geben, um ihn abzuhalten, seinen Herrn an etwas zu erinnern. Er musste vorschneiden, und die Regelmässigkeit jedes Schnittes aus der Trenschierkunst beweisen. Er musste griechisch reden, Künste machen, die Weingläser mit der Faust umwenden, mit verkehrter Hand trinken und was dergleichen mehr war. Jedermann sah auf den künstlichen Magister, und dieses verursachte ein allgemeines Stilleschweigen. Bei dieser kleinen Pause war die Frau v.W. so glücklich, ihm durch einen Wink ihre sehen sucht, nach dem Anwerbungscomplimente unsres Oncles zu verstehen zu geben. Er war so witzig, dass er die Sprache dieser boshaften Frau verstund. Aus einem possierlichen Gaukler verwandelte er sich, in einem Augenblicke, in einen ehrwürdigen Bartlett. Er griff mit einer sonderbaren Ernstaftigkeit an seine Sammtmütze, und legte sie unter den Teller, als wenn er die Danksagung nach Tische sprechen wollte. Er sah den onkel starr ins gesicht, und schien einem Entzückten ähnlich, der anfangen will zu prophezeihen. Sein Patron hatte aber mehr zutun, als auf ihn achtung zu geben, der Wein fing schon an, bei ihm seine wirkung zu tun. Die Sprache Grandisons hatte ihn verlassen. Er machte sich immer etwas mit fräulein Julgen zu schaffen, er wollte zärtlich und witzig sein; er wollte sie auf eine feine Art im Gespräch unterhalten; es waren ihm aber alle Redensarten seines Herrn Gevatters entwischt, nur noch eine einzige blieb ihm getreu.
Wenn es mit ihren Begriffen, von der zärtlichen Empfindung für die Ehre bestehen kann, gnädiges fräulein, so küsse ich Ihnen die Hand. Das möchte noch hingehen; aber wie gefällt dir das folgende Compliment? Wenn es mit ihren Begriffen, von der zärtlichen Empfindung bestehen kann, gnädiges fräulein, so belieben sie doch etwas zu speisen. Sie sind gewiss zu feste geschnüret, dass gar nichts hinter will, machen Sie Sichs doch ein bisgen commode. fräulein Julgen musste, bei aller ihrer Angst und Unruhe, über diese feinen Sachen, die er mit einem recht bescheidenen, recht männlichen Wesen vorbrachte, heimlich lachen. Im übrigen spielte sie eine vollkommene Pantomime, über zwei Worte, die in ja und nein bestanden, habe ich den ganzen Tag nichts von ihr gehöret. Der Major, der, so viel ich weiss, sie noch nicht kannte, muss sie für ein sehr einfältig Mädchen gehalten haben. Es ist wahr, sie schien sich selbst nicht gleich; aber kann man es sein, wenn man in so kritischen Umständen sich befindet? über die Bewegungen des Magisters verlohr sich bei uns beiden wiederum das lachen. Sie suchte, durch einen flüchtigen ängstlichen blick, bei mir Trost und hülfe, und ich suchte solche selbsten bei unserm Schwager. Dieser hatte sich zum Unglück in eine Unterredung vertieft, bald kehrte er sich zu seiner Nachbarin zur rechten, bald zur linken Hand. Wir hatten eine bunte Reihe gemacht. Ich sass auf Kohlen. Der Baron schien einen kleinen Tummel zu haben, und Lampert wagte es nun, da der onkel auf seine Minen nicht achtung gab, Worte zu gebrauchen. jetzt, dachte ich bei mir, wäre es Zeit, dass der Baron wieder einen Hasen vorspringen liess. hören Sie, gnädiger Herr, sagte Lampert, gedenken Sie auch daran, was Herr Grandison der Grosse tat, da er bei seiner Henriette –? Der Baron brach hier geschwinde das Gespräch mit seinen Damen ab. Das bitte ich mir aus, Herr Magister, verschonen Sie den Herr Grandison mit dem Titel des Grossen; ein Mann der keine Galle hat, ist nicht gross. Ihr Baronet mag ein guter ehrlicher Mann sein; aber um den Namen eines grossen Mannes zu verdienen, muss man die Welt bezwingen, oder doch bezwingen wollen. Alexander war gross, Pompejus war gross, und wie die Weltbezwinger sonst noch heissen mögen. Was rief unser onkel, wollen Sie meinen Herrn Gevatter schimpfen? Lassen Sie mir das Ding bleiben, Herr Vetter, wenn Sie mein guter Freund sein wollen, oder –.
Ich habe alle Hochachtung für ihren Herrn Gevatter, ich schätze ihn hoch; dass aber so ein kleiner dikker Schulmeister als ihr Lampert ist, dem Helden ihre Ehre stehlen will, um einem Privatmann damit zu bereichern: das leide ich nicht, und wenn ich darüber auf dem platz bleiben sollte. Nun ging das Disputiren von neuen an, der vorige Streit über Krieg und Friede war nur ein Scharmützel, jetzt kam es zu einer Schlacht. Bass- Tenor- Diskantstimmen, alles summte durch einander. Die Frau v.W. tat alles, um diese Streitigkeiten beizulegen. Ihr Herr war eingeschlafen, und liess sich durch kein Geräusche ermuntern. Lampert glühete vor Wein und Eifer, er wurde gegen den Baron unhöflich. In diesem hatte der Wein auch endlich über den Verstand die Uebermacht bekommen. Bald wäre dem armen Magister ein Weinglas ins gesicht geflogen, wenn man solches nicht verhindert hätte. Einige Herrn warfen sich endlich zu Friedensrichter in diesen Zwiste auf. Nach einigen Schwierigkeiten wurden beide Teile besänftiget, und der Friede unter den Bedingungen wieder hergestellt, dass der Magister, wegen seiner Vergehungen, den Baron schriftlich um Verzeihung bitten, und dieser hingegen den Grandison auf der Stelle für einem grossen Mann erkennen sollte. Dieser Vertrag wurde mit dem Dekkelglase bestätiget. Die Frau v.W. konnte ihren Verdruss nicht verbergen, dass sie ihre Absicht noch nicht erreicht hatte. Sie moralisirte ziemlich nachdrücklich über ihren Herrn Schwiegersohn; er liess sich aber durch nichts aufbringen, und