gefälligen Herren, die ihn so oft umarmten, hatte ihm Gewinnst und Capital entführet. Der Wirt fing an über die Bestürzung meines Verführers grosse Augen zu machen, er stitzte den Arm trotzig in die Seite, und sah uns über die Achsel an. Seine Pechmütze, die er vorher bescheiden unter dem Arm trug, klebte den Augenblick auf dem kopf, und so viele Höflichkeiten der arme Erberhard ihm erwiess; so wenig konnten diese ihm doch für den Grobheiten dieses ungestümen Mannes schützen. Mit genauer Not erhielt er es auf vieles Bitten, dass er gegen eine Handschrift weg kam, der Wirt wollte ihn durchaus zum Unterfande für seine Bezahlung bei sich behalten. Unter Weges war er so niedergeschlagen, als wenn er nach dem Tour hätte sollen gebracht werden. Er bereitete sich zu, wie er sagte, zu haus ein heftiges Ungewitter auszuhalten. Einmal bat er mich inständig, ihm eine Lügen erdenken zu helfen, um dem Zorne seiner Frau auszupariren; ich hatte aber dazu weder Lust noch Geschicklichkeit. Bei meinem Quartiere verliess er mich, und versicherte unter hundert Schwüren dass er nicht lange mein Schuldner bleiben wollte; er ist es aber noch immer. Sehen Sie, wertester Freund, wie leicht die Jugend kann verführet werden in dergleichen Ausschweifungen würde ich ganz oft gefallen sein, wenn Sie mir nicht in Engelland den Tempel der Tugend, das Haus des vortreflichen Grandisons, zur sichern Zuflucht gegen alle Versuchungen gezeiget hätten. Ich höre nie auf deswegen gegen Sie dankbar zu sein, und Sie werden meine Dankbegierde ausserordentlich vermehren, wenn Sie mir einen Scrupel benehmen, der mich seit der Ausschweifung, wozu mich der leidige Eberhard verleitet hat, heftig ängstiget. ich habe eben den rühmlichen Entschluss gefasset, welchen mein onkel so glücklich ausführet, Sir Carln nachzuahmen. Wer kann sich dieses Vergnügen versagen, der nicht pöbelhaft denket? Wollte Gott, dass alle Leute diesem grossen Muster gleich zu kommen, sich bemüheten! So bald ich diesen Vorsatz gefasset hatte, stellte ich eine genaue Untersuchung meines Lebens an. Ich fand in dem zurückgelegten teil desselben, dem Himmel sei Dank, nichts, dass ich zu bereuen sonderlich Ursache gefunden hätte. Ich nahm mir vor, von nun an auf den Wegen unsers gemeinschaftlichen Vorbildes und unsers Gönners zu wandeln; allein, welche Abweichung! hätte ich doch nie den unglücklichen Eberhard mit Augen gesehen, wie viele Unruhe würde ich meinem Gemüte dadurch ersparet haben! hören Sie nur, wie ich mich selbst anklage. Sir Carl, sage ich zu mir selbsten, hat sich nie einen Rausch getrunken, ich habe mir einen Rausch getrunken: also werde ich nie so vollkommen sein als mein Urbild. Untersuchen Sie diesen Schluss genau, teurester Freund, Sie haben es weiter in der Vernunftlehre gebracht als ich. Wie sehr wünsche ich, dass ich fasch geschlossen hätte! Ein kleiner Ehrgeiz, den ich bei mir empfinde, macht mich bei meinem onkel und auf Sie eifersüchtig. Ich weiss, dass Sie es beide in der Nachahmung Sir Carls schon so weit gebracht haben, dass er selbst sein Vergnügen über einen so glücklichen Fortgang nicht verbergen kann, und ich sehe mich nun so weit unter Sie zurückgesetzt. Verlangen Sie nicht, dass ich mich länger bei einer Sache aufhalte, die mich ganz tiefsinnig macht. Wenn Sie mir einen Gefallen erzeigen wollen; so bemühen Sie Sich, einen Fehler in meinem Schlusse aufzusuchen, und überzeugen Sie mich davon aufs eheste.
Sie glauben mir es ohne eine weitläuftige Versicherung auf mein Wort, ich bin davon überzeugt, dass ich den vollkommensten Anteil an Ihrem Ruhme nehme. Wie kann ich es also verschweigen, was man hier zu Ihren Vorteile spricht. Vor einigen Tagen hatte der Herr Baronet eine auserlesene Gesellschaft bei sich, sie wurden dadurch desto merkwürdiger, weil der berühmte Richardson sich darunter befand, der seinen Ruhm, den ihm schon eigne Schriften erworben, durch die Herausgabe der geschichte des Herrn Grandisons auf den höchsten Gipfel gebracht hat. Man ist immer begierig, ausserordentliche Leute von person kennen zu lernen; ich würde mir ein Vergnügen daraus machen, ihn nach dem Leben zu schildern, und von Fuss bis auf die Scheitel zu beschreiben, wenn er nicht diese Mühe mir zu erspahren die Gütigkeit gehabt hätte. Er versprach, mich mit seinem Portrait zu beschenken. Sobald ich dieses erhalte, will ich es meinem onkel in seine Bildergallerie verehren, wo Sie es zu sehen bekommen werden. Man sieht es diesem mann an, dass er einen edlen Ehrgeiz besitzt, unsterblich zu sein. Es scheint, dass er alles würde unternommen haben, um diesen Zweck zu erreichen, und wenn es ihm mit der Feder nicht geglücket hätte; so hätte, wie es scheint, der Degen ihm ein Andenken stiften müssen. Er tut eben nicht stolz auf seinen Ruhm; aber mich dünkt, er lässt keine gelegenheit vorbei, solchen immer zu erweitern. Die grossen Leute sind vermutlich wie die Reichen gesinnet, jemehr sie haben, je mehr sie sammlen wollen, das Plus vtra ist der Wahlspruch von beiden. Der Baronet wusste bei der Tafel die Unterredung so artig auf meinen onkel und auf Sie, teurester Freund, zu lenken, dass es gar nicht schien, als wenn er eine Ehre darinne suchte, es der Gesellschaft bekannt zu machen, dass er in Deutschland glückliche Nachahmer seines grossen Charakters gefunden hätte. Er machte dem Herrn Richardson ein artig Compliment dadurch, das ihm allein die Ehre; zuschrieb, dass er der Welt nicht ganz unbekannt geblieben wäre