die Pferde, gegen die Ordre, welche er hatte, bereits in den Stall gezogen und abgesattelt hätte. Bei so gestalten Sachen glaubte ich, dass der Herr v.N. von einer gänzlichen Verschwindung könnte dispensiret werden; zumal da dieses keine wesentliche Abweichung in der Nachahmung des Herrn Grandisons war, und man bei jeder Sache ohnedem Umstände, Zeit und Ort wohl in Erwägung ziehen muss. Wir nahmen aus dieser Ursache das Anerbieten des Herrn v.W. an, und begaben uns in das angewiesene Zimmer, auf einige Stunden zur Ruhe.
Ich denke es ist Zeit, dass ich einmal selbsten die Ruhe suche, und die Fortsetzung meiner Erzählung bis auf morgen verspare. Du wirst Ursache haben, mein Bruder, dich bei mir zu bedanken, dass ich mir es lasse so sauer werden, deine Neugier zu vergnügen.
XXXVII. Brief.
Fortsetzung des vorigen briefes.
den 19 Septembr.
Diesen Morgen habe ich dem Baron meinen Brief vorlesen müssen. Wenn ich seiner Kritiken nicht schon gewohnt wäre; so würde meine gestrige Arbeit im Feuer aufgegangen sein. Wahrhaftig! wenn du so viel an meinen Briefen zu tadeln fändest als unser Schwager; so würde ichs verschwören, wieder eine Feder anzusetzen. Der lose Mann! wie er über mich gespottet hat, dass ich wegen des ehrlichen Lamperts eine kleine Rache an dir geübet habe. Bald war ich Willens, die Zänkerei mit der Frau v.W. wieder auszustreichen. Acht Tage lang würde ich über kemen von seinen Spassen lachen, wenn ich nicht recht gut wäre. Doch ich bin wie die Frau v.W. ich vergebe den Leuten alles, wodurch sie mich beleidiget haben, aber ich sage ihnen erst die Wahrheit. Der Baron und ich sind wieder gute Freunde. Zur Strafe für seine Spöttereien, hat er mir alle meine Federn schärfen und angeloben müssen, nicht zu verlangen, dass ich ihm die Fortsetzung meines Briefes zeigen sollte. Das ist auch sehr gut für ihn, er würde nur seine eigne Schande darinne finden. Die Herren erschienen bei der Gasterei des Herrn v.W. eben nicht zu ihrem Vorteile; du weisst, dass er seine Gäste gerne bezecht, mehr brauche ich nicht zu sagen. Doch nüchtern betrinkt man sich nicht leicht; ich will deswegen auch in meiner Erzälung die Gäste erst speisen lassen. Um zwei Uhr wurde zur Tafel geblasen. Geblasen? denkst du; in diesem Ausdrucke finde ich eben nichts wichtiges. Es soll auch kein witziger Gedanke sein, der Herr v.W. liess wirklich zu Tafel blasen, und zwar mit den Trompeten aus der Kirche. Dem Himmel sei Dank, dachte ich, ohne zu wissen, was dieser kriegerische Schall zu bedeuten hatte, da kommen Soldaten, nun ist fräulein Julgen der Marter loss; wer wird bei dieser Unruhe auf die Ceremonien einer Eheverbindung denken. Doch zu meinem Verdrusse wurde ich meines Irrtums gar zu bald gewahr. Wir traten in den Speisesaal. Ich zählte sechzehn Köpfe in der Geschwindigkeit, die Bedienten nicht mit gerechnet, lauter gute Freunde und Bekannte, ausser dem Major von Ln. einen Anverwandten der Frau v.W., den ich noch nicht von person kannte. Unser onkel bekam seinen Platz neben dem fräulein v.W. bei der Tafel, Lampert vertrat die Stelle eines Hoffouriers, und wies jedem seinen Platz an. Hier sitzen Sie, gnädiger Herr, neben dem fräulein v.W., schrie er, gleich und gleich gesellt sich, und lachte abscheulich. Das vortreffliche gleiche Paar! fräulein Julgen hatte ihren besten Putz anlegen müssen. Wahrhaftig ein allerliebstes Mädchen! Sie muss nicht meine Tante, sie muss meine Schwester werden. Ich drehete mich, ehe wir uns setzten hin und her, um mit ihr ein Wort alleine reden zu können; es wollte sich aber nicht füglich tun lassen. Wir würden das Reden auch haben entbehren und einander doch verstehen können, wenn sie meine Gedanken so gut als ich die ihrigen erraten hätte. Die Backen glüheten dem guten kind vor Angst und Erwartung ihres Schicksals. Sie schlug fast immer die Augen nieder, und wagte es nur dann und wann, auf mich einen furchtsamen blick zu tun. Ich wurde dadurch so gerühret, dass ich durch nichts anders, als durch eine Kritik über unsern onkel, mich von einer merklichen Tiefsinnigkeit befreien konnte. Ein seltsamer Mann in der Tat! Kennst du den Schulmeister in Wilmershaussen? Du würdest unsern onkel davor angesehen haben, wenn du unvermutet in das Zimmer getreten wärest. über die Comödie! Er reitet in seinem roten Galakleide, mit seiner englischen Knotenperucke, von dem Regenschirme seiner Schwester bedeckt, aus Kargfeld. Der Wind ist so unbarmherzig und reisst Wiganden den Schirm aus der Faust, der geputzte Liebhaber wird badennass. Man bringt ihn, nach seinem lächerlichen Auftritte in Wilmershausen, zu Bette. über die Beschickung im haus, vergisst man andere Kleider aus Kargfeld holen zu lassen. Er schläft bis gegen Tischzeit, der Magister schnarcht auch bis zu unsrer Ankunft. Da war kein anderer Rat, sollte unser onkel nicht im blossen kopf erscheinen, oder dem Magister seine Sammtmütze abborgen; so musste man den Schulmeister ersuchen, seine Stuzperucke, die sehr ins gelbe fiel, herzugeben. Du weist, dass der Herr v.W. und der Pastor ihr eigen Haar tragen. Das kurze schwarze Kleid des Herrn v.W., und die hervorragende rote Tressenweste, gaben ihm das feinste Ansehen. Das Kleid