1760_Musus_076_98.txt

Menuet, aber mit einem recht guten Ansehen. Musik hört man in Sir Carls haus alle Tage; jedoch da diese beiden Ergötzlichkeiten zu wenig sind, eine Gesellschaft zu unterhalten: so hat Sir Carl auch für eine vielfältigere Abwechselung des Vergnügens seiner Gäste gesorgt. Wir brachten dismal den Tag folgendergestalt hin. Vormittage beim Tee wurde die Londener Zeitung zugleich mit herum gegeben, man erzählte daraus die beträchtlichsten Umstände der ganzen Gesellschaft: denn das Frauenzimmer liess die Zeitungsblätter für sich vorbeigehen. Der Hauptinnhalt unsres Gesprächs betraf ein reichbeladenes englisches Schiff, welches in einem französischen Hafen war aufgebracht worden. Sir Carl erzählte diesen Unglücksfall, und beklagte als ein Patriot den Verlust, den die Eigentümer des schiffes und des Vaterlandes dadurch erlitten hätten. Lord L. der dem Baronet in den patriotischen Gesinnungen gleich kommen, wo nicht gar ihn übertreffen will, verwarf diese Nachricht, weil sie etwas nachteiliges für das Vaterland entielt, als eine Erdichtung. Lord G. fand in seinem Blatte wenige Zeit hernach aus Deutschland einen Artikel, dass es zwischen den Vortruppen der Alliirten und Franzosen etwas gesetzt habe, dass sich jene in etwas zurücke ziehen müssen, und ein Regiment Bergschotten dabei vieles gelitten hätte. Das ist abermals, sagte der Lord L. eine bosshafte Unwahrheit, man sieht es augenscheinlich, dass dem Zeitungsschreiber von Frankreich aus die hände sind versilbert worden, man sollte ihm den Prozess machen. Die Bergschotten sind nicht gewohnt, fügte er hinzu, die hände in die tasche zu stecken, wenn sie gegen den Feind geführt werden. Lord G. wollte ihn widerlegen und gab sich viele Mühe ihm begreiflich zu machen, dass, ungeachtet der Tapferkeit seine Landsleute, es doch wohl möglich wäre, dass sie einmal der Menge gewichen wären; er war aber nicht zu bekehren, und wurde so eifrig, dass er den Lord G. der wider seine Neigung in der Hitze die französische Partei nahm, des Hochverrats würde beschuldiget haben, wenn Sir Carl nicht durch sein Ansehen die Sache noch zu rechter Zeit beigeleget hätte. Die Tafel war diesmal auf den ordentlichen Fuss eingerichtet, das ist, Sir Carls Lektor bestieg den kleinen Cateder in dem Speisesaale und las uns einige Stellen aus den kernhaftesten englischen Schriftstellern vor. Er ersetzte also die Stelle der Concertisten, die uns den Tag zuvor mit einer prächtigen Tafelmusik unterhalten hatten. Bei den ersten Gerichten, da die Zuhörer ihre Gedanken auf die Schüssel gerichtet hatten, würde eine trockene moralische Abhandlung keine Aufmerksamkeit verdienet haben, Sir Carl hatte deswegen die Verfügung gemacht, dass zuerst etwas munteres musste vorgelesen werden, wir bekamen etwas aus Swifts Mährgen von der Tonne zu hören. Nach dem ersten Anbiss schlug Sir Carl mit der Gabel auf den Tisch, sogleich ergriff der Vorleser ein andres Buch, es handelte von den Feldzügen der Engländer in Frankreich und mich dünkt, die damalige Lection begriff den Zeitpunct, welchen das Mädchen von Orleans berühmt machte. Eine vortrefliche Pastete brachte mich um den grössten teil dieser historischen Vorlesung. Bei der letzten Tracht, die meistens in Schaugerichten bestund, wurde, weil der Magen nunmehr befriediget war, für den Verstand am meisten gesorgt. Der Baronet gab wieder ein Zeichen mit der Gabel, und eine von den schönsten Stellen aus dem Milton, welche Herr Grandison selbst zu erläutern und aufzuklären sich die Mühe gab, machte den Beschluss. Das Frauenzimmer verliess hernach nach Englischer Mode die Tafel, um in dem Nebenzimmer den Tee zu trinken, da unterdessen die Tafel für die Herren von neuem mit Bouteillen besetzt wurde. Alle Arten von Weinen aus des Baronets Keller wurden ausgeprobt. Er eröffnete der Gesellschaft, dass er entschlossen wäre, heute die gewöhnlichen Preisse auszuteilen, die er jährlich den fleissigsten seiner Untertanen, und die sich vor andern besonders hervor tun, zu verehren pfleget, und ersuchte uns auf eine höchst verbindliche Art, ihm hierbei mit an die Hand zu gehen. Wir verfügten uns in den untern grossen Saal, welcher mit allerlei Hausgeräte, Kleidungsstücken und andern Notwendigkeiten, nicht anders als ein Kaufmannsladen ausgezieret war. Herr Bartlett, des Baronets Secretär, ein Vetter des Doctors, überreichte Sir Carln das Verzeichniss derer Personen, welche sich der Preisse würdig gemacht hatten. Die Austeilung geschahe folgendergestalt:

1.) Tomas Mumford, Doctor Bartletts Schulmeister, erhielt für sich eine Bassgeige, und für seine Frau einen Muff: weil dieses Paar unter allen Untertanen Sir Carls die Welt am meisten vermehret hatte. Die Frau Schulmeisterin war in Jahresfrist zweimal mit Zwillingen niedergekommen, und alle vier Kinder waren noch am Leben.

2.) Marmaduck Stephenson, einer von Sir Carls Pachtern, welcher in diesem Jahre die meisten Hamster gegraben, und auch die meisten Maulwürfe erlegt hatte, erhielt eine sauber geschnittene Flasche mit Silber beschlagen, welche mit dem besten Brandeweine gefüllet war. 3.) William Amess, ein gewissenhafter Schneider, der am wenigsten in die Hölle geworfen, und deswegen die meiste Arbeit bekommen hatte, erhielt ein neues Bügeleisen nebst einem stählernen Fingerhut.

4.) Anna Burdens, eine bejahrte Frau, welche die meisten Eier zu Markte geschickt hatte, wurde dafür mit einer Brille und einer Würzschachtel begabt, und dadurch zur ferneren fleissigen Abwartung ihres Berufs aufgemuntert.

5.) Samuel Sattock, ein Weinschenke, der in Sir Carls Gebiete den meisten Wein ausgeschenket hatte, vielleicht weil er ihn am wenigsten verfälschte, wurde für seine Ehrlichkeit mit einem blechernen Trichter und einem neuen Zählbrete belohnet.

6.) Maria Fischers, die im Rufe war, dass sie ein geheimnis besäss