er dieses Schild wieder einziehen musste.
Der Major. Ich bin ganz bezaubert von ihnen, vortreflicher Mann! Ich sehe, dass es ihnen nie an Mute gefehlet hat; aber mich dünkt, sie haben ihn an keinem Orte rühmlicher angewendet als hier, da sie das gemeine Beste dabei zum Endzwecke hatten.
v.W. zu dem Hrn. v.N. Ja, wenn deine Worte lauter Evangelien wären, so wollte ich im geringsten nicht daran zweifeln; aber so muss ich es nur glauben, weil du es gesagt hast. Ich will die Sache nicht ganz verwerfen; ich denke aber du erzählest manche Dinge für dich zu vorteilhaft, Herr Bruder.
Der Maj. Ich bin geneigt, alle dem Glauben beizumessen, was der Herr v.N. gesagt hat. Ein Nachfolger Sir Carls kann keine Unwahrheiten sagen. Indessen bin ich versichert, es wird ihnen auch nicht an Beispielen mangeln, wo sie lebendige Zeugen ihres Mutes für sich anführen können.
v.N. Daran soll es auch nicht fehlen. Hat Jemand an dem Herrn Magister Lampert etwas auszusetzen, wenn ich ihn für mich zum Zeugen anführe?
v.W. Ganz und gar nichts.
Der Baron. Sein zeugnis ist das glaubwürdigste.
Der Maj. Es scheinet ein Mann von Ehre zu sein.
v.N. Nun so hören sie denn. Ich reiste einmal nach Frankfurt in die Messe, gegenwärtiger Herr Lampert begleitete mich dahin. Wir speisten täglich in einem angesehenen Gastofe, wo immer eine starke Gesellschaft von Vornehmen und andern Fremden, die es bezahlen konnten, anzutreffen war. Wir setzten uns eines Tages an eine Tafel von mehr als 30 Personen. Nicht wahr Herr Lampert?
Hr. Lampert. Ja! Es schmeckt mir noch immer gut, wenn ich daran gedenke, wir wurden recht wohl bewirtet.
v.N. Nicht lange nach uns kam ein Mann, von dem Ansehen eines Cavaliers, und setzte sich gleichfalls an unsere Tafel. So bald dieser Mann erschien, hörten alle gespräche auf. Es schien, als wenn durch seine Ankunft der Appetit aller Anwesenden wäre vermehret worden; alle speisten mit der grössten Begierde und Eilfertigkeit, und eine Zeit darauf verschwand einer nach dem andern. Ich wunderte mich darüber, und fragte einen Kaufmann, der im Begriff war sich gleichfalls wegzubegeben, um die Ursache dieser Verschwindung. Sehen sie nicht, sagte er mir ins Ohr, dort unten den furchtbaren Mann? Ich rate es ihnen, schleichen sie sich gleichfalls unvermerkt fort, wenn sie nicht wollen in Unglück kommen. Wenn er sich satt gegessen hat, so fängt er an zu trinken und hört nicht eher auf, bis ihn der Wein erhitzt hat, alsdenn kritisiret er über die Gesellschaft. Wer dieses nicht vertragen kann und sich mit ihm abgiebt, an dem sucht er Händel, und drohet mit Degen und Pistolen. Er ist ein vortreflicher Fechter und ein guter Schütze, und soll schon manchen über den Haufen gesetzet haben. Ich dachte sogleich, dass dieses eine gute gelegenheit wäre, Ehre zu erwerben und mich bei der ganzen Gesellschaft in Ansehen zu bringen. Ich mass ihn einige mal mit den Augen, und dieses zog bald seine Aufmerksamkeit auf mich. Wir sprachen eine Zeitlang durch Minen mit einander, er getrauete sich nicht ein Wort zu sagen, weil er sah, dass ich ihn nicht fürchtete. Endlich fing er an, mit seinem Heldentaten zu prahlen, ich tat als wenn ich darauf gar nicht Acht hätte und erzählte, ihm zum Trutze, einige von meinen merkwürdigen begebenheiten. Er wollte mich überschreien. hören sie, sagte ich, wenn ich rede, so muss es stille sein in dem Zimmer. Er unterstund sich hierauf einen Teller nach meinem kopf zu werfen, welcher aber fehl ging, und beinahe den Magister erschlagen hätte. Ich sprang auf in voller Wut, als wenn ich alles niedermachen wollte und über ihn her. Ist dem nicht also, Herr Lampert?
Hr. Lampert. Allerdings, er kam garstig weg.
v.N. Er fing an zu schimpfen und zu schelten. Willst du dich noch maussig machen? sagte ich, und was dergleichen mehr war. Kann er sichs nicht erinnern, was ich ungefehr noch sagte?
Hr. Lampert. Sie sprachen noch eins und das andere, zum Exempel: Du hast wohl nie einen Hund aus dem Ofen gelockt und willst dich an mich wagen?
v.N. Ja, ich erinnere mich. Gehe, sagte ich, Eisenfresser, der du sein willst, du hast wohl nie einen Hund aus dem Ofen gelocket und willst dich an mich wagen, und in eben dem Augenblicke lag er die Länge lang unten vor der Treppe.
Der Major. Stellte er sich denn nicht zur Wehre?
Hr. Lampert. Nicht sonderlich. Er war über den mutigen Angriff erschrocken, dass er kein Leben hatte, er versahe sich dieses ganz und gar nicht.
Der Major lachte sehr laut.
v.N. Worüber lachen sie? Herr Lampert, ist es nicht alles so, wie ich es erzählet habe?
Hr. Lampert. Vollkommen so, auf meine Ehre.
Der Major. Ich setze in die Wahrheit ihrer Erzählung gar keinen Zweifel, ich ergötze mich nur an der glücklichen Anwendung des bekannten Sprichworts.
v.N. Ist das zum Sprichwort worden? haben sie es mehrmals gehöret?
Der Major. Sehr oft.
v.N. Das Sprichwort kommt von mir