dass es mir eben nicht schwer ankommt seinen Versuchungen zu widerstehen. Nicht mehr als ein einzigmal ist es ihm gelungen, mir das Seil überzuwerfen. Ich will Ihnen doch die Ausschweifung, wozu er mich verleitet hat, erzählen, und wegen eines Scrupels, der mich wegen dieser Vergehung sehr ängstiget, Ihr philosophisches Bedenken ausbitten. Es wird nun ungefehr ein monat sein, da ich von Grandisonhall nach London gereiset war, um das sehenswürdige dieser grossen Stadt, die mir noch unbekannt waren in Augenschein zu nehmen. Einmal, da ich dem Herrn Reeves einen Besuch abstatten wollte, begegnete mir Herr Eberhard Grandison auf der grossen brücke über die Temse. Er nötigte mich in seinen Wagen zu steigen und sagte mir, es hätte ihm geglückt heute seiner Frau zu entwischen, und er wäre so froh darüber, als ein Volgel, der aus dem Bauer käme. Er bat mich, meinen Vorsatz den Herrn Reeves zu besuchen auf zu geben, und mit ihn nach Covengarden zu fahren, um auf einem Koffehause und etwas vom Kriege vorschwatzen zu lassen. Ich liess mir diesen Vorschlag gefallen. So bald wir in den Saal traten, wurden alle Lombre- und Pharotische rege; es waren in einem Augenblicke mehr als ein Dutzend Brüder um meinen Begleiter herum, die ihn alle umarmten und eine Freude von sich spühren liessen, als wenn er von einer weiten Reise in sein Vaterland zurück gekommen wäre. Ich merkte bald, dass ich mich unter seinen Spielern befand, ich tat deswegen so gleich einen Schwur bei mir, dass ich heute nicht spielen wollte. Ich brachte also eine von den Regeln in Uebung, die Sie mir einschärften, da ich noch bei Ihnen in die Schule ging: Wenn man Lust hat etwas zu tun, daraus etwas böses entstehen kann; so soll man auf der Stelle sich hoch und teuer verschwören, dass man es nicht tun will. Ich steckte meine Hand in den Schubsack und hielt meine Börse feste, damit nicht einer von den gefälligen. Herrn, die mich alle umarmten, nachdem mein Gefehrte mich ihnen vorgestellet hatte, meine Taschen sondiren möchte. Man nötigte uns beide unser Glück zu versuchen, zu meinem Vergnügen sagte Herr Grandison, wir würden uns nicht lange aufhalten, und er wäre heute zu phlegmatisch zum Spiele. Inzwischen sah er doch mit einem begierigen Auge bald nach dem Spieltische, bald nach mir, und schien auf einmal ganz niedergeschlagen zu sein. Weil er nicht spielen wollte, so wollte auch Niemand mehr mit ihn reden. Ein paar mal gab er mit einer nachdenklichen Mine den Pointeurs einen guten Rat, den sie nicht verlangten, er versicherte sie, dass der Bube, der König u.s.w. diesmal unfehlbar gewinnen würde; allein er hatte den Verdruss, dass die Herren die Blätter so gleich zuruck nahmen, wenn er ein gutes Vertrauen dazu hatte. Dieses kränkte den guten Mann aufs ärgste. Endlich tat er, was ich schon lange befürchtet hatte, er zog mich auf die Seite und fragte mich, ob ich ihm zwanzig Guineen vorstrecken könnte. Ich würde wohl einsehen sagte er, dass seine Ehre Gefahr lief, wenn er nicht ein Blatt setzte und die Kerls gegen sich im Respect erhielt, er hätte nicht geglaubt diese Kompanie hier zu finden, deswegen hätte er sich auch nicht mit Gelde versehen, ich sollte diese Kleinigkeit in einer Stunde mit Danke wieder haben. Mir war bei diesen Antrage nicht wohl zu Mute, weil er seine Lebensart nicht ändern will; so hat Sir Karl es dahin gebracht, dass er von seiner Frauen Vermögen nicht das geringste angreifen darf; sondern er bekommt von ihr nur alle Woche ein gewisses Taschengeld, das sie nach dem Verhältnis seiner Aufführung gegen sie, entweder erhöhet oder vermindert. Der geringste Widerspruch ist im stand ihn auf eine oder mehrere Wochen seiner Renten zuberauben. Wer ihm also was borget, der muss sein Geld verlohren schätzen, wenn seine Frau nicht für gut befindet, seine Ehre zu retten und für ihn zu bezahlen. Sein Credit ist dadurch so geschwächt, dass ihm Niemand einen Taler borget; auch so gar seine Spieler wollen ihm kein Conto mehr geben.
Indessen glaubte ich alle Wohlanständigkeit zubeleidigen, wenn ich ihm diese gefälligkeit versagte, ich zählte ihn die 20 Guineen zu. Er umarmte mich für diese Ritterzehrung einigemal, ich war bei diesen freundschaftlichen Versicherungen ganz kaltsinnig und zweifelte, ob ich mein Geld jemals wieder zu gesicht bekommen würde: Er trat hierauf mit einer ernstaften Mine zum Spieltische, holte fünf Guineen aus der tasche und sezte sich da, ihm Jedermann mit Ehrerbietung Platz machte, auf dem ihm angebotnen Stuhl. Er fing an unter vielen wohlausgesonnen Flüchen sein Glück zu versuchen. Mir wurde in dieser Gesellschaft Zeit und Weile lang. Ich nahm mir vor zum Zeitvertreibe das Koffeehaus, welches ein ansehnliches Gebäude schien, etwas genauer zu besichtigen. Aber hören Sie, wie ich für diese Neugierde büssen musste. Ich gehe durch den Hof nach einem feinen Hintergebäude, ein wohlgekleideter Bediente kommet mir da von freien Stücken entgegen und führet mich ohnem ein Verlangen in ein wohlaufgepuztes Zimmer. Er vermutete, sagte er, dass ich die Dame vom haus sprechen wollte, ich sollte mich nur ein wenig gedulden, sie würde in einen Augenblicke da sein. Ich sagte, es würde mir eine Ehre sein, wenn ich der Madame aufwarten könnte. Ich vermutetenachts; weniger, als dass ich in den bezauberten Pallast einer berühmten Conversations-Dame von London geraten wäre. Es vergingen