1760_Musus_076_85.txt

.H. Bei meiner Seele! v.N., sie kommen heute gut weg. Ich dachte, es würde Mord und Todschlag aus dem Handel entstehen, oder sie würden sich doch tapfer herum hauen müssen, wenn sie den Herrn Major satisfaciren sollten. Ich kann gar nicht einsehen, wie sich das Ding so gedrehet hat, dass diese Händel einen gütlichen Vergleiche nahe sind, und jeder bei Ehre bleibt, gleichwohl scheint es, als wenn es gar nicht anders hätte sein können. Gebt nur einander die hände, ihr Herren, es wird aus der Schlägerei doch nichts, vertragt euch in der Güte.

Der Major. So weit sind wir noch nicht, (zu dem Hrn. v.N.) Sie müssen meiner zweiten Bedingung noch vorher Genüge leisten. Sie hatten, wie es scheint, nicht immer die Grundsätze, die sie jetzt haben; sie zeigten ehedem ihren Gegnern ihrer Mut in der Tat, so wie sie ihn mir heute durch Worte gezeiget haben. So viel ich weiss, sind sie mehrmals vor der Klinge gewesen, und vor zeiten würden sie sich sehr bedacht haben ihre Händel auf diese Manier wie jetzt beizulegen.

v.N. Beleidigen habe ich mich niemals lassen, wenn mich einer nur über die Achsel ansahe, so schlug ich ihn hinter die Ohren.

Der Baron. Damals hatten sie also nicht die Grossmut, die Gelassenheit, die Standhaftigkeit, die wir jetzt an ihnen bewundern.

v.N. Damals focht ich noch mit dem ersten Schwerdte, jedermann musste sich vor mir fürchten.

Der Major. Ein Beispiel ihres Muts, Herr v.N.!

v.N. Zehne für ein. Da ich noch unter dem Prinzen Eugen gegen die Franzosen zu feld lag, wurde ich einmal mit 50 Mann in ein Dorf commandiret, um Fourage beizutreiben. Es wohnte daselbst ein Beamter, der ehedem auch ein Soldat gewesen war. Ungeachtet es in Freundes Land war, so tat ich doch aus gefälligkeit gegen meine Leute, als wenn ich dieses nicht wüsste, und liess sie auf Discretion leben. Der Beamte beschwerte sich deswegen bei mir, und um mir eine Furcht einzujagen, sagte er, wenn ich diesem Unheil nicht abhelfen wollte, so würde er mich, wenn ich von meinem Commando zurückberufen wäre, herausfordern. Ich, der ich mich nie für einen Menschen fürchte, seitdem ich das Wort Mensch buchstabiren kann, gab ihm zur Antwort, einmal schlagen und ein paar Gläser Wein austrinken, wäre mir einerlei; ich gab ihm zugleich meinen Handschu und verlangte von ihm, eine Zeit und Ort zu bestimmen, wo wir einander finden wollten. Er versprach, dieses zu tun, wenn ich von meinem Commando zurückberufen wäre. Nach einiger Zeit, da wir in den Winterquartieren lagen, schickte er mir ein Carteil, dass ich mich nebst zwei Secundanten an einem gewissen Gränzorte, auf den und den Tag einfinden sollte. Ich hielt die Secundanten für überflüssig und nahm nur meinen Reitknecht zu mir. Mein Gegner war sehr unwillig, dass ich keine Secundanten mitgebracht hatte, ich sagte: meine Pistolen und mein Degen sind meine Secundanten. Wie, wenn wir uns nun alle dreie mit ihnen schlagen wollten, sagte er? Dazu bin ich bereit, ich nehme es mit euch drei Kerls auf einmal an, ihr seid keine Cavaliers. Sie wurden darüber erbittere; ich aber nicht faul, ergriff mit der einen Hand die Pistole und mit der andern den Degen. Sie erstaunten über meine Herzhaftigkeit und machten links um, ich hinter ihn drein wie ein Satan. Einen davon, der kein so flüchtiges Pferd hatte als die andern, holte ich ein. Nehmen sie sich in Acht, sagte ich, jetzt werde ich sie auf den Pelz brennen. Er schrie erbärmlich um Pardon. Gut denn, jagte ich, reiten sie hin mit Frieden, ich will ihnen das Leben schenken. Er bewunderte meine Grossmut, und ich behielt das Feld. Ich habe seit der Zeit kein Wort wieder von ihnen gehöret, und glaube die ersten beiden sind ohne Zweifel in einem grossen Flusse umkommen, durch welchen sie setzen mussten, um sich zu retten.

Der Major. Das ist eine ganz ausserordentliche Begebenheit, die sich in den neuern zeiten nur alle hundert Jahre einmal zuträgt.

v.N. Dergleichen begebenheiten sind mir mehrere begegnet.

Alle Herren baten ihn hierauf noch einige zu erzählen.

v.N. In Italien commandirte ich einmal eine Freicompagnie, die mehrenteils aus Banditen bestund. Ich hielt die Schurken ein bisgen kurz, und sie machten deswegen eine Meuterei gegen mich. Eines Tages hatte ich sie lassen ein wenig voraus marschiren, und ich wollte nachkommen. Sie hatten sich meine Abwesenheit zu Nutze gemacht, und hatten sich zusammen verschworen, mich kalt zu machen, zugleich hatten sie einen Preiss auf meinen Kopf gesetzt, dass derjenige, welcher sich zuerst an mich wagen würde, mein Nachfolger sein und sie commandiren sollte. Ein Deuscher verriet mir diesen Anschlag, und gab mir den Rat, mich ja nicht vor den desperaten Kerls blicken zu lassen, wenn ich nicht wollte auf dem platz niedergemacht sein. Ich wie der Wind zu Pferde auf und davon – –

v.W. Daran tatest du gescheut, Herr Bruder, dass du Reisaus gabest, ich hätte es selbst so gemacht.

Der Baron. Ich fühle jetzt sehr lebhaft ihre Gefahr und ihre Entrinnung. In der Tat ihr Heil bestand damals in der Flucht.