davon gegen sie gedenken sollte, so wird man doch jederzeit eine Entschuldigung finden, um es ihr nicht in die hände zu geben. Der Herr v.W. hat sich mit ihr ausgesöhnet, wiewohl auch nicht vollkommen; rechte gute Freunde werden sie niemals; aber er verschliesst sich doch nicht mehr in seine Studierstube. Es ist Zeit, dass ich mein aufgeschwollenes Paquet siegele und fortschicke, ich lasse es nach Strassburg gehen; ich glaubte nicht, dass es dich noch in London antreffen würde, du wirst es also in Strassburg finden. Unter den eifrigsten Wünschen, nach glücklich vollendeter Reise, bei vollkommenen Wohlsein diesen Brief zu erbrechen, empfiehlt sich ihrem geliebtesten Bruder.
Amalia v.S.
Fussnoten
1 Dieses sind die vorhergehenden Briefe vom 6ten bis auf den 14ten.
XVI. Brief.
Der Hr. v.N. an den jungen Hrn. Baron v.S.
den 23 Octob.
Warum wollen Sie doch England verlassen? Es treibt Sie ja keine Not dazu. Sie sind bei meinem Herrn Gevatter dem Baronet wohl aufgehoben; so viel ich aus Ihren Briefen abnehmen kann, hält er Sie wie sein Kind, und er wird es vermutlich gerne sehen, wenn Sie noch eine Zeitlang bei ihm bleiben. Mein Rat ist nicht dabei, dass Sie vor Ausgang des Jahres abreisen. Inzwischen muss ich Ihnen freilich Ihren freien Willen lassen, und wenn Sie es nicht besser haben wollen, so reissen Sie hin wohin Sie wollen, ich denke, Sie werden wie die Schweizer, das Heimwehe bekommen haben. Tun Sie mir nur den Gefallen, und beschmausen Sie die englischen Freunde noch einmal die Reihe herum, und empfehlen Sie mich einem jeden von denenselben ins besondere. Sie nennen Sich selbst einen Abgesandten von mir an den Herrn Grandison, Sie sollen es auch bei seiner ganzen Familie sein, tun Sie Sich nur bei der Abschiedsaudienz nur recht bene. Machen Sie dem Herrn Richardson von mir ein gross Kompliment, und bedanken Sie Sich für die Ehre, die er mir erzeigen will, von mir einen Roman zu schreiben, und solchergestalt mich in England bekannt zu machen. Wenn es mir mit meiner Henriette gelingen sollte, so bin ich nicht abgeneigt ihm zu willfahren, er mag alsdenn ein langes und ein breites von mir schreiben; jetzt ist aber die Sache noch nicht reif genug. Das können Sie Sich unterdessen zur Lehre nehmen, dass ich niemanden erlauben werde, von mir zu schreiben, als dem Herrn Richardson.
Das ist ein verzweifelter Streich mit der Glocke! der verwünschte Zolljude, der solche für Contreband erkläret hat, wäre wert, dass er bei den Beinen aufgehangen würde. Hat ihn denn Herr Grandison nicht verklagt? Der Pfarr gehet mir abscheulich zu leib, und will mir eine neue Glocke abzwingen: ich werde ihn aber garstig ablaufen lassen, wenn er sich unterstehet, nur wieder mit einem Worte an die verhasste Sache zu gedenken. Suchen Sie doch den D. Bartlett zu bereden, dass er an ihn schreibt, und ihn zur Geduld verweist. Ich habe jetzt ohnedem meine liebe Not, ich bin in eine recht böse Sache verwickelt, davon sich nicht viel schreiben lässt. Nur im Vorbeigehen ein Wort davon zu gedenken, ich soll mich schlagen; aber daraus wird nichts, es wird mir rühmlicher sein, wenn ich die Sache auf Sir Carls Fuss stelle, und sie in der Güte beilege.
hören Sie, noch eins wollte ich gedenken, ehe ich schliesse. Der Magister ist auf den Einfall geraten, meine Bildergallerien mit den Portraits der Personen, die in der geschichte des Herrn Grandisons vorkommen, auszuschmücken. Der Einfall ist gut und gefällt mir, er hat dabei allerlei gute und heilsame Absichten. Sehen Sie doch zu, dass Sie diese Portraits beim leib bekommen; oder dass Sie mir wenigstens gute Copieen davon verschaffen. Für die leichte Mühe wird ihnen sehr verbunden sein
Ihr
treuer Vetter
v.N.
XVII. Brief.
Der Herr v.S. an das fräulein Amalia v.S.
London den 6 Novembr.
Geliebte Schwester,
Die letzten Tage meines Aufentalts allhier, habe ich zu Verfertigung eines Tagebuchs angewendet, welches du mit meinem Briefe empfängst, um es meinem onkel zuzustellen. Du wirst aus beigelegtem Schreiben, das ich vor einigen Tagen von ihm erhielt, ersehen, dass er mich nochmals zu seinem Abgesandten an das ganze Haus der Grandisonen ernennet hat. Zu einer solchen Gesandtschaft wird viele Zeit erfordert, und da ich diesen Brief erhielt war es zu spät, dass ich wahrscheinlicher Weise diesen Posten noch erst hätte verwalten können; ich habe ihn also beredet, dass ich durch eine glückliche Ahndung seinen Befehl bereits hätte erfüllt gehabt, ehe ich ihn erhalten. Aus der Dicke dieses Briefes wirst du auf die Weitläuftigkeit desselben schlüssen können. Ich habe ihn nicht gesiegelt, damit er in Schöntal kann gelesen werden, wenn es dir oder dem Baron gefällt, sich diese Mühe zu nehmen. Wenn unser onkel oder der Magister Stelle dieses Tagebuchs machen sollte, so muss man diese zu widerlegen suchen; damit seine Zweifel nicht Wurzel schlagen und das Spiel verderben. Ich habe meiner Einbildungskraft darinne oft den Zügel gelassen, mein Journal verfällt an manchen Orten ins wunderbare; doch glaube ich nicht, dass ich die Sphäre meines Oncles überschritten habe: Wer sich getrauet andern unglaubliche Dinge aufzubürden, der muss auch geneigt sein, etwas von gleichem Schlage selbst zu glauben.
Der Magister Lampert will die Bildergallerie unseres Oncles mit den Porträits der