des Doctors ist von einer vortreflichen Composition, ein fehlgeschlagener Prozess eines Goldmachers hat die Materie dazu geliefert. Sir Beauchamp führte mich aus der Bibliotek in sein Musikzimmer, und hatte die gefälligkeit für mich, eine vortrefliche Motete abzuorgeln. Da wir aber beide alleine in dem Zimmer waren, so musste ich mir gefallen lassen, die Stelle eines Calcanten zu vertreten. Bei unsrer Zurückkunft in das Besuchzimmer fanden wir die Lady Beauchamp daselbst, welche eben von einem Besuche, den sie bei einer ihrer Nachbarinnen abgeleget hatte, zurückkommen war. Der kleine Beauchamp musste mir die Hand küssen. Sein Papa verlangte, ich sollte ihn examiniren, er bestund noch so ziemlich; doch konnte man es merken, dass sein Lehrmeister weder ein Lampert noch ein Bartlett war. Seine Mama mit dem Finger in den Augen suchte ihre Freudentränen über das geschickte Söhngen zu verbergen.
Den 25. Heute bekam Sir Beauchamp einen unvermuteten Gast an den Lord G. Seine Seele war von einem Wirbelwinde zerrissen, er hatte mit seiner Gemahlin Händel bekommen und war entflohen. Vor dem Richterstuhle Sir Carls darf von diesem unruhigen Paare keine Klage mehr angebracht werden, sie haben deswegen den Herrn Beauchamp zu ihrem Richter erwählet. Die mutwillige Ader Charlottens regt sich noch immer, obgleich bei andern Gelegenheiten als ehedem. Der Lord G. darf jetzt ungestraft in ihr Zimmer dringen, er darf sie auch einmal herzen, ohne eine Spötterei zu befürchten, über diese Dinge hat sie sich lange müde gescherzet; es fehlet ihr aber nicht an neuen Erfindungen, kleine Zankereien mit ihm zu unterhalten, und ihre Leichtfertigkeit ist ihm jetzt desto empfindlicher, weil sie einige Jahre so fromm wie ein Lamm gewesen ist, und nur seit einiger Zeit wieder angefangen hat, ihrem Mutwillen den Zügel zu lassen. Diesmal war die Ursache ihres Zwistes diese: ihr Schosshündgen war von einer Bremse in ihrem Zimmer erbärmlich gestochen worden, sie stellte sich über dieses Unglück ganz trostloss. Der Lord wollte sie zufrieden stellen; sie gab ihm aber Schuld, er hätte das Fenster mit Fleiss offen gelassen, damit er diesem Ungeziefer einen freien Zugang verschaffte, ihr Hündgen zu peinigen. Er schwur, dass er in Jahr und Tag nicht ein Fenster in ihrem Zimmer geöffnet hätte. Wenn sie in dem Zimmer wäre, sagte er, so sehnte er sich nicht nach dem elenden Zeitvertreib am Fenster zu gucken. Weit gefehlt, dass sie durch dieses schmeichelhafte Kompliment wäre beruhiget worden, so schalt sie ihn einen Arglistigen und einen Bosshaften, der sich ein Vergnügen machte, sie zu tücken, um sie hernach bedauern zu können. ungeachtet der Lord wusste, dass sie nur nach ihrer Art scherzte, durch die Länge der Zeit hat er endlich ihren Charakter ausstudiret: so wollte er doch diese Beschuldigung, ob er gleich nur eine scherzhafte Beschuldigung war, nicht auf sich sitzen lassen. Er fing an sich zu rechtfertigen, sie hielt ihm Widerpart wie die Frau aus dem Gellert. Er wurde dadurch so aufgebracht, dass er mit zorniger Eilfertigkeit das Zimmer verliess, seinen Hengst zu satteln befahl und mit verhengtem Zügel nach Beauchampshire rennte, um seine Gebieterin daselbst zu verklagen. Herr Beauchamp fällete darauf das Urteil, der Lord sollte so lange bei ihm bleiben, bis seine Gemahlin ihren Fehler erkennen und zur Strafe selbst nach Beauchampshire kommen würde, um sich mit ihm auszusöhnen. Dieses geschahe auch schon den Tag darauf am
26 October. So bald man Wind davon bekam, dass Lady G. im Anzuge begriffen wäre, bewaffnete sich der Lord mit einem steifen und ernstaften gesicht, er nahm die Gestalt eines erzürnten Ehemannes an, und eine Dame, die weniger Mut besessen hätte, als die Lady G. würde ohne Zweifel bei dieser Amtsmine in Ohnmacht gefallen sein. Da sie Herr Beauchamp aus dem Wagen hob, nennte sie ihn ihren Asmodi weil er ihrem Tyrannen bei sich Unterschleif gegeben hätte, und ihn mitin in seiner Bossheit verstärkte. So bald sie ihren Herrn ansichtig wurde, warf sie ihm einen solchen leichtfertigen zärtlichen blick zu, der in einem Augenblicke, gleichsam mit einer Zaubermacht, seine Löwengestalt in einen furchtsamen Hirsch verwandelte. Er eilte hüpfend auf sie zu und druckte ihre Hand mit seinen Lippen. Nur einen Augenblick vorher rühmte er sich, wenn seine Gemahlin käme, wollte er aussehen wie Hercules, da er ausgegangen wäre, die Lernäische Schlange zu erlegen, und da sie kam, war er Hercules bei der Omphale. In dem Putzzimmer der Lady Beauchamp wurde über dieses seltsame Paar ein Ehegericht gehalten, und ich erhielt die Stelle eines Beisitzers. Beide Teile wurden nach einem kurzen Verhör versöhnet, und der Lady G. wurde auferlegt wenigstens in vier Wochen nicht die geringste Leichtfertigkeit gegen ihren Herrn auszuüben, widrigenfalls sollte er befugt sein, ein Vierteljahr lang sich von ihr von Tisch und Bette zu scheiden. Es wurde hierauf beschlossen, den folgenden Tag in Grandisonhall einen Besuch abzulegen. Weil die Gesellschaft wusste, dass ich dahin gehen würde, um von Sir Carln Abschied zu nehmen: so versprachen sie, mich dahin zu begleiten. Lady G. sagte, ich würde daselbst den Lord L. und seine Gemahlin antreffen, und nicht nötig haben, ihnen eine besondere Visite zu Kollnebrocke, wo sie sich gemeiniglich aufhalten, abzustatten. Sie versprachen alle, bis zu meiner Abreise nach Londen bei Sir Carln zu bleiben, um diese wenigen Tage noch in meiner Gesellschaft zuzubringen. Das war für mich sehr vorteilhaft gesprochen, und ich sagte dafür das beste Danksagungskompliment, das mir der Magister Lampert