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N. zu empfangen. Ich hörte hierauf, dass ein Fenster geöffnet wurde. Sehen sie, sagte der Major, der vermutlich am Fenster stand, siehet der Herr v.N. in seiner grossen weissen Perucke nicht aus, wie der Admiral Byng, da er sollte arquebusiret worden? Alle Herren rückten hierauf mit den Stühlen, um den Herrn v.N. zu empfangen.

Indem zog ich meinen Gork aus der Oeffnung, und sah durch solchen den Herrn v.N. in das Zimmer treten. Er hatte eine sehr entschlossene Miene, und schien durch solche seinem Gegner eine Furcht einjagen zu wollen. Der Mag. Lampert folgte ihm mit einem langen Stossdegen bewaffnet, der ihn verhinderte in dem Zimmer viele Bewegungen zu machen. Er stiess von ungefehr, da er ein Kompliment machen wollte, mit solchem an die Tür meines Behältnisses, dass ich darüber in grosses Schrecken geriet. Die Unterredung fing alsdenn folgender massen an.

Der Hr. v.N. Ihr Diener, meine Herren, ich erfreue mich, sie allerseits wohl zu sehen.

Der Major. Ich bin der ihrige. Haben sie die vergangene Nacht wohl geruhet?

v.N. Nicht gar wohl.

Der Major. Wie befinden sie sich?

v.N. So hin. Was giebts guts neues, hört man nichts vom Frieden?

Der Major. Ganz und gar nichts.

v.N. Wenn doch die grossen Herren des Blutvergiessens einmal müde würden, zuletzt gewinnt doch keiner nichts.

Der Major. Sie fechten für die Ehre und in diesem Stücke werden wir ihnen heute ähnlich sein.

v.N. Wir? Keinesweges! dazu werde ich mich nicht bringen lassen, dass ich mich mit ihnen schlage, ich komme als Freund und nicht als Feind.

Der Major. Wir wollen sehen, ob wir heute Freunde werden können, bis jetzt sind wir es noch nicht. Wir müssen vorher erst unsere Sachen miteinander ausmachen.

v.N. So wahr ich ein Mann bin, will ich nicht! Was ich geschrieben habe, dabei bleibt es. Ich komme nicht, mich zu schlagen: aber beleidigen lass ich mich nicht. Wenn meine person angefallen wird, so weiss ich, wie ich mich verteidigen sollAlsdenn nehmen sie sich in Acht.

Der Major. Das werde ich gewiss tun, ohne dass sie mich daran erinnern. Haben sie jemanden als einen Secundanten bei sich, so lassen sie ihn herein kommen.

v.N. Niemanden, als diesen ehrlichen Mann, (er wies auf den Magister Lampert.)

Der Magister. Was soll dieser Schulmann hier, soll er secundiren?

v.N. Das wird nicht nötig sein, er ist mein Waffenträger.

Hr. Lampert. Ich trage die Waffen meines Gönners zur Verteidigung, aber nicht zur Beleidigung. Er gehet jederzeit defensive und nie offensive, sie haben also von diesen Waffen nichts zu fürchten, wenn sie solche nicht selbst gegen sich reizen.

v.H. Vor dem Donner! Wozu nützen diese Reden? Macht eure Sache mit einander aus, ihr Herren, wie es braven Cavaliers zustehet, alsdenn könnt ihr schwatzen, so lange ihr wollt, wenn ihr da noch schwatzen könnt. Bald dazu, bald darvon.

Der Maj. Nehmen sie eine von diesen beiden Pistolen, Herr v.N. Ich handele ehrlich, ich lasse ihnen die Wahl. Dort auf dem Acker, den sie hier vor sich sehen, linker Hand nach dem Gehölze zu, dort wollen wir unsere Sachen ausmachen.

v.N. Sein sie nicht hitzig, ich rate es ihnen. Der Acker könnte leichtlich ihr Gottesacker werden. Lassen sie uns frühstücken, bei einer Tasse Koffee wird sich alles geben.

v.H. Sapperment, wie stellen sie sich! Weisen sie diesem Herrn, dass sie Courage haben. Sie reden ja wie eine alte Frau.

v.N. An meiner Courage wird so leicht niemand zweifeln, und ich rede so, wie es meine Grundsätze erfordern.

v.H. Was zum Henker sind das für Grundsätze, die möchte ich sehen! Nach diesen grundsätzen getraue ich mir nicht, ein Glas Wein mehr mit ihnen zu trinken.

v.N. Das können sie halten, wie sie wollen, ich werde mich dadurch nicht aufbringen lassen. Wenn sie einmal zu mir kommen und eben durstig sind, werden sie froh sein, wenn ich ihnen nur ein Glas Wein vorsetze.

v.H. Der Henker hole! Ihre Sprache hat sich seit einigen Tagen treflich geändert. Da sie den Ausforderungsbrief von dem Herr Major erhielten, wollten sie alle Bäume ausreissen, sie liessen Spiesse und Schwerder zusammen tragen, und taten, als wenn sie ihn fressen wollten, und nun, da es Ernst werden soll, sind sie verzagt:

v.N. Ich verzagt? Ich dächte sie kennten mich besser. Habe ich ihnen nichtwie lange wird es nun sein? vor ungefehr 10 Jahren gewiesen, dass ich Mut habe? Sie werden die Zeichen davon wohl mit in ihr Grab nehmen.

v.H. Dort waren sie ein andrer Mann. Aber ich denke, ich wehrte mich meiner Haut tapfer, und sie bekamen auch etwas, dass sie an mich denken konnten.

v.N. Dieses gehöret jetzt nicht hieher. Wenn wir indessen damals gescheut gewesen wären, so hätten wir nicht nötig gehabt, uns wie die unsinnigen Menschen herum zu balgen