst über die wahre Ursache, und glaubte, dass die Veränderung des Orts, und vielleicht eine kleine Entfernung, ihm in kurzem alle die Lebhaftigkeit der Empfindung wieder geben würde, die er verloren zu haben schien. Die Wiederkehr in die Stadt, wo sie einander nicht immer sehen würden, wo ihre Liebe sich zu verbergen genötigt sein, und dadurch den Reiz eines geheimen Verständnisses erhalten würde, die Zerstreuungen des Stadt Lebens, die Gesellschaft, die Lustbarkeiten, würden ihn (glaubte sie) bald genug wieder so feuerig als jemals wieder in ihre arme führen. Sie überredete ihn also, mit ihr nach Smyrna zurückzugehen, obgleich die schöne Jahrs-Zeit noch nicht ganz zu Ende war. Hier wusste sie, (ohne dass es schien, dass sie Hand dabei habe,) eine Menge Gelegenheiten zu veranstalten, wodurch sie einander seltner wurden; wenn sie sich wieder allein befanden, flog sie ihm zwar eben so zärtlich in die arme, als ehemals; aber sie vermied alles, was zu jener allzuwollüstigen Berauschung (in welche sie ihn, wenn sie wollte, durch einen einzigen blick setzen konnte) geführt hätte, und tat es mit einer so guten Art, dass er keinen besonderen Vorsatz dabei gewahr werden konnte: Kurz, sie wusste die feurigste Liebe unvermerkt so geschickt in die zärtlichste Freundschaft zu verwandeln,