, so ist er ein wenig unleidlich; die Mama begütigte ihn aber durch eine weitläuftige Vorstellung. Wo ich nicht irre, so war dieses das erstemal, dass sie mit mir übereinstimmte. Sie führte einige Gründe an, warum ich nicht fräulein Braut könnte genennet werden. Einige davon waren nicht vorteilhaft für den Herrn v.N. Wenn ich mit ihrer Gemütsart weniger bekannt wäre; so würde ich hoffen können, dass meine Verbindung mit ihm noch nicht so gar nahe sei. Ich muss es Ihnen doch im Vertrauen stecken, dass man einen starken Verdacht auf Sie geworfen hat, dass Sie so wohl die unerwartete Ankunft Ihres Herrn Oncles; als auch die wunderbaren Touren bei Tische angegeben hätten; doch findet Ihr Herr onkel dadurch eben keine Entschuldigung. Dass Sie von der leztern Erfindung die Urheberin sind, und Ihrem Herrn Schwager nur die Ausführung davon überlassen haben, daran zweifle ich nicht mehr; bei der plötzlichen Erscheinung des Herrn v.N. habe ich noch nicht Licht genug, ob ich solche für eine feine List von Ihnen, oder für einen Einfall des Herrn Wilibalds halten soll. Ich bin geneigt, das leztere zu glauben, denn im ersten Fall würden Sie sich in der Tat an Ihrem Herrn onkel versündiget haben. Ich ungezognes Mädchen, jetzt habe ich Sie schon wieder beleidiget, Sie sind böse auf mich meine Amalie. Ich wollte Sie gern mündlich um Verzeihung bitten, wann ich es wagen dürfte, Ihnen in Schöntal aufzuwarten; ich muss mir aber dieses Vergnügen jetzt versagen, um der Mama keinen widrigen Verdacht zu erwecken. geben Sie mir einen schriftlichen Verweis, ich habe ihn verdienet; lassen Sie es aber auch darbei bewenden. Danken sie dem Herrn Baron, danken Sie Ihrer Frau Schwester, danken Sie sich selbsten, für Ihre Gesinnungen, für Ihre guten Bemühungen für mich. Ich gehöre ganz für Sie, nennen Sie mich.
Ihre
Juliane v.W.
XXXIX. Brief.
fräulein Amalia an das fräulein v.W.
Schöntal, den 20 Sept.
Schätzbarste Freundin,
Jederzeit habe ich Ihnen mit so vieler Aufrichtigkeit diesen schönen Namen beigelegt, als ich es noch jetzt tue. Ich kenne Ihre schwache Seite; ich kenne aber auch Ihr gutes Herz, und dieses macht mir die Vergebung Ihrer Fehler, wenn Sie welche gegen mich begehen können so leicht, dass ich mir ein Vergnügen daraus machen würde, Ihnen, ich weis nicht was, zu vergeben. Haben Sie ein Mistrauen in mich gesetzet, bin ich Ihren Augen ein falsches Mädchen gewesen; so habe ich mich an Ihnen schon genug dadurch gerochen, dass ich Sie von dem Gegenteile so genau zu überzeugen mich bemühet habe, dass sich Ihr garstiger Argwohn hat verstecken müssten. Ich bin nicht wenig stolz darauf, dass Sie inne werden, dass Sie nicht alleine ein gutes Herz haben, und dass Sie mir eben diese Ehre, wenigstens in Absicht auf Sich selbsten, zugestehen müssen: in Absicht auf andere aber scheint es, als wenn Sie mich für sehr mutwillig, wo nicht gar rechtfertigen. Sie sind tungendhaft meine Juliane, Sie haben enges Gewissen, Sie sind gar zu zärtlich. Wenn ich Ihnen nicht suchte Ihren Irrtum zu benehmen, so würden Sie mich für das leichtsinnigste Mädchen von der Welt halten, und nichts wäre mir unleidlicher als dieses. Wer hat Ihnen denn gesagt, dass ich den Plan, wie Sie es nennen, zu Hintertreibung Ihrer Verbindung mit meinem onkel entworfen habe? In der Tat, ich habe ihn gut geheissen; aber er war nicht meine Erfindung. Sie haben diese, eben so wohl als die Ausführung desselben, einer person zu danken. Der Baron ist der Patriot, der den Einfall hatte, die ganze Gesellschaft zu bezechen, und sich selbst dabei nicht zu vergessen, um Sie von dem Verdrusse eines unangenehmen Liebesantrags zu befreien. Sie haben nicht Ursache, über den Kopf Ihres Herrn Vaters, und über das podagrische Bein Ihres Anbeters sich, ein Gewissen zu machen. Ich würde selbst einige Unruhe darüber empfinden, wenn ich glaubte, das dieses Unheil, ohne den Antrieb des baron, wäre vermieden worden; allein urteilen Sie selbsten, ob es nicht besser war, dass er sich und seinen Freunden einen Rausch trank, um ein Unheil zu vermeiden, als dass eben dieses ein paar Stunden später geschahe, um eine unglückliche Verbindung dadurch zu befestigen. Aus zwei Uebeln muss man doch allemal das Kleinste erwählen. geben Sie sich zufrieden mein Kind, Sie mussten einmal an diesem Tage eine gelegenheit sein, dass man den grösseren Becher der Frölichkeit, nach der Benennung unsers Magisters ausleerte. Was liegt Ihnen daran, aus welcher Nebenabsicht dieses geschahe. Ich bin in meinen Gemüte über diesen Punkt ruhig; ich dächte, Sie wären es auch. über einen andern Vorwurf den Sie mir gemacht haben, bin ich nicht so gleichgültig. Ich soll durchaus die Gespensterhistorie des Herr v.N. erfunden und eingefädelt haben. Mit Ihrer Frau Mutter habe ich deswegen schon eine Lanze brechen müssen, das fehlte mir noch, dass ich mit der fräulein Tochter auch was zu zanken bekäme. Es ist Ihr grosses Glück, dass Sie in dieser wichtigen Sache nichts entscheiden. Sie verlangen mehreres Licht darinne zu haben, ehe Sie ein Endurteil abfassen, und mich freisprechen oder eine Gewissensrüge anstellen wollen. Sie können mich ganz sicher freisprechen. Ich werde für meine Unschuld keinen Beweis führen, nein nein meine Juliane, den verlangen Sie auch nicht. Wenn es die Rot