meinen Brief einhändigen zu lassen. Damit Sie aber doch bei den kritischen Umständen, worin sich mein onkel befindet, nicht ganz ruhig sein mögen: so will ich Sie nur daran erinnern, dass Sie die erste gelegenheit gegeben haben, ihn darein zu verwickeln. Ich würde Ihnen nicht diese Erinnerung machen, wenn ich nicht wünschte, dass Sie die sorge über den bevorstehenden Zweikampf meines Oncles, mit mir teilen sollten. Wenn ich unruhig bin, so sollte die ganze Welt unruhig sein, wenn es nach meinem Sinne ginge. Vergeben Sie diese kleine Bosheit, wenn es ja eine sein soll
Ihrer
aufrichtigen Freundin
Amalia v.S.
XI. Brief.
fräulein Amalia an das fräulein v.W.
Schöntal, den 22 Oct.
geben Sie Sich zufrieden, mein Kind, und machen Sie Sich wegen der Händel unsrer beiden Anverwandten weiter keine sorge. Wir haben nichts zu fürchten; wenigstens bin ich seit gestern geneigt, dieses zu glauben. Wissen Sie es schon, dass der Major uns gestern einen Besuch gegeben hat? Eine wunderbare Frage, als wenn es Ihnen etwas unbekanntes wäre, unfehlbar haben wir Ihnen diesen freundschaftlichen Besuch zu danken. Doch, wer weiss, Sie hätten mir wohl ein Wort davon gemeldet. Ich will Ihr Stillschweigen so annehmen, als wenn Sie noch nichts davon wüssten, und ich werde den Major aus einem vorteilhaftern Gesichtspunkte betrachten können, wenn ich glaube, dass er aus eigner Bewegung zu uns gekommen ist. Im Vertrauen, der Baron fing es an, übel zu nehmen, dass er schon einen monat hier ist, ohne ihn einen Besuch gegeben zu haben. Er entschuldigte sich deswegen sogleich bei seiner Ankunft, und seine Entschuldigung fand Beifall, sie war gegründet. Ich bekam eine bessere Meinung von ihm als ich bisher gehabt hatte, und ich fange es an zu bereuen, dass ich ihn einen prahlenden Soldaten genennet habe. Man darf von Ihnen nur so urteilen, wie Sie es verdienen, um meine achtung zu erhalten. Glauben Sie es nur, ich liess meinen Groll gegen den Major sogleich fallen, da er sich für Sie er klärete, und Ihre Partie gegen Ihre Mutter ergriff. Er liess sich über Sie in viele Lobsprüche heraus –. Werden Sie nicht ungehalten auf mich, wenn ich jetzt einmal die person der fräulein Anna Howe spiele, und Sie frage: ob Ihnen nicht das Herz bei diesen Zeilen stärker schlägt? Ich bin sehr verwegen, strafen Sie mich, wenn ich es verdiene – Ich will nicht weiter in Sie dringen; ich will es Ihnen aber doch ins Ohr sagen, dass Sie einen eifrigen Verehrer an dem Herrn v. Ln. bekommen haben. Bei aller seiner Mühe, seine leidenschaft zu verstecken, kann man ihm bis auf den Grund des Herzens sehen. Wenn er gegen Ihre Frau Mutter eben so offenherzig ist, als gegen den Baron: so getraue ich mir im voraus zu prophezeien, dass die Freundschaft zwischen beiden am längsten gedauert hat. Er erzählte mit einer lobenswürdigen Freimütigkeit, dass ihn die Frau v.W. verleitet hätte, unserm Onkle eine Ausforderung zuzuschicken. Er hätte seine Ursachen gehabt sich nicht durch seine Widerspänstigkeit ihr misfällig zu machen. Können Sie diese Ursachen wohl einsehen? Ich kann es –. Es wäre gar nicht seine Absicht, dasjenige, wodurch er sich von dem Herrn v.N. beleidiget halten könnte, zu rächen. Der Mann hat seine Würmer, sagte er, man muss seine Schwachheit übersehen. Wenn ihn auch das nicht bereits einer vollkommenen Verzeihung würdig machte, dass er ein Anverwandter des baron wäre: so würde ihn doch sein wunderbarer Charakter genugsam für aller Rache schützen. Er wäre auf eine sonderbare Art in das Lustspiel gezogen worden, welches mein onkel zum Vergnügen seiner Freunde und Nachbarn aufführte: er wünschte nun auch seine Rolle so zu spielen, dass er sie mit Beifall endigte. Unser onkel schien keine Lust zu haben, sich mit ihm herum zu balgen. Er hätte ihm einen Brief zugeschickt, davon der Magister Lampert schien der Concipient zu sein. Er suchte, den Zweikampf von sich abzulehnen, und führte allerlei Gründe an, dass man denken sollte, er wäre unter die Herrnhuter geraten; der Major aber hätte ihm wieder geantwortet, dass es zwischen ihnen beiden nun einmal so weit gekommen sei, dass einer den andern aus dem Sattel heben müsste. Schon in dem ersten Fehdebriefe wäre Schöntal zum Kampfplatze vorgeschlagen worden, obgleich die Frau v.W. dazu eine Gränzscheide ausersehen gehabt hätte. Der 25 October wäre, wie dem Baron schon würde bekannt sein, zum Termine des Zweikampfs anberaumt. Der Baron möchte der Sache nur so einen Schwung geben, dass die Sache auf eine scherzhafte Art geendiget würde, und dass es so schien, als wenn beide Teile mit Ehren aus dem Handel geschieden wären. Ich konnte nicht immer gegenwärtig sein, um zu hören, was der Major mit dem Baron vor einen Entwurf machte. So viel weiss ich, dass heute mit dem frühesten der Baron nach Kargfeld gereiset ist, um alles der Abrede gemäss einzurichten. Sie sind gewiss eben so begierig als ich, den Ausgang dieses Zwistes zu vernehmen, ich werde Ihnen mündlich oder schriftlich davon einen getreuen Bericht abstatten. Das Schreiben meines Oncles an den Major, und die Antwort auf dasselbige, lege ich hier bei. Senden Sie mir beide, nebst ein paar Zeilen von Ihrer Hand zurück; angenehmer wird es mir aber sein, wenn Sie Sich die Mühe