nehmen wollen, solche selbsten zu überbringen
Ihrer
ergebensten Dienerin
Amalia v.S.
XII. Brief.
Der Hr. v.N. an den Major v. Ln.
Kargfeld, den 20 Oct.
Mein Herr,
Was gehet Sie mein Brief an, den ich an meinem Freund den Herrn v.W. geschrieben habe, und wer hat Ihnen das Recht gegeben, die Ehre seiner Gemahlin zu verteidigen? Habe ich Sie beleidiget, so ist ihr Gemahl Mannes genug, diesen Schimpf zu rügen, ohne einen fremden Beistand nötig zu haben. Wollen Sie Sich für Ihre Muhmen und Vettern schlagen, zumal wenn sie einer Verteidigung ganz unwürdig sind: so werden Sie viel zu schaffen haben, und doch wenig Ehre dabei erjagen. Dass ich vor einigen Wochen, in Wilmershausen eine kleine Unruhe verursachet habe, darüber haben Sie gar nichts zu sagen: wenn es der Herr v.W. als Wirt leiden konnte, so können Sie als ein Gast auch dazu stille schweigen. Zu dem bin ich für meine Ausschweifung schon gnug bestrafet worden: meine Knochen haben mir einen monat lang allen Gehorsam aufgekündiget gehabt, und ich muss ihnen noch ziemlich gute Worte geben, sollen. Was ich von Ihnen und der Frau v.W. geschrieben habe, das sind bloss meine Gedanken gewesen, und Gedanken sind Zollfrei. Ich habe Ihnen ja nichts Schuld gegeben, und wenn ich es auch getan hätte, was wäre es denn nun? Wenn Sie ein gut Gewissen haben, so brauchen Sie nichts zu fürchten; sind Sie aber nicht sicher, so täten Sie besser, Sie schwiegen. Da ich Ihnen nun also nicht gnugsame Ursache gegeben habe, sich für beleidiget zu halten: so achte ich mich auch nicht verbunden, Ihre Ausforderung anzunehmen. An meiner Herzhaftigkeit zweifelt Niemand, und Sie sollten derjenige sein, der sich am wenigsten an mich wagte, da ich mich noch gar wohl erinnere, dass ich Ihnen bei dem Herrn v.W. erzählte, wie manchen braven Kerl ich das Lebenslicht ausgeblasen habe, und dass ich sogar einen meiner Gegner, der für Schrecken zum Fenster hinaus sprang, zwischen Himmel und Erde, nicht anders als ein Vogel in der Luft, erlegt habe. Ich würde mit Ihnen gewiss auch kurz Federlesen machen, und nicht das geringste Bedenken haben, mich noch einmal herum zu schlagen: wenn ich nicht nach der Zeit verständiger worden wäre, und nunmehr einsähe, dass der Zweikampf eine alte gotische und barbarische Gewohnheit ist, welche man mehr zu unterdrücken als aufrecht zu erhalten verbunden ist. Lesen Sie Herr Gevatter Grandisons Leben; so werden Ihnen die Augen aufgehen, und Sie werden erkennen, dass ein solcher unchristlicher und abenteuerlicher Gebrauch anfängt, aus der Mode zu kommen, seitdem vernünftige Männer einen bessern Weg gefunden haben, ohne Blutvergiessen, ihre Händel durch gütliche Vergleiche beizulegen. Mit einem Worte, ich komme nicht nach Schöntal als ein Schläger, wenn ich ja noch komme. Indessen weiche ich Niemand aus, und werde mich meiner Haut tapfer wehren, wo Sie mich anfallen. Mein Rat wäre, dass Sie es nicht versuchten. Ich denke immer, die gerechte Sache wird siegen, und es konnte leicht kommen, dass ich Ihnen den Hals bräche, ehe Sie Sichs versähen. Wie gesagt, beleidigen lass ich mich nicht, wenn Sie also noch einige überlegung haben: so stehen Sie von Ihrem bösen Vorhaben ab, und besuchen Sie mich auf eine freundschaftliche Art, damit ich Sie überzeugen kann, dass ich mir ein Vergnügen daraus mache, zu sein
Ihr
ergebenster Diener
v.N.
XIII. Brief.
Der Major v. Ln. an den Herrn v.N.
Den 21 Octob.
Ihr Brief hat Ihnen unfehlbar viel Mühe gemacht. Es scheinet Ihnen leichter, Fehler zu begehen, als Fehler zu entschuldigen. Warum soll ich meiner Base keine Satisfaction verschaffen, da Sie ihre Ehre und die meinige zugleich antasten? Die Art und Weise Sie abzustrafen ist so barbarisch nicht, als Sie denken. Es ist diese Gewohnheit einmal bei Cavaliers hergebracht, dass sie ihre Streitigten mit dem Degen in der Faust beilegen; wir haben solche nicht aufgebracht, wir wollen sie auch nicht wieder abbringen, es mag immer bei dem alten bleiben. Es ist auch nicht nötig, dass wir erst untersuchen, ob dieser Gebrauch von den Heiden oder Türken entlehnt sei, gnug, der Adel darf keine Beleidigungen auf sich sitzen lassen, und nun ist es mit uns einmal so weit gekommen, dass einer den andern aus dem Sattel heben muss. Ich bin eben kein Feind von der neuen Mode, und wenn das verdammte Schlagen abkäme: so wäre ich es wohl zufrieden; aber ich fange diese Mode nicht zuerst an. Ihr Gevatter mag sein wer er will, und wenn er auch ein abyssinischer Prinz wäre, so soll er mir keine gesetz vorschreiben. Mit einem Worte, wir müssen unsere Sache als brave Cavaliers ausmachen, ehe wir wieder gute Freunde werden. Es kann also unser Zwist nicht durch einen gütlichen Vertrag, wie Sie Sich einbilden, beigeleget werden; ich lasse mich auch in keine mündliche Unterredung mit Ihnen ein: vor jetzt kann ich nicht anders als auf Hokippo mit Ihnen reden. Sie wollen mir durch die Anführung einiger Ihrer Heldentaten eine Furcht einjagen; allein Sie irrensich. Ich lasse sie zwar alle auf ihrem Wert und Unwert beruhen; aber wenn ich ihnen auch Glauben beimesse, so frischen mich solche nur noch mehr an, mit