! das hätte ich nicht gedacht, dass ich so würde überwunden werden.
Der Baron. Es ist gut, dass es geschehen ist; wir dachten alle nicht, dass sich die Sache auf eine freundschaftliche Art endigen würde.
v.H. Ich kann es auch, bei meiner Seele, noch nicht begreifen, wie dieses zugegangen ist!
v.W. Ob du es eben begreifest oder nicht, daran ist nicht viel gelegen, genug es ist geschehen.
Der Major. Wer kann einem solchen mann widerstehen, als dieser Herr v.N. ist? das mag ein andrer tun und ich nicht.
v.N. Sie haben sich von mir nicht überwinden lassen, sondern von der gesunden Vernunft.
Der Baron. Wie edel! Wir werden uns aller ihrer Reden und goldenen Lehren, die sie uns gegeben haben, erinnern, wenn sie auch nicht gegenwärtig sind. Dieser Schrank hat sie alle zum Gedächtniss und zu unserer Wiedererinnerung aufbehalten.
v.N. Wie verstehen sie das?
Der Baron. Ich beredete den Herrn Major, zu verstatten, dass ein junger Mensch, auf dessen geschwinde Faust ich mich verlassen konnte, eine aufrichtige Erzählung von alle dem, was vorfiele nachschreiben sollte, und er steckt in diesem Schranke.
v.N. Das ist etwas sonderbares, ich kann mich nicht genug darüber verwundern. Inzwischen da die Sache zu dem Vorteile eines jeden ausgefallen ist, und jeder teil mit Ehre aus dem Handel scheidet, so dürfen wir kein Protokoll fürchten.
Der Baron. Herr Wendelin, ihre Verrichtung ist zu Ende. Sein sie so gut und kommen sie heraus aus ihrem Schranke, mit dem, was sie geschrieben haben.
Der Schreiber gehorchte, er hatte sich lange nach seiner Erlösung gesehnet. Der Herr Baron fragte, ob das Protokoll sollte vorgelesen werden; allein man sagte, dass es Zeit wäre zur Tafel zu gehen. Der Herr v.N. wollte durchaus nach haus, ungeachtet ihn sehr zu hungern schien, endlich blieb er doch auf vieles Bitten.
Der Schreiber bekam hierauf Befehl, das Protokoll einige mal sauber abzuschreiben, und von dem Herrn Baron v.F. seine Copialien zu erwarten. Zugleich wurde ihm in geheim anbefohlen, in dem Exemplare, das für den Hrn. v.N. bestimmt war, die besondere Unterredung desselben mit dem Herrn Lampert wegzulassen, auch gegen beide zu läugnen, wenn er allenfalls deswegen sollte befraget werden, dass er sie nachgeschrieben habe. Dieses ist also die richtige Abschrift von allem, was vorgegangen ist, welches nach seinem besten Vermögen nachgeschrieben und auf Verlangen Sr. Hochwohlgebohr, dem Herrn Baron v.F. eingehändiget hat.
Dessen
untertäniger Diener
Joh. Caspar Wendelin.
Ich will nun meine Erzählung da fortsetzen, wo sich des jungen Wendelins seine endiget. Den ganzen Tag über blieb die Gesellschaft bei uns. Man sah nichts als Freundschaftsbezeigungen von einer und der andern Seite, unsere Herren schienen ein Herz und eine Seele zu sein. Unser onkel liess eine solche Zufriedenheit über sich selbst blicken, dass ich glaube, er hat diesen Tag unter die glückseligsten seines Lebens gezählet. Der Herr v.H. war immer in tiefen Gedanken, der gute einfältige Mann, der den Zusammenhang der Sache nicht einsahe, konnte nicht begreifen, wie ein solcher Zwist friedlich wäre beigeleget worden. Er sagte, es käme ihm alles wie ein Traum vor. Er hat die Ehre, dass er der erste ist, den unser onkel zu seinem Jünger gemacht hat, und wenn er eine Secte stiftet, so muss der Herr v.H. unter seinen Anhängern oben an stehen. Ehe wir noch speisten, fertigte der Herr v.W. seinen Jäger an seine Gemahlin ab, um ihr zu melden, dass alles glücklich vorbei wäre. Ich hatte mir vorgenommen eine kleine Rache an ihr auszuüben. Ich wollte den Jäger abrichten, dass er sich in Wilmershausen ganz betrübt stellen sollte, als wenn ihm etwas im Gemüte läge, das er sich nicht getrauete zu sagen. Er sollte sich gegen das Gesinde verlauten lassen, sie würden bald eine schlimme Zeitung hören, dadurch sollte die Frau v.W. auf die Vermutung gebracht werden, dass in Schöntal auf ihr Anstiften ein grosses Unglück entstanden wäre. Ich unterliess es jedoch hernach, weil mir der Kerl zu einfältig schien seine person wohl zu spielen; ich dachte auch die Frau v.W. würde gegen uns und ins besondere gegen mich nur noch mehr aufgebracht werden, wenn sie erführe, dass man einen Schreckschuss auf sie getan hätte. Der Baron ist mit dem Major sehr wohl zufrieden, unser onkel siehet den letzteren als seinen Neubekehrten an. Der Major nahm es auf sich, der Frau v.W. eine solche Vorstellung von dem Vorgang der Sache zu machen, die sie völlig zufrieden stellen wird, und wir sehen bereits von seiner Bemühung gute Wirkungen. Das fräulein v.W. meldet mir, dass ihre Mutter mit dem Hrn. v.N. halb und halb wieder ausgesöhnt zu sein schiene, und diese Versöhnung wird vollkommen werden, wenn er sie, wie er versprochen hat, schriftlich um Verzeihung bittet. Ob er gleich feste darauf bestehet, dass er nicht beleidiget hat: so will er sich doch vor ihr demütigen, und durch diesen Beweiss der Grossmut, wie er es nennt, sie gleichfalls bekehren. Das Protokoll wird sie niemals zu sehen bekommen, und wenn ihr Gemahl auch etwas