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, ich bestehe darauf, sie müssen eine von diesen Pistolen wählen.

v.H. Zeigen sie, dass sie noch Ehre im leib haben, sie können es warlich nicht ausschlagen! Nehmen sie eine.

Der Herr v.N. stunde von seinem stuhl auf, und nahm beide von dem Major. Er besahe sie lange, endlich sagte er: Die Wahl hält schwer, sowohl die eine als die andere scheint zum Unglück zubereitet. Ich will nicht an ihnen zum Mörder werden.

Der Maj. Wohlan! So soll der Degen unsern Zwist entscheiden.

v.N. Da es also zugestanden ist, meine Herren, die Pistolen wegzulassen; und da ihr Anblick schon zum Unglück zu reizen scheinet: so werden sie erlauben, dass ich sie losbrenne.

Er öffnete ein Fenster, um sie loszuschiessen, sie

versagten aber beide. Nach der Erzählung ist der Schreiber versichert, dass sie nicht geladen waren. Er lass also beständig ganz ruhig in seinem Schranke, weil er wusste, dass kein Unglück vorgehen konnte. Der Major stellte sich, als wenn er es verhindern wollte, dass die Pistolen nicht losgebrennt würden; der Herr v.N. sah sich also genötiget, zu Verhütung alles Unglücks, sie zum Fenster hinunter zu werfen. Da nun eine kleine Bewegung entstund, weil jedermann nach dem Fenster ging, um zu sehen, was der Lerm zu bedeuten hätte, den man gleich darauf im hof hörete: so glaubte der Herr v.N. man hätte ein Absehen auf ihn. Er legte mit einer gravitätischen Mine die Hand an den Degen, und sagte ganz gelassen: meine Freunde nehmen sie sich in Acht, dass ich niemanden beschädige, ich werde meinen Degen ziehen, wenn man mich anfällt.

Die Ursache des Lerms im hof war diese. Wigand, der Reitknecht des Herrn v.N. hatte sich unter dem Fenster, aus welchem der Herr v.N. die Pistolen herunter warf, gesönnet, es war ihm eine davon auf den Buckel gefallen, worüber er so heftig zu schreien anfieng, dass alles Gesinde zusammen lief. Weil man Pistolen neben ihn liegen sah, so glaubte man, er hätte einen Schuss bekommen.

Der Major zu dem Herrn v.N. Wollen sie mir auf den Degen Satisfaction geben? Das ist gut, endlich entschliessen sie sich doch zu etwas.

v.N. Ich ziehe ihn nur zu meiner Verteidigung, ich dachte sie wollten sich über mich hermachen, weil ich ihr mörderisches Gewehr zum Fenster hinausgeworfen habe.

Der Major. Ja, das ist eine neue Beleidigung, so verächtlich begegnen sie mir.

v.N. Ich habe es nicht aus Verachtung getan, sondern zu ihrem Besten. Sie sollen ihr Leben nicht durch meine Hand verlieren, sie können es besser anwenden, wenn sie es dem vaterland zum Besten aufopfern; sie haben einen Beruf für solches zu streiten. In einiger Zeit, wenn sie die Sache ruhig überlegen, werden sie es vielmehr billigen, dass ich meine Pistolen ihnen aus den Zähnen gerückt habe, damit sie nicht zu dem Gebrauch könnten angewendet werden, zu dem sie bestimmt waren.

Der Maj. Vereiteln sie mir nicht meine Freude, die sie mir dadurch machten, dass sie die Hand an den Degen legten. Kommen sie hinunter in den Grasgarten, dort wollen wir ein paar herzhafte Gänge tun, und unsere Sache ausfechten.

v.N. Ich habe ihnen schon mehr als einmal gesagt, dass ich nicht als Feind, sondern als Freund hieher kommen bin, um meine gerechte Sache zu verteidigen.

Der Maj. Mit dem Degen hoffe ich?

v.N. Keinesweges! Mit dem Degen verteidige ich mich nur gegen Mörder und Feinde, ich ziehe ihn aber nicht gegen meine Freunde. Meinem irrenden Bruder helfe ich durch vernünftige Vorstellungen zu rechte. Dieses ist der beste Weg, den man wählen kann, ihn zu bessern, und ihn zur erkenntnis seiner Fehler zu bringen.

Der Baron. Das ist bei meiner Ehre edel gesprochen!

Der Maj. Wenn sie immer so gedacht hätten, wie sie jetzt sprechen, so würde ich die Grösse ihres Geistes bewundern. Da aber ihre Taten nicht mit ihren Worten übereinstimmen, so setzen sie sich in den Verdacht, als wenn es ihnen an Mute fehlte, Es scheint, dass sie ihre Furchtsamkeit in die Larve der Grossmut, die sie ihren Gevattersmanne abgezogen haben, verstecken wollen; aber die Verstellung ist zu sichtbar. Ein grossmütiger Mann beleidiget niemanden, und also hat er auch nicht nötig, für angetane Beleidigungen eine Genugtuung zu verschaffen. Sie aber haben mich beleidiget und wollen mir keine Satisfaction geben: also schlüsse ich daraus, dass sie nicht grossmütig sind, sondern furchtsam.

Hr. Lampert. Heu! quae qualis quanta!

v.N. Stille! (zu dem Major) hören sie, meiner Ehre wird dadurch nichts abgehen, sie mögen von mir glauben was sie wollen. So viel will ich ihnen nur sagen: sie haben ihr Leben meinen grundsätzen zu danken. Ich bin von natur hitzig, ich habe auch vielen Stolz; ich habe aber nach dem edlen Beispiele Sir Carls beides unterdruckt, und das ist jetzt ihr Glück. Wenn ich der wäre, der ich ehmals war: so würden ihnen ihre Beschuldigungen teuer zu stehen kommen.

v.W. (welcher bishero sich beschäftiget gehabt, das Frühstück, welches für die ganze Gesellschaft aufgetragen war, alleine zu verzehren,