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die Verwerfung dieses Bills zu hintertreiben; allein diesmal liefen seine Bemühungen fruchtlos ab.

Ich gab ihm hierauf den Rat, auf seine eigene Kosten eine mässige Glocke giessen zu lassen, und solche der Gemeinde in Kargfeld zu verehren. Er folgte meinem Rate, und war so eilfertig, dieses gute Werk auszuführen, dass solche schon am 27. September eingeschiffet wurde. Aber wenn Unglück sein soll; so muss sich alles fügen. Aus Vorsicht war diese Glocke in ein Schlagfass eingepackt; allein ein vorteilsüchtiger Zollbedienter liess dieses Schlagfass mit Gewalt öffnen, und da er eine Glocke darinnen erblickte, erklärte er solche alsbald für Contreband. Sie war verfallen. Ich hatte selbst den Schmerz, sie in Londen in die Stückgiesserei bringen zu sehen. Es soll eine sechzehnpfündige Kanone daraus gegossen werden, welche den Namen der Glocke von Kargfeld beibehalten, und vielleicht in der ersten Belagerung einer Vestung sich berühmt machen wird. Sehen Sie, geliebtester Freund, dass es also keinesweges an meinem gönner lieget, wenn er den Eifer, seinen Freunden in Deutschland Gefälligkeiten zu erzeigen, nicht, wie er wünschet, tätig erweisen kann. Erwarten Sie nebst mir einen günstigern Augenblick, der vielleicht alles das zur Wirklichkeit bringet, was jetzt nur noch blosse Wünsche sind. Sie haben mir in Dero letzteren Briefe den unglücklichen Bornseil empfohlen. Wie nahe geht es mir, dass ich auch in Ansehung seiner, nichts anders als gute Wünsche tun kann. Ich wollte, dass er hier wäre, ich wünschte, dass er nur etwas von dem Ueberflusse der Pachter Sir Carls genüssen könnte, und ich bin versichert, dass er vollkommen zufrieden sein würde. Mit gutem Gewissen kann ich den ehrlichen Mann nicht raten, eine Reise nach England zu unternehmen. Gesetzt, dass er der stürmischen See und den Kaperschiffen, welche um unsre Insel herum schwärmen, entginge; wie schwer würde es ihm werden, in unsern Häfen sich für grösseren Gefährlichkeiten zu hüten. Die Matrosenpressung wird jetzt hier mit aller Macht getrieben; wenn dieser gute Mann einem unbarmherzigen Werber in die hände fiel; so würde er ohne Rettung verlohren sein. Würde er nicht hernach Ursache haben, mit Rechte so wohl über Sie, als mich, seine Klaglieder anzustimmen? Mein gönner ist der Meinung, er sollte die Regel des weisen Sittenlehrers beobachten, in seinem vaterland bleiben, und sich ehrlich nähren; so würde das alte Schprichwort von ihm erfüllet werden: artem quaevis alit terra. Meine Geschäfte wollen mir das Vergnügen nicht länger erlauben, mich mit ihnen zu unterreden. Ich kann meinem Briefe nichts weiter beifügen, als eine Bitte, meinen gönner und die Seinigen, wozu ich auch gehöre, dem Herrn von N. bestens zu empfehlen; sich aber selbst zu versichern, dass ich mir jederzeit ein ausserordentliches Vergnügen daraus machen werde, mit der vollkommensten Aufrichtigkeit zu sein,

Meines Hochgeehrtesten Herrn Magisters

ergebenster Diener und Vorbitter,

Ambrosius Bartlett. D.

Zweiter teil

I. Brief.

Der Hr. von N. an den Hrn. v.W.

Kargfeld, den 19 Sept.

Ist der Roman schon zu Ende? Denke das ja nicht, lieber Herr Bruder! ich bin vielmehr bereit, meine Sache entweder als ein Grandison auszuführen, oder zu sterben. Indessen aber fluche ich auf dich, auf deine Frau, auf den Major, auf den Magister, und auf alle, welche bei dem vermeinten Verlöbnisse waren. Wenn mir Lampert die Stelle aus dem Grandison, wo Sir Carl ein Gespenste gewesen, recht ausgelegt hätte; so würde ich gar nicht auf den Einfall geraten sein, dich und deine Frau im Schlafe zu stöhren. Ich war aber von der ganzen Sache so eingenommen und verblendet, dass ich bereits in Gedanken über den zu hoffenden glücklichen Erfolg triumphirete. Warum habt ihr aber den armen Bornseil davon gejagt? Der Kerl ist so unschuldig, wie ein Kind in Mutterleibe. Er wollte nicht einwilligen; er wurde aber überredet. Du weisst, dass, wenn der Magister zu demonstriren anfängt, ihm weder Menschen noch Vieh widerstehen können. Setze ihn wieder in sein voriges Amt, damit der arme Teufel nicht betteln gehen, oder mir seine Kinder vor die Tür legen darf. Tut er es, so lasse ich die Bälge ins wasser werfen. Mit deiner Frau bin ich gar nicht zufrieden: sie versteht keinen Spass. Wär sie meine Frau; so bekäm sie alle Tage ihre Prügel. Du musst ein hartes Leder haben, dass du so viel ausstehen kannst; wiewohl, wenn man dir am Tage Essen und Trinken gibt, und des Nachts deine Ruhe lässt; so bist du mit der ganzen Welt zufrieden.

Ausserdem merke ich, dass sie der Major sehr wohl leiden kann. Es ist zwar mehrmals davon gesprochen worden; nunmehr wird mir die Sache immer wahrscheinlicher. Sage mir doch bona fide, war ich damals stark besoffen? ich kann es nicht glauben, ungeachtet Lampert dazu schwöret; sollte ja etwas vorgefallen sein; so ist der Major an allem Schuld gewesen. Wär ich kein Grandison; so wollte ich den Pursch schon finden, Ich schere mich den Henker um ihn: er mag deiner Frau ihr Vetter sein oder nicht.

Ich habe eine tüchtige Delicatesse für die Ehredoch was weisst du, was eine Delicatesse in der Ehre ist; da du sie weiter nicht als nur in einer Pastete und in einem Wildpretsbraten zu suchen gewohn bist. schreibe mir also, ob sich der Major in Reden wider mich vergangen hat. Der Wein