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und eben jetzt damit fertig war.) Ich dächte, sie liessen es nicht aufs äusserste ankommen, Herr Major, wenn v. N, seinen tollen Kopf aufsetzt, so ist er ärger als der T. Vertragt euch in der Güte miteinander, ihr Herren, zuletzt behält doch keiner Recht.

Der Maj. Wenn durch einen gütlichen Vertrag meine Ehre wieder hergestellet werden könnte, so wollte ich einem Vergleiche gern die Hand bieten. Da aber meine Ehre, in den Augen der Welt, mehr dabei verlieren als gewinnen würde: so bin ich entschlossen, die Entscheidung unsers Zwistes auf den Degen ankommen zu lassen.

v.N. Ihre Ehre kann nicht wider hergestellet werden, denn sie ist nicht beleidiget worden. Ich wollte mir eher auf deutschen Fuss die kehle abschneiden, oder nach englischer Manier, mich an den nächsten Balken hängen, ehe ich jemanden an seiner Ehre und guten Namen den geringsten Eintrag tun wollte.

Der Baron. Welch ein vortreflicher Gedanke! Wenn sie nicht mit dieser Erklärung zufrieden sind, so weiss ich nicht, was sie weiter verlangen.

v.H. Vor dem Henker! Ich kann aus euch Leuten nicht klug werden. Der eine schwatzt einen Haufen von Beleidigungen, und will mit der Sprache doch nicht heraus, worinne sie bestehen sollen, und der andere will durchaus nicht eingestehen, dass er jenen beleidiget hat. Sie gehen um die Sache herum, wie die Katze um den heissen Brei, ohne dass etwas ausgemacht wird. Mein Rat wäre, ihr Herren vertrügt euch entweder in der Güte miteinander, wie es der Herr v.W. haben will, oder durch den Degen.

Der Major. Gut, bei diesem Ausspruche soll es bleiben, ich erwähle das letztere.

v.N. Ich ergreife das erstere. Sie kennen meine Grundsätze, und bestehen nur auf dem Duell, weil sie wissen, dass ich mich in kein Duell einlassen will.

v.H. Aber warum nicht? Der Herr Major hat sie einmal heraus gefordert, und sie müssen ihm Satisfaction geben.

v.N. Ich kann diese Ausforderung, wenn ich auch sonst keine Gründe für mich anzuführen hätte, aus der Ursache nicht annehmen, weil es ein unchristlicher Gebrauch ist, wegen einer vermeinten, oder auch gegründeten Beleidigung sich den Hals brechen zu lassen, oder ihn seinem Nebenmenschen brechen zu wollen.

Der Major. Das sind Worte eines frommen Schwärmers.

v.N. Die Heiden und Türken verabscheuen eine solche gottlose Gewohnheit, und die alten Römer.

v.H. Was T – – gehen uns die alten Graubärte an! Sie reden, als wenn ihr Magister ihnen die Worte in den Mund geleget hätte.

v.N. Lassen sie mich zum Worte kommen, die alten Römer haben niemals mit einander Kugeln gewechselt.

Der Major. Ja, zu der Zeit war das Pulver noch nicht erfunden, sonst würden sie sich wohl tapfer herumgeschossen haben.

v.N. Das sagen sie nicht. Wie hätten denn die Römer so viele Vestungen einnehmen können, wenn sie kein Pulver gehabt hätten? Aber dieses bei Seite gesetzt, so will es nicht einmal der Papst leiden, dass sich seine Untertanen duelliren sollen.

Der Maj. Was hat uns der Papst zu befehlen, meine Ehre ist mir wichtiger, als alle päpstliche Bullen.

v.N. Ein alter Kirchenvater, Namens Concilius Tridentinus, gehet noch weiter, er erkläret alle die, welche in einem Zwiekampf umkommen, für Selbstmörder, und schlägt ihnen ein christlich Begräbniss ab.

v.H. Wenn wir die gesetz der Ehre aus den Kirchenvätern herlangen wollen, so müssen wir uns freilich auf einen ganz andern Fuss setzen. Wir müssen feige Memmen werden, und in der Feigheit eine Ehre suchen; unsere Ahnen aber, die sich durch ritterliche Taten empor geschwungen haben, müssen wir als Mörder und Strassenräuber verdammen.

v.N. Wir können eher dieses tun, als dass wir in ihre Fusstapfen treten, und es eben so arg machen, wie sie. Die Fehler muss man ausrotten, wo man sie findet.

Der Baron. Der Herr v.N. spricht wie ein Orakel. Ich will heute noch meinen Degen einleimen lassen, damit ich nie wieder in die Versuchung gerate, ihn gegen jemand zu ziehen.

Der Maj. Es ist wahr, die Gründe des Herrn v.N. haben einigen Schein, und wenn ich ihm weiter zuhörete, so glaube ich, ich dächte eben so wie er. Aber die Vorurteile der Welt halten mich ab, dass ich ihm nicht beipflichten kann.

v.N. Ist es aber nicht besser, ein Mann von Ehre zu sein, als dass man in den Augen der Welt dafür angesehen wird, ohne es zu sein? Um die Vorurteile der Welt muss man sich nicht bekümmern. Eine wilde und unbändige, ich will nicht sagen unchristliche Gewohnheit als das Duelliren ist, kann gar keinen Beweiss angeben, dass man auf die Erhaltung seiner Ehre bedacht ist. Denn jeder Schurke, der nicht für einen Pfennig Ehre besitzt, kann einen braven Mann heraus fordern, um sich vor der Welt ein Ansehen zu machen.

Der Major. Sie reden, als wenn es gedruckt wäre, und ich wiederhole es nochmals, wenn ich mich überzeugen könnte, dass sie so vortreflich dächten als sie sprechen, so wollte ich mich eher vor ihnen erniedrigen, als vor dem grossen Magol auf seinem Trone.

v.