1760_Musus_076_81.txt

, wir würden unsere Streitigkeit eben so haben beilegen können, wie ich die meinige mit dem Herrn Major jetzt beizulegen gedenke.

Der Maj. Sie haben die Wahl, ob dieses auf den Degen oder Pistolen geschehen soll.

v.N. Weder auf diese noch auf jene Art, und dieses, hoffe ich, wird mich zu dem Titel ihres besten Freundes berechtigen, dass ich es abschlage, mich mit ihnen in einen Zwiekampf einzulassen.

Der Maj. Wie? Sie halten sich zu den Titel meines besten Freundes berechtiget, dass sie mir eine rechtmässige Satisfaction, die ich wegen einiger Beleidigungen von ihnen verlange, versagen? Ist dieses nicht eine offenbare Verachtung?

v.N. Nein, das ist die stärkste probe meiner Freundschaft, die ich ihnen geben kann. Ich will sie nicht unglücklich machen: denn es würde ihnen eben nicht besser ergehen, als allen ihren Vorgängern, die ich vor der Klinge gehabt habe.

Der Maj. Ich werde also Ursache haben, mich bei ihnen zu bedanken, dass sie so grossmütig mit mir verfahren, und sie muntern mich auf, ihrem Beispiele zu folgen. Ich werde sie also, wenn sie mir keine Satisfaction geben wollen, mit nächsten beleidigen, um hernach, wenn ich ihnen solche gleichfalls versage, ihnen dadurch einen Beweiss meiner Freundschaft geben zu können.

Hr. Lampert. Was höre ich, welchen Schluss! Beurlauben sie mich gnädiger Herr, wenn sie nicht wollen, dass mir, als einem Meister in der Kunst zu schlüssen, bei dergleichen falschen Schlüssen, wenn ich sie nicht widerlegen darf, eine Ohnmacht zuziehen soll. Ich besorge, es dürfte mir gehen, wie jenem grossen Kunstrichter, der für heftigen Entsetzen zu Boden sank, da ein Idiot in seiner Gegenwart einigen Tonkünstlern zurief: Salvete domini Musicantes. (Er wollte sich wegbegeben)

v.N. Bleib er hier, Herr Lampert, er muss sich einmal mir zu Gefallen Gewalt antun. Ich werde schon die falschen Schlüsse widerlegen. Es geschiehet nicht zu meiner Beschützung, mein Herr, dass ich den Herrn Lampert ersuche, hier zu bleiben, er soll nur von der Richtigkeit meiner Schlüsse, die ich den ihrigen entgegen zu setzen gedenke, urteilen. Sie stehen in dem Wahne, ich hätte sie beleidiget, und wollte ihnen keine Satisfaction geben. Ich beleidige Niemand; der Grund von unserm Zwiste rühret nur vom Zufalle her. Ich habe auch nie den Vorsatz gehabt, sie zu beleidigen, wenn man Jemanden beleidigen will, so muss manwie soll ich sagenso muss man Jemanden etwas zu Leide tun. Nicht wahr Herr Lampert?

Hr. Lampert. Allerdings, so ist es.

v.N. Nun habe ich ihnen nie etwas zu Leide getan. Wenn es geschehen wäre, so sagen sie, bei welcher gelegenheit: also habe ich sie auch nie beleidiget. Ist das nicht richtig geschlossen, Herr Lampert?

Hr. Lampert. Der Schluss ist in Forma richtig.

v.N. Was sagen sie dazu, Herr Major?

Der Maj. Sie fangen es sehr fein an, dass sie darauf dringen, die gelegenheit zu entdecken, bei welcher sie mich beleidiget haben. Sie wissen wohl, dass ich Ursache habe, dieses nicht zu tun; es ist aber auch nicht nötig. Mit einem Worte, ich halte mich von ihnen für beleidiget, und dieses ist genug, Cavalier Satisfactien za verlangen.

v.N. Das will ich ihnen nicht wehren, aber ob ich verbunden bin, ihnen solche zu geben, das ist eine andere Frage. Wenn es genug wäre ohne hinlängliche Ursache Händel anzufangen, und wenn man denen die solche suchen, allezeit Satisfaction geben müsste: so hätte man nichts zu tun, als sich immer herum zu hauen und zu schiessen, und das ist vor jetzt meine Sache nicht.

v.H. Wo T. muss die plötzliche Veränderung bei dem mann herkommen! Sie waren ja vor diesem so eisern nicht, und nur noch vor wenig Tagen hatten sie ganz andere Gedanken.

v.N. Ich liess mich damals von den Ausbrüchen meines Zorns, denen ich immer nicht widerstehen kann, in etwas übereilen, und es war ihr Glück, Herr Major, dass sie mir den Tag nicht in den Wurf kamen. Da ich aber die Sache etwas genauer überlegte, und meinen Sirach, so nenne ich die geschichte des Herrn Grandisons, zu Rate zog: so stunde ich von dem mörderischen Vorhaben ab, mich mit ihnen herum zu balgen. Wenn sie meinem Rate gefolget, und diese geschichte gelesen hätten, so würden sie jetzt meiner Meinung sein.

Der Maj. Da ich es aber nicht bin, und keine so erleuchteten Einsichten habe: so müssen sie mir als dem schwächsten Teile nachgeben. Ich handele ehrlich, dass ich ihnen die Wahl unter diesen Pistolen lasse. Kommen sie, ohne uns in einen weitern Wortwechsel einzulassen, ich dringe darauf, sie müssen!

v.N. Sein sie nicht hitzig, wir wollen frühstücken.

v.W. Ich dächte es wäre Zeit, es gehet stark auf den Mittag loss.

v.N. zu dem Major. Nehmen sie eine Buttersemmel, das wird ihnen Zeit geben, gelassen zu werden.

Der Maj. über die verdammte Gelassenheit! Ich denke, ich bin lange genug gelassen gewesen, ich habe noch bei keinem Duell einen solchen Wortwechsel geführt, als bei diesem. Endlich zerreisst mir der Gedultsfaden. Kurz