in dieser Sprache fortreden wollte, so würden Sie mir bald eine nachdrückliche Strafpredigt halten; oder Sie verdammten wohl gar meinen Brief zum Feuer. Tun Sie es ja nicht, es ist so böse nicht gemeinet, ich habe Ihnen nur zeigen wollen, dass Sie nicht unrecht haben, wenn Sie von mir sagen, ich machte mich über die ernstaftesten Dinge lustig. Es ist wahr, ich habe einen Hang dazu, über das zu scherzen, worüber andere erschrecken, oder sich betrüben; diese mutwilligen Anfälle gehen aber sogleich vorüber, wenn ich Niemand finde, der mit lachen will. Da Sie dieses jetzt gewiss nicht tun werden; so will ich meine Ernstaftigkeit nun wieder zurück rufen. Es ist andem, Ihr letztes Schreiben hat uns in etwas bestürzt gemacht. Sie dürfen nicht denken, dass ich hier in der Sprache grosser. Herren rede, und mich alleine verstehe, der Baron und meine Schwester lesen Ihre Briefe, und ich glaube, Sie gestatten es. Zu einem ernstlichen Duell zwischen meinem onkel und dem Major will es der Baron durchaus nicht kommen lassen, und wenn er sich selbst mit dem letzteren herumschlagen müsste; indessen denkt er nicht, dass es so gefährlich ist. Er ist gestern mit dem Major in Reichenberg in Gesellschaft gewesen; er hat sich aber nicht das geringste von einem Unwillen gegen meinen onkel merken lassen. Der Baron glaubt, die Frau v.W. müsste ihm ein Stillschweigen auferlegt haben, damit er sich nicht zum Schiedsrichter unter den Parteien aufwerfen möchte. Diesem Vormittag war der Magister hier. Ich machte mich an ihn, um zu erfahren; ob sein Patron auf dem Brief an den Herrn v.W. eine Antwort erhalten hätte. Er verwunderte sich ausserordentlich darüber, dass ich wusste, dass der Hr. v.N. an den Herrn v.W. geschrieben hätte, und er konnte gar nicht begreifen, durch was für einen Canal ich dieses erfahren hätte. Aus seiner Verwunderung schloss ich, dass die Sache sehr geheim hatte zugehen sollen. Endlich gestund er, dass sein gönner von dem Herrn v.W. eine Antwort erhalten hätte, die ihm aber gar nicht gefällig wäre. Der Herr v.W. wäre der rechtschaffenste Cavalier von der Welt; seine Gemahlin aber machte gefährliche molimina, den Herrn v.N. vielen Verdrüsslichkeiten auszusetzen, die er jedoch, so bald er nur wieder einen Fuss regen könnte, nach dem Beispiele Sir Carls durch grossmütige Bewegungen alle zu übersteigen hoffte. Die Frau v.W. würde bald dahin gebracht werden, dass Sie, wie alle Feinde des Baronets, ihre Fehler erkennen und sich derselben schämen würde. Der Magister stellte zugleich zwischen ihr und der Frau Jervois eine weitläuftige Vergleichung an. Sie liess sich noch so ziemlich hören, nur darinne schien er es nicht getroffen zu haben, dass er den Major einen von ihren auf eine Zeitlang angenommenen Männern nennte. Mich dünkt, wenn Sie doch ja nie Henriette Byron sein sollen: so würde er eher dem Greville ähnlich sein; doch wer weiss, wie viele Rollen mein onkel und der Magister diesem guten mann aus dem Grandison noch spielen lassen. Ich glaube ganz gewiss, mein onkel hat einen ungegründeten und recht bösen Verdacht auf den Major geworfen; die Vergleichung des Magisters, bringt mich auf diese Gedanken; er siehet aber die Sache nicht recht ein. Die Gefälligkeiten des Majors gegen die Frau v.W. haben etwas ganz anderes zum gegenstand. Er hütet sich, die Dame zu beleidigen, damit sie ihm nicht den Zutritt zu ihrer fräulein Tochter versagen soll. Warum will sich denn der Mann durchaus ein Verdienst bei Ihnen machen? Die täglichen Visiten – die haben etwas mehr als Familienangelegenheiten zu bedeuten, diese würden keine täglichen Conferenzen erfordern; aber der Argwohn meines Oncles ist lächerlich. geben Sie nur achtung, mein Kind, ob nicht der Major den Augen meines Oncles bald ein Greville oder gar Sir Hargrave Pollexfen sein wird. Ich denke, wir werden über diesen Punkt noch oftmals etwas zu lachen bekommen, wenn nur erst der Zwist der beiden Männer in der Güte beigeleget ist. Ich hoffe, der Baron wird alles zum besten kehren, und da Sie bereits Ihre Bemühungen selbst zu dieser Absicht angewendet haben; so kann die Sache keinen andern, als einen guten Ausgang gewinnen. Wir hoffen alle das beste, inzwischen ist dabei am wenigsten besorgt
Ihre
ergebenste Freundin und Dienerin
Amalia v.S.
X. Brief.
fräulein Amalia an das fräulein v.W.
Kargfeld, den 19 Oct.
Das ist eine schreckliche Verwirrung in dem haus! Alles läuft wider einander. Zu keiner ungelegnern Zeit hätte ich einen Besuch in Kargfeld abstatten können als heute. Um nicht in dem Getümmel erdruckt oder beschädiget zu werden, habe ich mich in Tante Kunigunden ihre Zelle geflüchtet, und will mich für langweiliger Zeit mit der Beschreibung dieses unerwarteten Zufalls beschäftigen. Haben Sie die Geduld, mir zuzuhören, ich will Ihnen die Sache vom Anfang bis auf den gegenwärtigen Augenblick erzählen. Sie wissen, dass mein onkel von seiner Unpässlichkeit vollkommen wieder hergestellet ist. Er liess uns deswegen auf heute zu sich einladen, um wegen seiner glücklichen Genesung, allerlei Lustbarkeiten anzustellen. Meine Schwester und ich haben uns eingefunden. Der Baron hatte sich schon auf heute bei einem Freunde versprochen, und will, wenn er sich von seiner Gesellschaft lossreissen kann, erst gegen Abend kommen. Alles war bei unserm onkel, wie zur Begehung eines Festes