erforderte, und man zu arglistigen Mitteln seine Zuflucht nehmen müsste, um Sie von einer unangenehmen Verbindung zu befreien; so könnte es wohl sein, dass ich aus Freundschaft für Sie eine kleine Bosheit beginge, aber dismal habe ich in Wahrheit nicht daran gedacht. Sehen Sie diese romanmässige Unternehmung noch einmal genau an, Sie werden den lächerlichen Magister von Anfang bis zu Ende darinne finden. Suchen Sie diesen ungegründeten Argwohn von mir Ihrer Frau Mutter gleichfalls zu benehmen: kann es aber nicht sein, so lassen Sie ihr das Vergnügen, ihre Meinung zu behalten. Bitten Sie mich ja nie wieder um Verzeihung Ihrer Offenherzigkeit, wenn Sie mich nicht beleidigen wollen. Wir wollen nie aufhören, einander alles zu sagen, was wir denken, dieses ist der vollkommenste Beweis einer aufrichtigen Freundschaft. Wenn Sie der Aufmerksamkeit Ihrer Mama einmal entwischen können; so kommen Sie hieher nach Schöntal, ich habe grosse Lust, mit Ihnen mich recht satt zu schwatzen. Der Baron will sich, Ihnen zu gefallen, noch zehnmal einen Rausch trinken. Wir lieben Sie, wir schätzen Sie hoch; in beiden aber gebühret der Vorzug
Ihrer aufrichtigen Freundin
Amaliie v.S.
XL. Brief.
Der Magister Wilibald an den Baron v.F.
Kargfeld den 19 Septembr.
Reichsfreihochwohlgebohr.
Herr, Gnädiger Herr.
Eu. Reichsfreihochwohlgebohr. Gnaden pflegen oftmals diesen sehr weisen Spruch im mund zu führen: Ein Wort ein Wort, ein Mann ein Mann, und dieser vortreffliche Wahlspruch erinnert mich an ein Versprechen, das ich vorgestrigen Tages Denenselben, in dem Speisesaale des Herrn v.W., in Gegenwart einer hochansehnlichen Gesellschaft getan habe; und ich erfülle es mit desto grösserm Vergnügen, teils um dadurch zu beweisen, dass ich ein Mann von Parole bin, teils um dadurch gelegenheit zu bekommen, mich in einigen Stücken, die mir sind zur Last geleget worden, zu rechtfertigen. Ob ich gleich so wenig dabei gleichgültig sein konnte, da Eu. Hochwohlgebohr. gefiel, von dem grossen Freunde meines Gönners kein gar zu vorteilhaftes Urteil zu fällen, dass ich dadurch auf das lebhafteste gerühret wurde: so muss ich es doch herzlich beklagen, dass Sie einige Worte, die und welche gar nicht dahin abzielten, Eu. Hochwohlgebohr. zu beleidigen, ungnädig empfanden. Ich glaube indessen, dass ich eine vollkommene Vergebung alles dessen, wodurch ich Hochdieselben beleidiget haben soll, erhalte, wenn ich Sie aufrichtig versichere, dass es mir nie in den Sinn gekommen ist, Dero Ehre und Ruhm jemals im geringsten anzutasten. Per me semper honos nomenque Tuum laudesque manebunt. Dieses habe ich nun meines Erachtens in Richtigkeit gebracht. Ich sehe Eu. Gnaden wieder als meinen Mäcenan, ich sage gleichsam zu Ihnen, wie jener grosse Dichter zu diesem: O et praesidium et dulce decus meum! In diesem Vertrauen gegen Sie, wag ich es, Dero Schutz und hülfe in einer Sache anzuflehen, die mich sehr beängstiget. Sein Sie doch, gnädiger Herr, sein Sie doch, ich bitte Sie, ein grossmütiger Georg, der den Lindwurm, der an meinem Herzen naget, ritterlich besieget. Ich weiss, dass das fräulein v.S. gewohnt ist, an ihren Herrn Bruder in Engelland alles zu berichten, was in unsrer Gegend sich zuträgt; ich weiss auch, dass der Herr v.S. seine Briefe allen Freunden in Grandisonhall zeiget. Es ahndet mir, dass das fräulein alles, was bei der Gasterei des Herrn v.W. vorgefallen, vom Anfang bis zu Ende, an den jungen Herr Baron schreiben wird. Sie verstehet die die Kunst, Sachen, die von keiner Wichtigkeit sind, auf einer Seite vorzustellen, dass sie das Ansehen wichtiger begebenheiten erreichen. Wie leicht könnte es sein, dass sie aus Mangel richtiger Begriffe, den Becher der Fröhlichkeit, welcher bei der Tafel des Herrn v.W. fleissig herum ging, mit dem Laster der Trunkenheit verwechselte. Nichts würde mir empfindlicher sein, als wenn der Doctor Bartlett mich, der ich mir eine Ehre daraus mache, in seine Fusstapfen zu treten, und alle meine Handlungen nach den seinigen einzurichten, für einen Trunkenbold und Weinsäufer ansehen sollte. Was würde dieser redliche Mann denken, wenn er solche Dinge von mir hörte? würde er sich nicht schämen, mir die Ehre eines Mitglieds einer berühmten königlichen Gesellschaft erworben zu haben? Ich will es zwar gerne zugeben, dass ich mich eben so wenig bei der Gasterei des Herrn v.W. in statu integritatis befand, als die übrigen vornehmen Gäste; aber dadurch wird noch keinesweges eingeräumet, dass man sich an diesen frohen Tage bezecht hätte. Indessen höre ich unter der Hand, dass die Frau v.W. einige ihrer Gäste, und mich insbesondere, mit solchen Ehrentiteln überhäuft, die nur für niederträchtige Gemüter und für die Schenke gehören. Ich weiss, dass die Verwechselung der Begriffe von dem Freudentrunke und der Trunkenheit, an diesen falschen Urteilen Schuld sind. Um nun diesem Uebel in Zukunft vorzubeugen, und meine Ehre und guten Namen dadurch, sowohl in hiesiger Gegend, als auch bei meinen Gönnern in Engellend, aufrecht zu erhalten; so habe ich es gewagt, angebogne kurze Beantwortung der Frage: Ob bei der Gasterei des Herrn v.W. der Becher der Fröhlichkeit zuweit sei getrieben worden oder nicht, zu entwerfen, und diese Abhandlung Eu. Hochwohlgebohr. untertänig zuzueignen. Werden Sie die Gnade für mich haben, und aus dieser kleinen Schrift dem fräulein v