bei mir zu bedienen, es ist das Vergnügen, einen Tag zu feiern, der mit meinem Freunde einerlei Namen führet, dadurch ich bin angetrieben worden, eine halbjährige Besoldung aufzuopfern, um durch diese äusserlichen Zeichen, welche Sie hier vor sich sehen und genüssen, meine Hochachtung gegen einen berühmten Ausländer an den Tag legen zu können. Lassen Sie uns von dem Guten, das wir hier haben, so viel zu uns nehmen, als zureichen wird, unsern Hunger und Durst zu stillen; alsdenn helfen Sie mir die übrigen Brocken den Armen, die sich vor meiner Tür versammlen werden, austeilen, dass sie dadurch ihr Herz laben und erquicken. Anjetzo aber vereinigen Sie ihren Wunsch mit dem meinigen: Es lebe der Herr Lampertus Wilibald! Wir stiessen alle mit den Gläsern zusammen. Ich habe eben vergessen zu melden, dass einige von den Herren Vicinis des Doctors gegenwärtig waren. Die ganze Gesellschaft bestund aus zwölf Köpfen. Da ich meinen Hunger gestillet hatte, bekam ich Zeit, besonders da die Herren Pastores einen armen Ketzer aus dem Altertume misshandelten, die artige Einrichtung des Doctors bei der Tafel wahrzunehmen. Im Anfange wunderte ich mich, dass die Tische, woran wir speissten, so gestellet waren, dass sie die Figur eines Winkelhakens bekamen, ohne dass es die gelegenheit des Zimmers zu erfodern schien; nun aber sah ich ein, dass wir an einer figurirten Tafel speissten, und dass diese ein lateinisches L vorstellte. Der Doctor hatte auch sogar von dem Conditor des Baronets ein artiges Desert verfertigen lassen; die Vorstellung davon ist mir entfallen. So viel weiss ich, dass ich etwas, das Ihrem Wappen ähnlich sah, darauf entdeckte. Der Doctor sagte, es wäre dieses Wappen von einem Briefsiegel genommen, daher kam es auch, dass es nicht eben gar zu genau mit dem Original überein stimmte. Der Conditor hatte aus Unverstand die zwei Sphinxe in zwei gekrönte Löwen, und die Schlange, welche in ihren Schwanz beisst, dieses alte hierogliphische Bild der Aegypter in eine Bretzel verwandelt. Da wir nach Tische den Tee getrunken hatten, musste der Schulmeister anfangen zu läuten, dieses war das Signal, dass sich die Armen vor dem haus des Doctors nun versammlen sollten. In wenig Minuten wimmelte der Pfarrhof von Leuten. Sie mussten sich auf Befehl des Doctors in drei Reihen stellen, und nachdem er sie Mann für Mann besehen hatte, mussten alle Gäste die Ausspendung der Wohltaten des Doctors über sich nehmen. Es bekam jedes von diesen Armen ein Groschenbrod, welches mit einem lateinischen L gezeichnet war, ein Stück Braten und einen Becher Wein. Ihre Gesundheit wurde hier unter freiem Himmel über hundertmal von Gichtbrüchigen, Lahmen und Blinden getrunken. Ihr Name wurde also bei dieser gelegenheit wieder vielen Leuten bekannt gemacht, und zwar auf eine solche Art, die im stand ist, Ihr Andenken lange in Segen zu erhalten. Leben Sie wohl, berühmter Freund. Ich will hier geschwinde schliessen, um Ihnen Zeit zu lassen, über so schöne Aussichten in Ansehung Ihres Ruhms sich zu vergnügen. Für dieses mal leben Sie wohl.
XLVII. Brief.
Der Doctor Bartlett an den Magister.
Grandisonhall den 7 Oct.
Hochgeehrtester Herr Magister,
Wie gerne erfülle ich doch die Befehle meines Gönners, wenn er mir den Auftrag tut, Ihren Herrn Principal sowohl, als Sie selbsten, von seiner Hochachtung und Ergebenheit zu versichern. Er wünschet aufrichtig, mehr als eine schriftliche Versicherung seiner Freundschaft dem Herrn von N. geben zu können: allein jetzt siehet er sich in die verdrüssliche notwendigkeit versetzt, solche durch mich nochmals schriftlich wiederholen zu lassen; da alle Hoffnung verlohren ist, solches auf eine nachdrücklichere Art zu tun. Ihr Herr Principal hat vor einiger Zeit die Bittschrift seiner Untertanen an meinen gönner mit einem Erzählungsschreiben zu begleiten die Güte gehabt. Sir Carl bezeigte uns sein empfindliches Mitleiden über die unglücklichen Schicksale, welche seit einem Jahrhundert und drüber, das ihm zugehörige Dorf Kargfeld betroffen haben. Er bedauerte hauptsächlich, dass das Absterben der verehrungswürdigen Frau Shirlei heit gegeben. Wenn ihn nicht schon seine Menschenliebe geneigt gemacht hätte, die Bitte dieser Gemeinde zu erfüllen; so würde doch die Hochachtung gegen seinen Freund, den Herrn v.N., und die Pflicht gegen die fromme Mutter seiner Gemahlin ihn hierzu angetrieben haben. Er bemüte sich daher aus allen Kräften, es dahin zu bringen, dass eine Collecte für die Kirche in Kargfeld durch ganz Brittanien möchte ausgeschrieben werden; allein die Sache war zu wichtig, als dass man sie ohne Guteissung des Parlaments zur Ausführung hätte bringen können. Aus dieser Ursache begab sich der Herr Baronet selbsten nach Londen, und besprach sich von dieser Angelegenheit mit vielen seiner Herren Kollegen, mit vielen Gliedern des Unterhauses. Er war so glücklich, keine geringe Anzahl derselben auf seine Seite zu bringen. Die Sache wurde so gut eingeleitet, dass man an einem glücklichen Erfolg nicht zweifelte. Am 11 Sept. wurde der Bill wegen Einsammlung dieser Collecte durch ganz Brittannien für die Kirche zu Kargfeld, um ersten male gelesen, und passirte ohne Widerrede. Den 13. Sept. da er zum andern male gelesen wurde, setzte es deswegen heftige Streitigkeiten. Die Gemüter wurden gegen einander erhitzt, und die Sitzung dauerte bis Abends um 9 Uhr. Am 18. da man ihn zum letzenmale las, wurde die, Einsammlung dieser Collecte mit 284 Stimmen gegen 113. verworfen. Herr Grandison war an diesem Tage in dem Unterhause, davon er ein Glied ist, und tat alles,