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. Doctor Bartlett erklärte hierauf die Meinung seines Gönners etwas deutlicher, und fing an, durch Ihr und meines Oncles Beispiel, die Nutzbarkeit der Ausgabe der geschichte des Herrn Grandisons zu beweisen. Mich dünkt, ich sah Sie vor mir, da ich den ehrlichen Doktor so disputiren hörte. Sein Vortrag stimmt mit dem Ihrigen aufs genauste überein.

Obgleich Niemand unter der ganzen Gesellschaft daran zweifelte, dass Sir Carls geschichte in mancherlei Absicht für die Welt nutzbar wäre: so häufte doch doch der Doctor dieses zu beweisen, Schluss auf Schluss, und ich wurde überzeuget, dass es allerdings Mühe kostet, Dinge zu beweisen, die keines Beweises bedürfen. Dieser Ehrenmann war so eifrig, dass ihm der Schweiss immer über die Backen lief. Ich dachte mehr als einmal an Sie. Es würde mir viel Mühe kosten, wenn ich nachzählen sollte, wie viel mal Ihr und meines Oncles Name rühmlich genennet wurde; so viel ist gewiss, dass ich mir nichts geringes darauf zu gute tat, da ich es der ganzen Gesellschaft offenbaren konnte, dass ich die Ehre Ihres Unterrichts genossen hätte, und ein Anverwandter von dem Herrn v.N. wäre. Herr Richardson machte mir hierbei eine tiefe Verbeugung. Er sass die übrige Zeit bei der Tafel beständig in Gedanken, und grübelte mit der Gabel auf dem Teller. Ich glaubte er sönne auf eine Anlage zu einer neuen Pamela. Beim Tee entdeckte ich endlich die Ursache seiner Tiefsinnigkeit. Er bat mich innständig, ihm die Briefe, die die vortreflichen Unternehmungen meines Herrn Oncles und seines klugen Freundes dem Herrn Grandison nachzueifern, entielten, mitzuteilen. Ich besass nicht Herzhaftigkeit genug, diesem berühmten mann etwas abzuschlagen; ehe ich also die Sache genau überlegen konnte, tat ich das übereilte Versprechen, ihm diese Briefe auszuhändigen, wenn ich die erlaubnis dazu von meinem onkel erhalten hätte. Ich ärgerte mich abscheulich über mein voreiliges Versprechen, da ich Zeit gewann, diese Sache reiflicher zu überlegen. Herr Richardson schien über meine Gutwilligkeit ausserordentlicher vergnügt; er legte sein aristotelisches gesicht wieder ab, und gab sich das Ansehen eines muntern Hofmannes. Hieraus konnte ich leicht mutmassen, dass er sich schon mit der angenehmen Hoffnung schmeichelte, seinen Ruhm durch die Bekanntmachung einer Sammlung von Briefen, die der Grandisonischen nichts nachgiebt, noch mehr zusteigern. Dieser Gedanke machte meinen Ehrgeiz rege. Ich bin mir selbst der nächste, dachte ich, Niemand würde etwas von einem Richardson wissen, wenn er sich nicht durch eigene Schriften bekannt und durch fremde berühmt gemacht hätte. Ich will mit einem Hiebe zwei Streiche tun. Einen Roman zu schreiben, das ist meine Sache nicht, ich will die geschichte meines Oncles ins Französischen übersetzen, ich will sie in Strassburg drucken lassen, und dadurch auf einmal bekannt und berühmt werden. Bitten Sie Ihren Principal, dass er mir zu diesem rühmlichen Vorhaben seine Erlaubnis erteilet, wenn ich diese erhalte; so werde ich Engelland mit Vergnügen verlassen, und Strassburg als die holde Mutter meines zukünftigen Ruhms betrachten. Mein Brief wird länger, als ich im Anfang dachte. Ich würde hier schliessen, wenn ich befürchtete, Sie zu ermüden; allein ich habe Ihnen noch ein Wort zu sagen, darüber Sie vielleicht nicht misvergnügt sein werden.

Neulich bat mich der Doctor Bartlett nebst dem jungen Grandison und seinem Hofmeister zu sich, der Baronet und seine Gemahlin waren eben nach Schirleimanor verreisst. Seine wohnung war aufs beste ausgeschmückt, jedermann war darinne geschäftig. Der Doctor ging mit gravitätischen Schritten in seiner mit Spitzen bebrämten Turmmütze Trepp auf, Trepp nieder, und hatte auf sein geschäftiges Gesinde ein wachsames Auge. Wir speissten in seiner Gaststube. Weil ich glaubte, dass er sich meinetwegen in solche Unkosten gesteckt hätte; so sann ich schon bei dem ersten Gerichte auf ein Entschuldigungscompliment, dass ich ihm wider Vermuten so viele Ungelegenheit verursachen sollte; allein ich hatte nicht nötig, dieses anzubringen. Bei dem ersten Becher Wein, der herum gegeben wurde, und der eben so wohl als die übrigen nebst dem Flaschen und Kelchgläsern mit Ephen und Blumenkränzen gezieret war, wurde ich meines Irrtums inne. Der Doctor nahm einen Becher in die Hand, und nachdem er sich von seinem stuhl erhoben, hielt er diese Anrede an uns: Geliebtesten Freunde, Sie werden sich ohne Zweifel wundern, dass ich heute, da ich mir die Ehre Ihrer Gesellschaft erbeten habe, wider meine Gewohnheit verschwenderisch in Anschaffung der Speise und des Trankes gewesen scheine. Sie sehen diese Tafel mit so vielen Gerichten besetzt, dass solche hinreichend sein würden, alle Innwohner dieses ganzen Dorfes reichlich davon zu sättigen. Jener Schenktisch zeiget Ihnen einen Vorrat von Weinflaschen, welche von uns kaum in vier Wochen würden können ausgeleeret werden. Tadeln Sie mich nicht wegen einer scheinbaren Ueppigkeit, ehe sie das, was ich zu meiner Rechtfertigung sagen werde, vernommen haben. Der heutige Tag ist in dem neuen Calender mit einem so vortreffli-Namen bezeichnet, dass ich glaubte, ein Recht zu haben, mir denselben zu einem Festtage zu machen. Lampertus, was für ein nachdrückliches, was für ein schätzbares Wort ist dieses mir, das mich an einen gelehrten, an einen vollkommenen Freund erinnert. Der 17 September wird mir hinführo allemal ein Tag der Freude sein, wie der Geburtstag meines Gönners und seiner vortrefflichen Gemahlin. Rechtfertigen Sie, hochansehnliche Gesellschaft, meinen Eifer, den Namenstag eines verdienstvollen Mannes, mit dem ich durch das Band der Freundschaft aufs engste verbunden bin, feierlich zu begehen. Es ist nicht die Ehre, Sie