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wenn er sich nach einer einstweiligen Versorgung umsiehet. Er kann übrigens auf meines Herrn Principals Vorspruch und auf meinen guten Rat allemal Staat machen. Hiermit Gott befohlen. Ich verbleibe

Sein

wohlgeneigter Freund,

M.L. Wilibald.

XLIII. Brief.

Der Verwalter an den Magister.

Wilmershausen den 20 Septembr.

Wohlgelahrter

Guter Freund,

Ihr Brief, den ich vor einer Stunde erhalten habe, hätte mir bald das Garaus gemacht. Es wäre kein Wunder, ich täte mir ein Leids. Sie geben mir einen gar schlechten Trost in Ihrem Briefe, und der Herr v.N. kann es sein Tage nicht verantworten, dass er mich um meine Versorgung gebracht, und es nun nicht einmal Wort haben will. Ich habe immer so ein gutes Vertrauen zu ihm gehabt, dass ich Häuser auf ihn gebauet hätte: aber nun sehe ich, dass man heutiges Tages Niemanden quer über den Weg trauen darf. Ich weiss wohl, dass Ihr Herr so schlimm an sich nicht ist. Wenn ich die deutsche Wahrheit sagen soll, so stecken sie darhinter und verhetzen ihren Herrn gegen mich; denn das weiss Jedermann, dass Sie ihn link und recht machen können: aber Sie werden schon einmal davor Ihren Lohn bekommen. Nehmen Sie es nicht übel, ich bin ein einfältiger Mann und rede, wie es mir vom wenn Sie anfangen zu disputiren, so muss unser einer freilich fünfe lassen gerade sein: das sollen Sie mir doch nicht weiss machen, dass der Herr von N. nicht sollte Schuld daran sein, dass mich der Herr von W. abgeschaffet hat. Die gnädige Frau hat mir es selber unter den Bart gesagt, der glaube ich und kehre mich wenig an Ihre lateinischen Brocken. Will mich der Herr v.N. nicht versorgen, so muss ich desperat werden, und unter die dicksten Soldaten gehen, und das liebe Vaterland mit rujeniren helfen. Ich habe noch dreisig Gülden, dafür will ich meine Frau in den Spittel kaufen, meine Lise kann einem Herrn dienen, und meine zwei kleinen Kinder lasse ich dem Herrn v.N. vor die Tür setzen. Will er sich ihrer annehmen, so ist es gut, wo nicht, so mag er es auch verantworten. Ich bin ein geschlagener Mann; ehe ich mein Brod vor der Tür suche, will ich lieber einem grossen Herrn dienen. Auf einen Schulmeister habe ich mein Tage nicht studiret, und nun ist es zu späte, dass ich erst anfangen sollte, nach Noten singen zu lernen, und meine Finger sind auch überdem zum Trillern auf der Orgel schon zu steif. Grüssen Sie Ihren Herrn von meinetwegen, und sagen Sie es ihm nur, dass ich ihm alles mein Unglück auf den Kopf Schuld gebe, er mag es nun wortaben wollen oder nicht. Künftige Woche gehe ich in die Stadt zu den Werbern und lasse mich unterhalten, hernach werde ich nicht mehr nötig haben, ihm viel gute Worte zu geben. Aber so viel ist richtig, meine zwei Kinder soll ihr Herr ernähren, ich lasse sie ihm vor die Tür setzen, so wahr ich ein ehrlicher Mann bin. Uebrigens verharre ich allstets.

Meines vielgeehrten Herrn Magister

ergebner Diener

Peter Bornseil.

XLIV. Brief.

Der Magister an den D. Bartlett.

Kargfeld den 22. Septembr.

Hochwürdiger Hochgeehrtester

Herr Doctor,

Vornehmer gönner,

Es hat mir gestern das fräulein v.S. Nachricht gegeben, dass sie heute an ihren Herrn Bruder schreiben würde, und zugleich habe ich die Erlaubnis erhalten, ihren Brief mit einem Einschluss beschweren zu dürfen. Ich bediene mich dieser Erlaubnis gar zu gerne, weil ich dadurch gelegenheit bekommen, Eu. Hochwürden eher als ich vermutete, für Dero besondere Gewogenheit gegen mich den verbundensten Dank abstatten zu können. Vortreflicher Mann! Wo werde ich Worte finden, die Grösse Ihrer Gewogenheit gegen mich, und meine Dankbarkeit gegen Sie, damit würdig zu bezeichnen? Wodurch werde ich mich der Ehre, die Sie mir verschafft haben, ein Mitglied einer berühmten königlichen Gesellschaft geworden zu sein, würdig machen können? Wenn ich das Feuer eines Horaz, die Anmut des Ovids und Pindars Stärdurch ein Lobgedichte zu verewigen. Allein Sie sind bereits über alles Lob erhoben, und es würde eben so viel sein, als wenn ich einen Mohr bleichen wollte, wenn ich es unternähme, Sie der Nachwelt zu empfehlen; da Sie bereits in der geschichte eines erlauchten Grandisons in einem so schimmernden Lichte erscheinen, welches die düstern Schatten der entferntesten Zukunft durchdringen, und die Augen der spätesten Nachkommen rühren wird. Hier will ich aufhören, mehreres von Dero Ruhme zu gedenken, so gerne ich mich auch damit beschäftige, damit ich nicht in den Verdacht einer Schmeichelei gerate. Der Auftrag meines gönner an Sie verschafft mir noch auf einige Augenblicke das Vergnügen, mich mit Ihnen zu unterreden. Mein Principal weiss, wie gerne sich der Baronet notleidender Personen annimmt, und wie viel Sie dazu beitragen können, dass er das Maas seiner Wohltaten gegen dergleichen Leute vergrössert oder verringert. Aus einliegenden drei Briefen werden Sie einen Mann kennen lernen, der des Mitleidens des Herrn Grandisons vor andern würdig ist. Er hat lange Zeit bei dem Herrn v.W. einem Freunde meines Gönners als Verwalter seiner Güter in Bedienung gestanden; vor einigen Tagen aber das Unglück gehabt, seine Dimission zu erhalten. Dieser gute Mann hegt gegen den Herrn v.N. die ungegründeten Gedanken, als wenn er an seinem Unglücke einige Schuld hätte. Und ob