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war froh, dass sie endlich schwieg. Da ich unter ihrer Harangue Zeit gewann, einen Entschluss, in Ansehung meines Verhaltens gegen sie, zu fassen, so nahm ich mir vor, in ihrer eignen Ehrung mit ihr zu reben, liebste gnädige Frau, sagte ich, und druckte ihre Hand, Sie geben mir überzeugende Beweise von der Aufrichtigkeit ihrer Freundschaft gegen mich, dass Sie mir sagen, was Sie von mir denken. Wenn Sie weniger aufrichtig wären, so würden Sie mir ins gesicht schmeicheln, und doch übel von mir denken; und auf diese Art würde mir alle gelegenheit, mich zu rechtfertigen, benommen sein. Sie halten mich für ein sehr boshaftes Mädchen. Ich bin unglücklich, dass ich nicht den Augenblick von dem Gegenteile Sie überzeugen kann, es wird aber auch nicht nötig sein; ich weiss dass ihr jetziges Urteil von mir, nicht aus einer innren überzeugung, sondern aus einen aufwallenden Geblüte herrühret. Wenigstens bin ich gewiss, dass Sie keine Beweise meiner Bosheit in Händen haben. Vielleicht bin ich morgen das tugendhafteste, das beste Mädchen in ihren Augen. Sie sind sehr wankelmütig, und dieses macht mir alle Ihre beissenden Vorwürfe so erträglich, dass ich mir keinen geringen Zwang antun müsste, wenn ich ihnen ein sauer Gesicht machen wollte. Ja, ich würde mich entschliessen heute recht aufgeräumt zu sein, wenn sie mir nur das rätselhafte in ihren Reden aufklären wollten. Was vor einen wunderbaren Auftritt hat ihnen denn heute der Herr v.N. geliefert? Nehmen Sie meine Unwissenheit in der Sache als einen Beweiss meiner Unschuld an. Ich weiss, dass es an sich keiner ist: aber in dem Falle wird es einer sein, wenn Sie Sich erinnern, dass Sie mir selbsten oftmals zugestanden, ich hätte in der Verstellungskunst am wenigsten etwas getan.

Schweigen Sie, Falsche, Sie könnten eine Lehrmeisterin darinne abgeben. (Sie schlug mich sanfte mit der Hand, und ihre erste Hitze schien sich etwas gemindert zu haben.) Ich hatte die beste Hoffnung, meine Neubegierde befriediget zu sehen: allein die Auflösung dieses Knotens, der einen Weiberzank veranlasset hatte, war einer andern person vorbehalten. Der Magister Lampert trat in das Zimmer, die Frau v.W. machte ihm ein schrecklich böses gesicht: er schien es aber nicht zu bemerken. Wissen Sie, sagte er mit einer durchdringenden stimme, wissen Sie, meine teuresten Ladys, wo ihr Herr onkel hingekommen? die Frau v.W. hat sein Gespenst gesehen, und mit ihm fast eine Stunde gesprochen, und darauf ist es wieder verschwunden. Erschrecken sie nicht, meine lieben Kinder. Machen sie sich fertig über die Nachricht, die ich ihnen von seiner Erscheinung, seinen Reden und Verschwindung geben werde, in Erstaunen zu geraten. Es hat auch der lieben Frau v.W. nicht geträumet, es eräugnete sich diesen Morgen zwischen Nacht und Tag. Die Ankunft des Herrn v.W. und des baron verhinderte, dass der arme Magister den Ausbruch des Zorns von der Frau v.W. nicht empfand. Sie konnte seine Gegenwart nicht ertragen, und ging mit einer aufgebrachten Mine weg. Ich sah es gerne, dass wir auch auf einige Augenblicke von ihr befreiet wurden.

Sie haben heute wieder eine probe ihres sonderbaren Verstandes abgelegt, Herr Lampert, sagte der Baron, der bereits von der Begebenheit unterrichtet war. Wenn sie nicht mit der ersten Post alles an Sir Carln berichten; so sind sie der Freundschaft des ehrlichen Doctor Bartletts unwürdig, und ich werde es selbst über mich nehmen, Sie bei ihren Freunden in Engelland zu verklagen. Der Magister lächelte ganz zufrieden über diesen unerwarteten Lobspruch, und machte einige wunderbare Posituren, das ist, altväterische Reverenze.

Der Herr v.W. Ihr Herren habt heute meiner Frau ein Schrecken eingejaget, das sie noch immer nicht verwinden kann. Ich hätte nimmermehr gedacht, dass der alte N. noch so lustige Streiche, wie ein junger Pursche, vornehmen könnte. Mein Seele! das war ein possierlicher Einfall: aber Gefahr war dabei. Es war euer grosses Glücke, dass meine Pistolen nicht bei der Hand waren; ich hätte warlich einen von euch aufs Fell gebrennt, dass er die Beine hätte sollen in die Höhe kehren. Wir dachten alle nicht anders, es wären Diebe da.

Lampert. Ja, gnädiger Herr, wie sagt der Lateiner? per varios casus, und so weiter, das heisst auf deutsch: Durch manchen Zufall und durch viel Gefährlichkeiten, gelangt man endlich ins Lateinerland mit Freuden. Um Sir Carln in Ansehung einer plötzlichen Erscheinung, bei der Mutter seiner Henriette noch vor ihrer Verbindung, ähnlich zu werden, liess es sich mein Herr Principal nicht verdrüssen; nachdem er, bereits vor einigen Tagen, mit mir die Sache reiflich erwogen hatte, diesen Morgen um zwei Uhr, bei finsterm Himmel und sehr stürmischen Wetter, von mir und dem getreuen Jeremias begleitet, sich hierher zu begeben; da dem hiesigen hochadlichen Verwalter, bereits das Verständniss war eröffnet und mit solchem die Abrede dahin genommen worden, dass das Pförtgen am Schlosshofe sollte offen gelassen werden. Dieser gute und ehrliche Mann, konnte freilich nicht anders, als mit vieler Mühe dazu beredet werden. Endlich aber, da mein gnädiger Herr ihn selbsten deswegen ersuchte, und ihm aller üble Verdacht war benommen worden: liess er sich dazu willig finden, und wir gelangten in der Morgendämmerung hier an. Nachdem wir nun, in Begleitung des Verwalters