Meister wäre. Er hätte seine Collegia auf Universitäten von Wort zu Wort nachgeschrieben, sagte er, und ungeachtet einige seiner Docenten sehr geschwind geplaudert hätten: so wäre doch seine Hand so flüchtig gewesen, dass er noch immer einen kleinen Zeitraum übrig behalten hätte, um anzumerken, wenn ein Professor seinen Spass belacht hätte. Es kostete Mühe, einen Platz ausfündig zu machen, wo der Schreiber alles hören und sehen könnte, was in dem Zimmer vorging, und wo er von Niemanden könnte gesehen werden. Ich tat den Vorschlag, man sollte ihn unter einen grossen Tisch logiren, den man mit einem Teppich verhängen könnte; allein dieser Ort schien zu unbequem, es hätte leichtlich ein Jagdhund unter denselben geraten können, wodurch der geheime Secretär, eben so, wie dort der Liebhaber der saubern Eswara, hätte können endecket werden. Der Baron sagte, er hätte schon einen schicklichern Ort zur geheimen Canzelei ausersehen: er wollte sich aber noch nicht weiter darüber herauslassen. Er beschäftigte sich den übrigen teil des Tages, den jungen Wendelin zu unterrichten, damit dieser das Protokoll so führen möchte, wie er es wünschte. Der junge Wendelin hat dem Baron vor einer Stunde eine Abschrift davon gebracht, die ich meinem Briefe beilege, du wirst dir gefallen lassen sie an diesem Orte einzurücken, damit der Verfolg meiner Erzählung nicht unterbrochen wird.
Das Protokoll.
Ich Johann Caspar Wendelin, juris vtriusque Candidatus et Notarius publ. Caes. meines Alters zwischen drei und vier und zwanzig Jahr, begab mich am 25 October jeztlaufenden 17 – – Jahres des Morgens um 7 Uhr, auf hohen Befehl des S.T. Hochwohlgebohr. Reichsfreiherrn Herrn Joh. Adolph v.F. Erb-Lehn und Gerichtsherrn auf Schöntal, Güldenau etc. nach dem Hochadlichen schloss in Schöntal auf den Weg, und langte um halb 9 Uhr auch wirklich zu fuss daselbst an, um eine Unterredung nachzuschreiben, die am besagten Tage zwischen S.T. dem Hochwohlgebohr. Herrn Herrn Ehrhardt Rudolph v.N. Erb-Lehnund Gerichtsherrn auf Kargfeld, Dürrenstein etc. an einer, und dem auch Hochwohlgebohr. Herrn, Herrn C.F.v. Ln. Sr – – wohlbestallten Major beidem löbl. – – – schen Regimente Infanterie, an der andern Seite, vorgehen sollte, und davon man Folgen von grosser Wichtigkeit zu besorgen hatte.
Nachdem ich meine Lebensgeister durch ein gutes Frühstück gestärket hatte, liess man mich in ein Zimmer treten, wo sich erwähnter Herr Major v. Ln., der Herr v.W. und der Herr v.H. befanden, die in einer Unterredung von der jetzigen veränderlichen Witterung und dem herannahenden Winter begriffen waren, die zu meinem Zwecke nicht gehörten und die ich also aufzuzeichnen keinen Befehl hatte.
Damit ich nun die erwartete Unterredung weniger gestöhrt aufzeichnen möchte, ward ich befehliget, in einen grossen Schrank zu kriechen, der ausdrücklich zu dieser Absicht war in das Zimmer gebracht worden. Ich hatte die Ehre, dass der Herr v.F. mich eigenhändig darinne verschloss, und den Schlüssel zu sich nahm. Ungeachtet der Herr v.N. wohl mag gewusst haben, was dieser grosse unschickliche Schrank in einem Zimmer, das mir seidenen Tapeten ausgeschlagen war, zu bedeuten hatte: so sollte es doch lassen, als wenn ohne sein Wissen diese Unterredung nachgeschrieben würde. Ich wurde daher befehliget, mich ruhig zu halten, weder zu husten noch zu niesen, vielweniger durch das Anziehen oder Fortsetzen eines Fusses mit meinen Stiefeln ein Gepoltere oder Geräusche zu erregen; hingegen aber sollte ich alles, was vorginge, aufrichtig und redlich nachschreiben, so, dass ich auf Erfordern die Richtigkeit desselben mit meinem grossen Notariat-Insiegel bekräftigen könnte.
Beim Eingange in dies enge Behältniss fand ich, dass der obere Boden des Schrankes weggenommen war, damit das Licht hinein fallen, und ich auch leichter vernehmen könnte, was in dem Zimmer gesprochen würde. Zu mehrerer Bequehmlichkeit, war ein Stuhl hineingesetzet worden, nebst einem Schreibepulte, welches mit den nötigen Werkzeugen der Schreiberei überflüssig versehen war. In der Tür fand ich eine Oeffnung angebracht, von der Grösse eines Spundloches, welches von innen mit einem Gork verstopfet war, den ich heraus nehmen konnte, um alle Bewegungen in dem Zimmer, wenn es nötig wäre, bemerken zu können.
Ohngefehr um 10 Uhr sagte man, dass der Herr v.N. käme und dass er von dem Herrn Magister Lampert Wilibald begleitet würde, der einen langen spanischen Degen an der Seite hatte. Einige Herren lachten hierauf sehr laut, aber was sie sagten, hielt ich mich nicht befehliget aufzuzeichnen. Der Herr v.W. den ich daran kennete, weil er allezeit über laut jähnete, ehe er anfieng zu reden, sagte zu dem Major: bedenken sie, dass der Mann mein Freund ist, tun sie ihm nichts zu leide, wenn sie der meinige sein wollen.
Der Major, der sich durch eine männliche und gesetzte stimme von den übrigen unterschied, sagte: machen sie sich keine sorge, ich werde säuberlich mit ihm fahren, ich stehe für allen Schaden.
Der Herr v.H. welchen ich an seinen Flüchen erkannte, Sapperment! Wollen sie von ihm keine Satisfaction haben? Sie haben ihn ja herausgefordert. Der Major. Ich werde sie nicht von ihm erzwingen, wenn er sich nicht freiwillig dazu verstehet.
Es schien, dass der Herr Baron sich aus dem Zimmer begeben hatte, um den Herrn v.