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, in der ganzen Provinz die schmackhafteste Butter zu verfertigen, bekam, ob gleich ihre Butter von ihren Nachbarinnen für Hexenbutter ausgeschrien wurde, ein halb Dutzend Muska

7) Johann Higgins, ein Töpfer, der auf seine Schüsseln und Telier sehr künstliche Reime zu setzen pfleget, und auf allen Jahrmärkten deswegen grossen Abgang seiner Waare hat, wurde von Sir Carln zum Poeten gekrönet, jedoch mit dem ausdrücklichen Vorbehalt: dass er dieser Ehre sogleich wieder sollte verlustig sein, wo er seine Verse an einem andern Orte, als auf seinen Schüsseln anbrächte. Es wurde ihm zugleich ein grosser Bierkrug mit einem zinnernen Beschläge zu seiner Hippokrene angewiesen und verehret.

8.) John Hubertorn, einer von des Baronets Forstbedienten, der einen Stahr, eine Amsel und einen Lübich so abgerichtet hatte, dass sie zusammen ein Trio pfeifen, bekam ein künstliches Weidemesser, nebst der Anwartschaft auf eine bessere Bedienung.

9.) Für einen berühmten Kalendermacher in Londen wurde der Globus bestimmt, den der Hauptmann Salmonet und Major Ohara bewundert haben. Es gehöret dieser Mann zwar nicht zu den Untertanen Sir Carls: dieser glaubt aber, dass er eines Preisses dem ungeachtet würdig sei. Alle Hauswirte in des Baronets Herrschaften haben nach ihrem einmütigen geständnis dieses Jahr den grössten Nutzen von diesem mann gehabt: Sein Wetterprognosticon ist auf ein Arbeit vollkommen nach der Vorschrift des Kalenders richten können. Der Lord L. gelobte diesem Ehrenmanne über das Geschenke des Baronets noch ein vortreffliches Sehrohr, welches er besitzt: weil dieser Astronom mit der Sternseherkunst die in unsern Tagen so seltne Wissenschaft eines Astrologen verbindet, und aus der Constellation der Gestirne eine Prophezeihung von Krieg und Frieden an den diesjährigen Kalender hat drucken lassen, die bis auf den heutigen Tag sehr pünktlich eingetroffen ist.

10.) Ein gewisser Mann, der einmal hatte erzählen hören, dass Ludwig der Grosse an einem Galatage in einem Kleide von Spinnweben erschienen wäre, hatte durch langwierige Versuche es dahin zu bringen sich bemühet, diesem zarten Gewebe eine Festigkeit zu geben, um es wie Seide zu spinnen und zu verarbeiten, zu dem Ende hatte er viele Jahre lang die Wohnungen der Spinnen vergeblich zerstöret, und dieses unglückliche Geschlechte beinahe aus dem Gebiete des Baronets vertrieben. Endlich schien es ihm gelungen zu sein, seine Absicht einigermassen zu erreichen; er drang mit einem grossen Geräusche durch die Menge von Leuten, welche die Mildtätigkeit des Baronets, teils als Zuschauer, teils als würdige Besitznehmer seiner Wohltaten, herbeigezogen hatte. Er wurde eingelassen und forderte einen Preis für seine spinnstes überreichte. Sir Grandison war geneigt, ihn solchem nach einer genauen Untersuchung zu erteilen, er bekam eine ansehnliche Pelzperucke, um seinen Kopf für der Kälte des herannahenden Winters zu schützen, damit er zu mehrern dergleichen nützlichen Erfindungen geschickt bliebe.

Wenn würde ich fertig werden, alle die grossmütigen Geschenke, welche der Baronet allen und jeden machte, die Beweise ihres Fleisses oder ihrer sinnreichen Erfindungen aufstellen konnten, der Länge nach zu erzählen? Ich habe Ihnen hier nur einen kleinen Abriss von dem Eifer desselben gemacht, das Gute und Nützliche auf alle nur ersinnliche Art zu befördern. Die ganze Gesellschaft fand bei der Austeilung dieser Preisse das vollkommenste Vergnügen. Oft setzte es einen kleinen Streit über die Wahl derselben; doch überhaupt muss man gestehen, dass die Belohnungen mit denen Personen, welche sie erhielten, immer ein ziemlich genaues verhältnis hatten. Lady G. beschäftigte sich nach ihrer Leichtsinnigkeit über alle, die in das Zimmer traten, um einen Preis zu bekommen, Anmerkungen zu machen. Sie betrafen meistens die seltsamen Reverenze, die Lobreden derer auf Sir Carln, welche Preisse erhielten, ihren gang und ihre Minen. Mir gefielen sie meistens, obgleich Sir Carl die wenigsten, weil sie alle sehr mutwillig len lachte, so sah sie nur ihren Herrn an, welcher aus einer schmeichelhaften gefälligkeit sogleich bereit war, durch sein überlautes Gelächter ihren Scherz bei Ehren zu erhalten. Nach getaner Arbeit, sagte der Baronet, ist gut feiern, wir begaben uns gegen sieben Uhr des Abends wieder in den Speisesaal und hernach wurde bis gegen Mitternacht getanzet. Der Doctor eröffnete den Ball mit Sir Beauchamps Gemahlin, er würde auch ohne Zweifel bis auf den letzten Mann ausgehalten haben, wenn ihn nicht ein kleiner Zufall davon abgehalten hätte. Er wollte zu sehr bewundert sein, und machte in einer Menuet eine so künstliche Wendung auf einem fuss, dass er ihn darüber verstauchte. Der Baronet war aber so sorgfältig und liess durch zwei handfeste Bedienten, ungeachtet des Schreiens des guten Mannes, den verstauchten Fuss so lange ziehen bis er glücklich wieder eingerichtet war. Ich denke, der Doctor wird sobald nicht wieder tanzen.

Den 29. Abermal ein neues Vergnügen! Herr Grandison ist in Erfindungen, seine Gäste zu belustigen, unerschöpflich. Es scheint, dass er allen seinen Verstand angewendet hat, um mich noch zu guter letzt auf eine Art zu unterhalten, die fähig ist, von dem Vergnügen in Grandisonhall, mir einen solchen Eindruck zu machen, dass ich abwesend oftmals daran zurück denken soll. Er hat heute seinen Welschen Turm, der zu einer Sternwarte bestimmt ist, eingeweihet. Das ist ein sehr sehenswürdiges Stück; ob er gleich nicht nach dem ersten Entwurf des Baumeisters ist aufgeführet worden. Dieser Mann hatte den Einfall, ihn in Gestalt eines Sehrohrs aufzuführen, man sollte ihn auch nach Belieben vergrössern und verkleinern können, er wollte zu dem Ende ein Stockwerk in das andere verbergen, nicht anders als ein Perspectiv, das man ausziehen und auch wieder zusammen