alle Scheidemünze, die er bei sich hatte, und die sich ungefehr auf zwei Guineen belief, unter das Volk auswerfen; ich gab ihm aber zugleich die Lehre, solches auf eine anständige Art zu tun, und nicht mit einem bäuerischen Wesen Fäuste voll wegzuschmeissen, wie man eine Familie heishungriger Hüner füttert. Er befolgte meinem Befehl genau, und streuete alle funfzig Schritte nur eine Prise davon aus; ich sah aber mit Verdruss, dass meine Absicht doch nicht völlig erreicht wurde: der Mann mit seinen Reisehute wusste das Geld so künstlich damit aufzufangen, dass nur dann und wann ein Sechser fehl ging und die Erde erreichte. Weil ihn jedermann fürchtete, so wagte es niemand sich zu dem Ausspänder meine Freigebigkeit zu nahen, um etwas zu erhaschen. In dem Schlosshofe zu Grandisonhall paradirte die Kompagnie, welche Sir Carl zum Dienste seines Vaterlandes als ein wahrer Patriot auf seine Kosten angeworben hat. Ich hatte die Ehre mit klingendem Spiel und fliegender Fahne empfangen zu werden, die Officiers salutirten mich mit dem Esponton. Sir Carl empfing mich meinem Charakter gemäss und überhäufte mich Ihrentwegen mit Ehre. Doctor Bartlett vertrat die Stelle eines Ceremonienmeisters. Ich brachte mein Wort, unter der vortreflichsten Versammlung, die man finden kann, bei dem Baronet an, er erkundigte sich, ob Sie noch wohl auf wären, und gab mir die Versicherung, dass er sich ein wahres Vergnügen daraus machen würde, Ihnen bei jeder gelegenheit Beweise seiner Freundschaft zu geben. Lady Grandison, Lord L. und seine Gemahlin, empfingen mich gleichfalls mit vieler Hochachtung. Wir gingen hierauf zur Tafel; sie war so prächtig, dass man einen König daran hätte bewirten können. Alexanders Gastmahl wurde dabei in dem Musikzimmer, welches an den Speisesaal stösset, aufgeführet. Sir Carl brachte Ihre Gesundheit unter Trompeten und Pauckenschall aus, dieses war gleichsam ein Intermezzo zu dem Singestücke. Es wurden hierbei einige kleine kanonen dreimal hintereinander abgefeuert und die Militz gab zugleich eine Salve aus dem kleinen Gewehr. So oft Ihre Gesundheit nachgeholet wurde, so oft wurden auch die Salven wiederholet; weiter aber wurde keine ausgebracht. Der Baronet hat als im weiser Mann sich, wie es scheint, eine Regel gemacht, nie etwas zu tun, daraus nicht einiger Nutzen entstehet, nach diesem gesetz lässt er, wie Sie wissen, seinen Pferden die Schwänze nicht stutzen, und nach eben diesem gesetz liess er auch seinen Leuten nicht mehr Salven geben als nötig war, Ihnen eine Ehre zu erweisen, und sie zu gleicher Zeit im Feuern zu üben. Lady G. wagre es, ihres Bruders Gesundheit zu trinken, und wollte durchaus haben, dass dazu sollte gefeuert werden: der Baronet sagte ihr aber, man wäre aus Liebe gegen das Vaterland verbunden, ohne Not nichts dazu beizutragen, dass der Preis des Pulvers gesteigert würde, und damit musste sie sich beruhigen. Mich dünkt, das war von diesem grossen mann sehr vortreflich gedacht. Am rand dieses Tages, welcher einem so glänzenden Vergnügen gewidmet war, zeigte sich noch eine kleine Wolke, die aber bald vorüber ging. Nach der Tafel musste die Militz ihre Manoeuvres machen. Jeder tat sein Bestes, den Beifall der Zuschauer zu verdienen. Sie waren ziemlich fertig in den Handgriffen, jedoch da sie das Gewehr verkehrt schuldern sollten, versahe es einer, und schlug seinen Cameraden dergestalt mit der Flintenkolbe vor den Kopf, dass er zu Boden sank. Die Bestürzung über diesen Zufall war allgemein, es fehlte nicht viel, dass Lady Grandison in Ohnmacht gefallen wäre. Wer nur ein Schwammbüchsgen bei sich trug, der holte es heraus und roch daran, um die durch das Schrecken verjagten Lebensgeister, wieder zurück zu rufen. Zum Glück war der Chirurgus noch bei der Hand, welcher sogleich aus Sir Carls Hausapoteke mehr als zehn Büchsen herbeiholete, aus welchen er den Verunglückten so lange salbte, bis er wieder zu sich selber kam. Sir Carl lässt ihn wegen dieses Unfalls, worzu er die Veranlassung glaubt gegeben zu haben, auf seine Lebzeit täglich eine Kanne Bier und eine Zeile Semmeln reichen.
Den 28. Heute hatten wir den artigsten Zeitvertreib, den man erdenken kann. Herr Grandison unterscheidet sich von dem grössten Teile des englischen Adels dadurch, dass er keine von den Lustbarkeit, die man in den meisten adelichen Häusern für unentbehrlich hält, in seinem haus gestattet. Ehedem war er kein Feind von den so genannten unschuldigen Ergötzlichkeiten, man machte in seinem haus ein Spiel, man sah dann und wann ein Hahnengefechte, er gestattete auch ein Pferderennen, wiewohl er daran nie einen Gefallen hatte: allein seit einiger Zeit hat er dem ersten ganz und gar entsaget, seine besten Streitähne sind geschlachtet und verzehret, und das Wettrennen hat er schon seit einigen Jahren verschworen. Es darf keine Karte mehr in sein Haus kommen. Der Doctor Bartlett fand ehemals ein grosses Vergnügen am Lombre, Sie wissen aus der geschichte Sir Carls, dass der Doctorn gern spielet; allein er war einmal unglücklich, und verlohr an die Lady G. seine ganze Jahrbesoldung, welche ihm aber den Tag darauf das Geld grossmütig zurück gab. Von dieser Zeit an hat er dem Baronet das Spiel zuwider gemacht, und es wird in ganz Grandisonhall nunmehr für einen Zeitverderb gehalten. Hingegen wird das Tanzen gestattet: weil es zur Ermunterung des Gemüts und zur Bewegung des Leibes dienet. Da der Doctor nicht mehr spielet, so hat er auf Bitte der Lady G. noch in seinen alten Tagen müssen tanzen lernen, er tanzt nur eine