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fiel mir damals für die Ohren, dass ich nicht alles genau vernehmen konnte. Drohen lass ich mir nicht, das sage ihm. Sir Hargrave und Greville waren andere Kerls als der Major; indessen wusste sie Herr Gevatter Grandison doch zu bändigen. Was dieser kann, das kann ich auch. Ich wär längstens wieder zu dir kommen, wenn mich meine alte Mucke nicht überfallen hätte. Das Podagra ist es nicht, wie der Magister sagt; sondern eine ganz andere Krankheit; die aber weniger zu bedeuten hat. schreibe mir ja bald: damit ich sehe, ob du böse bist oder nicht. Auf meiner Seite soll alles vergeben und vergessen sein. Inliegenden Brief gib deiner fräulein Tochter. Du kannst leicht mutmassen, dass verliebte Leute einander immer etwas zu sagen haben. Lebe wohl! der Himmel behüte deine Beine für allem Uebel! Ich bin

Dein

aufrichtiger Freund

v.N.

N.S. Reiss meinen Brief in Stücken: damit der Teufel sein Spiel nicht hat. Ich möchte deine Frau nicht gern böse machen. Adieu!

vt supra.

II. Brief.

Einschluss an fräulein Julianen von dem Hrn. v.N.

Kargfeld, den 19 Sept.

Hochwohlgebohrnes fräulein,

Gnädiges fräulein,

Wenn Ihnen mein letzter Auftritt in Wilmershausen misfällig gewesen ist; so bitte ich dieserwegen hundert Millionen mal um Verzeihung.

Der Henker hole! es war nicht böse gemeint. Ich wollte wie Sir Carl zum ersten male als ein Gespenste erscheinen; aber der Magister und der sappermentische Jeremias verdarben den ganzen Handel. Zum Unglück verstand Ihre Frau Mama keinen Spass, und so musste denn freilich alles contrair gehen. Ich höre auch, dass ich damals einen kleinen Rausch soll gehabt haben – – es kann wohl sein: was ist aber daraus zu machen! der Wein und die Liebe überwältigen oft den bravsten Kerl von der Welt. Ich biete Ihnen also mein Herz vom neuem an, und bitte demütig um Ihre Gegenliebe. Schlagen Sie mir diese Bitte nicht ab, schönstes fräulein! Erlauben Sie, dass ich kommen, darf. Ich will im blauen Hechte absteigen und mich erst anmelden lassen; ich will der bescheidenste und artigste Mann sein; ich will nur das poculum hilaritatis minus trinken; ich will Ihnen ein Geschenk machen, das meinem Vermögen gemäss ist; ja ich will Sie Zeitlebens als eine Göttin verehren, und alsdenn sterben als

Dero

getreuester Sclave

v.N.

III. Brief.

Der Herr v.W. an den Herrn v.N.

Wilmershausen, den 19 Sept.

Du hast schön Zeug mit deinem Briefe gemacht. Weisst du denn nicht, dass ich nicht schreiben kann, und dass meine Frau alle Briefe erbricht, die an mich einlaufen? Diesen Brief schreibt mir mein neuer Verwalter, sonst würdest du niemals eine Antwort erhalten haben. Meine Frau war, wie du leicht denken kannst, bei Erbrechung deines Briefes ausser sich. Sie gab eine ganze Salve von Flüchen; riss in der Bosheit ihr Nachtzeug ab, und warf es in eine Ecke. Niemals werde ich den Auftritt vergessen. Höre was sie sagte: so ein alter verfluchter Bärenhäuter will sich über mich aufhalten! mich prügeln, wenn ich seine Frau wäre! und hat mich noch dazu mit dem Major im Verdachte! die Augen will ich dem Hunde auskratzen. Ich versuchte zwar, dich zu entschuldigen, und sie zu besänftigen; allein nun fing sie auch mit mir an, warf mir meine Einfalt, Faulheit und noch andere Dinge vor, die ich nicht gerne erzählen will. Den Augenblick, sprach sie, fordern sie den alten Kerl heraus, wenn sie noch für sechs Pfennige Courage im leib haben; sie müssen sich mit ihm schlagen, oder ich lasse mich von ihnen scheiden.

Fürchte dich nicht Bruder, ich werde dich nicht heraus fordern. Beiläufig siehest du, dass aus der Heirat mit meiner Juliane nichts werden wird. Meine Frau ist zu sehr aufgebracht. Ich bin müde, weiter zu dictiren. Mache was du willst.

v.W.

N.S. Ich höre, dass meine Frau alleweile einen Boten an den Major absendet. Gott wende alles zum Besten!

IV. Brief.

fräulein Amalia an ihren Bruder.

Schöntal, den 20 Oct.

Wo werden sich die Torheiten unsers Oncles endigen? Die Frau v.W. ist ganz rasend. Sie hat den Major aufgehetzt, und dieser ist Willens, sich mit dem alten Ritter zu schlagen. Hier ist der Fehdebrief:

Mein Herr,

Ich würde der Ehre, die Frau von W. meine Base

zu nennen, ganz unwürdig sein, wenn ich sie

von Ihnen wollte beschimpfen lassen. Wie haben

Sie Sich also unterstehen dürfen, einen so bos

haften Brief an ihren Gemahl zu schreiben? Es

war nicht genug, dass Sie, als ein zweiter Don

Quijotte, die ehrlichen Leuten des Nachts in der

Ruhe stöhrten, und öffentlich zu erkennen gaben,

dass Sie ein Narr wären; sondern Sie mussten

auch nachher die Ehre dieser Dame durch einen

ungegründeten Verdacht beleidigen.

Eine Züchtigung kann Ihnen also nicht schaden.

Kommen Sie auf künftigen Donnerstag zu Ihrem

und meinem Freunde, den Baron von F. wo wir

die Sache mit ein paar Pistolen ins Reine brin

gegen wollen. Adieu.

v. Ln.

Der onkel fluchte bei dem Empfange dieser Ausforderung wie ein Botsknecht. Endlich kam der Geist Grandisons wieder zu ihm. Lampert tat Vorstellungen; Kunigunde weinte. Ich wusste anfangs selbst nicht, ob es