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kann: so hat er sich einen Stuhl mit kleinen Rädern verfertigen lassen, der einen Himmel, gleich einem Baldachin hat. Auf diesem stuhl ruhet er wie ein asiatischer Prinz auf seinem Trone. zwei seiner Bedienten, denen er eine Art von Kutschgeschirre hat machen lassen, müssen ihn im ganzen haus herum fahren. Diese Erfindung hat mir so wohl gefallen, dass ich Ihnen das Model davon wünschte. Der Lord versicherte, dass er wegen dieser Bequemlichkeit seine podagrische Zufälle gar nicht mehr achtete, und nur wünschte, sich noch zwanzig Jahr dieses Fuhrwerks bedienen zu können. Er priess sich glücklich, und erhob seinen Neveu, den Baronet, dass er ihm eine Gemahlin verschafft hätte, die ihm den Rest seines Lebens so angenehm machte, als er sich solches vorher selbst unangenehm gemacht hätte, und er gab mir den Rat, wenn ich mich einmal zu verheiraten gedächte, so sollte ich ja keinen andern als Sir Carln zu meinem Freiersmann wählen. Er eröffnete mir, mit einer Zufriedenheit über sich selbst, dass seitdem er angefangen hätte, diesen seinen Neffen als das Vorbild seiner Handlungen zu betrachten, so befänd er sich in einer recht stoischen Gemütsruhe. Er ersuchte mich zugleich, ihm nur Nachricht zu erteilen, wie weit es mein Herr onkel in der Nachahmung dieses grossen Mannes gebracht hätte. Aus dem Lobe, welches ihm Sir Carl oftmals selbst beileget, sagte er, mutmase ich, dass er sehr glücklich darinne ist. Bezeigen sie Ihm deswegen meine Beifreude, und muntern sie ihn auf, in seinem guten Vorhaben fortzufahren. Beim Abschiede begleitete er mich auf eben die Art wie beim Empfange auf seinem podagrischen Staatswagen mit vieler Höflichkeit über den Saal bis an die Treppe zurück.

Den 23 machte ich mich auf den Weg nach Beauchampshire und langte den 24 daselbst an. Sir Beauchamp hatte es sich gar nicht versehen, dass ich noch eine besondere Reise zu ihm tun würde, um von ihm Abschied zu nehmen und er schien darüber ganz ausserordentlich vergnügt. Nach den ersten Umarmungen erkundigte er sich sogleich nach Ihnen, und fragte mich, ob Sie den Zwang noch aushalten könnten, den Sie Sich unfehlbar, um in den Wegen Sir Carls zu wandeln, antun müssten. Ich sagte, Sie wäre vollkommen Herr über sich selbst, und also käme es Ihnen nicht schwerer an, ihr Herz nach dem Herzen Sir Carls zu bilden, als alle ihre äusserlichen Umstände nach dem Geschmack dieses ausserordentlichen Mannes einzurichten. Er erstaunte über ihre Standhaftigkeit, und gestund, dass die Deutschen zur Nachahmung geschickter wären als die Britten. Wenn ich, sagte er, nach dem Urteile Sir Carls mir schmeicheln kann, ihm einigermassen ähnlich geworden zu sein: so muss ich zugleich gestehen, dass ich in England der einzige bin, der den Fusstapfen desselben glücklich gefolget hat. Denken Sie nicht, dass ich dieses aus Eitelkeit sage, es kann mir daher in keinerlei Absicht ein Verdienst erwachsen: ich habe nichts getan, als wozu ich bin verbunden gewesen. Jedermann hat eine Pflicht auf sich, seine innerlichen und äusserlichen Vollkommenheiten nach Möglichkeit zu befördern: aber nur ein Sir Carl ist im stand, diese Pflicht zu erfüllen. Es haben sich in England mehr als tausend Leute auf dem Pfad der Tugend gemacht, um den Baronet zu folgen; keiner aber hat diese Laufbahn vollendet, ich selbst folge ihm nur von ferne, wie Petrus. Oder wollen sie, dass ich die unbändigen Leidenschaften der Menschen mit einem Strome dergleichen soll, über welchen man schwimmen muss, um an das Gestade der Vollkommenheit zu gelangen; so ist es an dem, dass viele, da sie Sir Carln haben landen sehen, kühn genug gleiches gewaget haben: sie sind aber alle von der Gewalt desselben schnell fortgerissen worden, und ich selbst scheine nur auf einer Sandbank zu ruhen, da hingegen Ihr Herr onkel mit Riesenschritten diese feindseligen Wogen durchwadet und bereits einen Fuss an das Trockene gesetzet hat – – Wir unterredeten uns noch eine gute Weile über diese Materie, bis wir endlich beide nichts mehr davon zu sagen wussten, und genötiget wurden, etwas anderes aufs Tapet zu bringen. Ob ich gleich dem Herrn Beauchamp Dero Schloss, die Einrichtung des Musikzimmers, die Bildergalerie und alle dazu gehörigen Stükke sammt und sonders über zehnmal aus den Briefen meiner Schwester und des Herrn Lamperts beschrieben habe, dass ich dächte, er hätte sich längst müde daran gehört, so musste ich ihm doch alles von neuem wieder erzählen. Er fragte ins besondere nach Ihrer Bibliotek. Ich wurde über diesen Punkt in einige Verlegenheit gesetzt, und fing an mich zu räuspern, damit ich einige Zeit gewinnen möchte, mich auf eine schickliche Antwort bei dieser Frage zu besinnen. Die geschichte des Herrn Grandisons dient meinem onkel statt aller Bücher, sagte ich, er hat sich zwölf Exemplare davon binden lassen, und diese erfüllen einige Schränke, er dienet damit jedermann, der dieses Hauptbuch zu lesen verlangt. Sir Beauchamp bedauerte, dass dieses vortreffliche Werk nicht gemeinnütziger gemacht, und auf eine solche Art eingerichtet würde, dass man es dem gemeinen mann auch in die hände spielen könnte, damit die Gesinnungen der Grossmut und der Tugend, die den Geringen im Volk kaum dem Namen noch bekannt wären allgemeiner würden, ich gab ihm Beifall. Er hat eine vortrefliche Bibliotek. Die Bronzen des D. Bartletts und des Pater Marescotti geben solcher keine geringe Zierde, sie stehen gegen einander über mit offnem mund, als wenn sie disputirten, der Pater macht ein schrecklich böses gesicht. Die Bronze