jemals gelernet hat.
Den 27 trafen wir in Grandisonhall ein. Wir hatten unsere Ankunft bereits den Tag vorher melden lassen. Ich schrieb einen besonderen Brief an Sir Carln, und erbat mir die erlaubnis, ihm nochmals meine Aufwartung machen zu dürfen, um ihm teils meine Danksagung für die freundschaftliche Bewirtung in seinem haus mündlich abzustatten; teils aber auch als ein Abgeordneter meines Herrn Oncles denselben zu Fortsetzung seiner Freundschaft zu empfehlen. Ich hatte mich diesem meinen Charakter gemäss equipiret, und noch zwei Mietlaqueien angenommen. Sir Beauchamp borgte mir einige Handpferde mit prächtigen Decken, nebst zwei Maultieren, welche noch von dem zug, den er mit aus Italien gebracht hat, übrig sind. Ob sie gleich nur leere Körbe trugen: so machten sie doch meinem Aufzuge durch das vortrefliche Geläute, welches aus lauter silbernen Schellen bestund, und durch ihren hohen Federstutz ein vortrefliches Ansehen. Ich sass ganz alleine in des Herrn Beauchamps Staatswagen, welchen er so sehr schonet, dass er ihn seit seiner Vermählung nicht wieder gebraucht hat. Vor mir befanden sich des Lord G. und des Herrn Beauchamps Kutschen, welche beide Herren die Gewogenheit hatten, nebst ihren Gemahlinnen mein Gefolge zu vergrössern. Die Maultiere Packund Handpferde eröffneten den Zug, so wie eine Anzahl leerer Bagagewaagen, die noch aus dem Feldgeräte des Urgrossvaters des Herrn Beauchamps abstammten, solchem mit einem starken Geräusche beschlossen. Auf der Gränze des Territorii Sir Carls wurde ich durch einen Ausschuss der angesehensten Untertanen desselbigen in seinem Namen bewillkommet. Der Bürgermeister eines Fleckens der dem Baronet zugehöret, befand sich an ihrer Spitze und hielt an mich eine wohlgesetzte Rede. Er ist seiner Profession nach ein Balbierer und hat zugleich die Aufsicht über Sir Carls Hausapoteke. Ob er mich gleich sehr genau kennete, indem ich über ein Halbjahr sein Kundmann gewesen bin: so machte ihn doch das prächtige Ansehen, worinne er mich jetzt als einen Ambassadeur erblickte so verwirrt, dass er beim Anfang seiner Rede schon zitterte und bebte und in der Mitte gar stecken blieb. Ich wurde dadurch gewarnet, mich seinem Scheermesser nicht wieder anzuvertrauen, er hätte mir aus Ehrfurcht die Kehle abschneiden können. Ich hielt aus meinem Wagen an diese Abgeordneten wieder eine kleine Gegenrede, und versicherte sie der Gnade meines Herrn Principals, und dankte für ihre Bemühung. Sie begleiteten mich hierauf mit entblössten haupt zu beiden Seiten meines Wagens als eine Leibwache, bis in den Schlosshof zu Grandisonhall. Wir passirten durch ein paar Dörfer, die der Gerichtsbarkeit des Baronets unterworfen sind, und er hatte befehlen lassen, dass man mir zu Ehren alle Glocken nach englischen Gebrauche läuten musste. Dieses zog das neugierige Volk häufig herbei, jedermann wollte den Abgesandten sehen, es entstund ein solches Gedränge um meine Kutsche, dass ich einige mal halten liess, damit nicht etwann ein Kind möchte ins Rad kommen. Unterdessen machten meine Trabanten ziemlich Platz. Einer davon tat sich besonders hervor, er hatte einen Reisehut, der mit einem breiten Aufschlage von Pelzwerk versehen war, da er nun aus Respect gegen mich sich nicht bedecken durfte: so brauchte er solchen als ein Gewehr, und schlug die Leute damit auf die Köpfe, wenn sie nicht Platz machten. Er erregte dadurch eine solche Furcht gegen sich, dass alles von einander flohe, so bald er nur seinen Reisehut über den Kopf schwung, und alle Zuschauer bückten sich, nicht anders als ein Volk furchtsame Rebhüner, wenn der Stossvogel über ihnen schwebt. Sie können sich mein Vergnügen nicht lebhaft genug vorstellen, welches ich empfand, da jedermanns Auge auf mich gerichtet war, ich war nicht wenig stolz darauf. Wer weiss, ob ein Spanischer Abgesandter, der seinen öffentlichen Einzug in Londen hält, sich so viel darauf zu gute tut, wenn man, um ihn zu sehen, Fenster mietet, als ich bei meinem feierlichen Einzuge in Grandisonhall. So viel ist gewiss, dass der stolze Michel, wenn ihm sein Vorhaben Herzog zu werden gelungen wäre, in seinem Staatswagen sich nicht ärger hätte blähen können als ich es tat. Einige Leute haben aus meiner nachdenklichen Mine schlüssen wollen, ich müsste Dinge von der grössten Wichtigkeit bei dem Herrn Grandison anzubringen haben, und ein Gastwirt hat meine Leute den Tag darauf, da sie zu Biere gegangen waren, durchaus bezechen wollen, um von ihnen das geheimnis herauszulocken. Man begnügte sich nicht, mich ans Ende des Dorfs zu begleiten, das Volk folgte meinem Wagen von einem dorf bis zum andern, und alle Augenblicke sah ich die Menge gleich einem fortgewälzten Schneeball vergrössert. Wie eine wilde Flut, die den Damm durchbricht mit einem furchtbaren Getöse daher rauscht und alles, was ihr vorkommt, mit sich fortreisst: so verschlang auch diese Woge des neugierigen volkes alle Wandrer in sich, die ihr unterweges aufstiessen. Halten sie mir diese Ausschweifung zu gute, hier regt sich meine poetische Ader, und meine Gedanken bekommen wider Willen einen Schwung. Es stehet nicht in meiner Macht, solches zu verhindern, die Erinnerung dieses glänzenden Auftritts bringet alle meine Lebensgeister in Bewegung, und in dieser Begeisterung schwingen sich meine Gedanken so kühn wie mein Ausdruck empor. Die Fusstapfen des Volkes gingen alle nach Grandisonhall zu und keine ging rückwärts eben wie bei der Höle des Löwens in der Fabel. Ich dachte es würde meinem Herrn Principal sehr rühmlich sein, und mich in den Augen der Untertanen Sir Carls in einem noch glänzendern Lichte vorstellen, wenn ich den guten Leuten, die meinem Wegen nachzufolgen sich die Mühe nahmen, etwas zum besten gäbe. Mein Heinrich musste deswegen