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, welcher aus überflüssiger sorge uns nötigte, alles tödliche Gewehr abzulegen, vor das Schlafzimmer des gegenwärtigen Herrn v.W. und dessen Frau Gemahlin gebracht worden, pochte der gnädige Herr dreimal stark an die Tür. Wir hörten ein vernehmliches Werda? welches unserm Jeremias eine solche Furcht einjagte, dass er mit einem grässlichen Geräusche die Flucht nahm, und im dunkeln und vielleicht auch aus schrekkensvoller Eilfertigkeit einige Stiegen verfehlte, und als ein schwerer Sack die Treppe hinunter fiel. Ob nun gleich der gnädige Herr über diesen Lermen eine grosse Unzufriedenheit bezeigte: so suchte ich doch, seine Unmut sogleich dadurch zu hemmen, indem ich ihm berichtete, dass dieser Fall unserer Erscheinung einen besonderen Nachdruck geben würde; weil mehrmals beobachtet worden, dass die Erscheinung der Gespenster, gemeiniglich ein starkes Gerassel von Ketten, ein Gepolter oder ein anderes Geräusche, anzuzeigen und zu begleiten pfleget. Ich will eben nicht in Abrede sein, dass mein Principal nebst mir in eine kleine Verlegenheit geriet, da uns, bei wiederholtem Anklopfen, mit Donner und Blitz, oder deutlicher zu sagen, mit einer Kugel vor dem Kopf gedrohet wurde, wenn wir nicht gingen. Der Herr v.N. konnte nicht sogleich eine Entschliessung fassen; deswegen war ich genötiget, in möglichster Geschwindigkeit ihm anzuraten, das vortreffliche Paar in dem Schlafzimmer nicht länger in Zweifel zu lassen, sondern sich eiligst zu erkennen zu geben. Durch diese Gegenwart des Geistes bog ich verschiedenen anscheinenden Gefährlichkeiten vor. Nach einem kleinen Verzuge wurde das Zimmer geöffnet, und mein Herr trat als ein zweiter Grandison mit einer geschickten Stellung, nachdem er den Herrn v.W. zärtlich umarmet, zu dessen Frau Gemahlin, die in dem Lichte der ehrwürdigen Frau Shirlei würde erschienen sein, wenn sie nicht aus einer allzu zarten Empfindung für die Ehre, gleich einer erzürnten Juno, in eine Wolke von Betten sich eingehüllet, und dem forschenden Auge meines gnädigen Herrn sich entzogen hätte. Sie werden verzeihen, gnädige Frau, sagte er, dass ich mich so eindringe; und er brachte noch verschiedene feine Sachen, mit einem recht bescheidenen, recht männlichen Wesen vor. Ihr Charakter und der meinige sind einander so wohl bekannt; dass, ob ich gleich vorher niemals die Ehre gehabt habe, mich ihnen auf diese Art zu nähern, ich mir dennoch ihre Verzeihung wegen dieses Eindringens versprechen darf. Er liess sich darauf in Lobsprüche auf seine glückliche Freundin heraus. Alsdenn sagte er: Sie sehen einen Mann vor sich, der sich mit der Bekanntschaft des vortrefflichsten Paares in der Welt, des Stolzes von Engelland, viel weiss, und der sogar durch das Band einer geistlichen Verwandschaft, durch die Ehre einer Gevatterschaft, mit ihnen verbunden ist. Sie wissen, dass er in allen seinen Handlungen dem vortrefflichen Herrn Grandison nacheifert, und dass er sich glücklich schätzen wird, wenn er diese Bemühungen, durch eine eben so glückliche Ehe krönen kann. Man kennet meine Freundschaft gegen das teure fräulein v.W. sehr wohl. (Sie und das fräulein müssen mich erst berechtigen, es mit einem noch teurern Namen zu benennen.) Kann es mit ihren Begriffen von der zärtlichen Empfindung für die Ehre, gnädige Frau, wird es mit Dero Herrn Gemahls seinen bestehen, für einen Mann das Wort zu reden, der in solchen Umständen ist? Wenn das fräulein die Anbietung eines Herzens annehmen kann, welches ihr gewidmet ist; alsdann werden sie, alsdann wird das fräulein mich auf eine solche Art verbinden, dass ich mich nur bemühen kann, es durch die äusserste Dankbarkeit und Zuneigung zu erwiedern.

Edelmütigster Mann, wollte die Frau v.W. sagen, als er ihr schon zuvor kam, und den Gevatterbrief Sir Carls aus seiner tasche hervorzog. Sie werden so gütig sein, und diesen Brief ihrer Tochter, ihrem Herrn, und wen sie sonst zu der Beratschlagung zu ziehen für ratsam erachten, vorlesen, um daraus zu erkennen, in welcher Hochachtung ich bei meinen Freunden in Engelland stehe. Wenn ich nach Durchlesung desselben kann zugelassen werden, dem fräulein v.W. meine Aufwartung zu machen, und solches mit derselben und ihren Begriffen von der zärtlichen Empfindung für die Ehre bestehen kann: so werde ich glücklicher sein, als der glücklichste. (Der arme onkel, wenn er das alles so gesagt hat wie es der Magister wiederholte, so hat er sein Gedächtniss entsetzlich anstrengen müssen.)

Auf diese Art vermied dieser höchst vortreffliche Mann, da er sich auf diesen Brief bezog, alle Prahlereien, die bei dergleichen Gelegenheiten gemeiniglich Liebhaber von sich vorzubringen pflegen, und als er das gesagt hatte, war er so eilfertig wegzugehen; dass es die Lebensgeister der Frau v.W. ein wenig übereilte, und sie nicht im stand war, ein Wort vorzubringen.

Und nunmehr, meine liebsten Ladys, wiederhole ich die Frage: wo ist ihr Herr onkel hingekommen?

Der Baron. Er wird doch nicht aus dem land geflohen sein, denke ich. Da wir seinen Liebling bei uns haben, so kann er so weit nicht sein.

Lampert. Ihnen die Wahrheit zu gestehen, so hatte ich dem Herrn v.N. in der Tat angeraten, sogleich nach dieser Erscheinung sich nach Schöntal zu ihnen zu begeben, und daselbst eine Antwort auf seinen Antrag zu erwarten: der Herr v.W. wollte es aber durchaus nicht zulassen, dass wir uns wieder hinweg begäben. Jedoch keine Bitte würde diesen Entschluss haben ändern können, wenn nicht der faule Jeremias