da wir in Wilmershausen anlangten, und Wigand in den Schlosshofe sein Morgenbrodt verzehrte. Ich hatte mich aber nicht so bald von der Bestürzung über unsern onkel erholet; da gedachte ich wieder mit Schrecken an die Ursache, die uns dismal nach Wilmershausen brachte. Ich glaube, dass ich mich sehr entfärbte, da ich die Frau v.W. sah, wenigstens fühlte ich, dass alle meine Glieder zitterten. Sie empfing uns mit dem Herrn v.W., jedoch zu meinem Troste nicht so vergnügt, als ich hätte vermuten sollen. Man konnte es ihr ansehen, dass ihr etwas im kopf lag, so sehr sie es auch zu verbergen suchte. Weder unser onkel, noch der Magister waren bei dem Empfange gegenwärtig. Ich glaubte, dass diese Peiniger bei dem fräulein v.W. sich befänden, dieses vermisste ich auch. Der Baron fragte nach ihnen, und erhielt kaltsinnig zur Antwort, dass sie bereits diesen Morgen bei guter Zeit angelanget wären. Was muss das steife Wesen bei der Frau v.W. zu bedeuten haben, dachte ich, es ist ihrem ganzen charakter zuwider. Der Baron sah mich einige mal an, und dadurch wurde ich gewiss, dass er an ihr auch etwas unnatürliches bemerkte, und dass ich mich, in meinen Gedanken von ihr, nicht hintergangen hätte. Weil wir etwas frühzeitig angelanget waren, und noch Niemand von benachbarten Adel, den der Herr v.W. hatte einladen lassen, da war: so wurde uns ein Frühstück von einigem Backwerk ausgetragen. Wir Schwestern setzten uns zur Frau v.W. auf das Kanape. Der Baron ging mit ihrem Gemahl in die Gewehrkammer. Wir drei Frauenzimmer waren alleine, und ich hielt dieses für die beste gelegenheit, die Frau v.W. ein wenig auszuforschen, um das rätselhafte in ihrem Betragen zu entwickeln. Unser onkel, gnädige Frau, sagte ich, hat gewiss jetzt die Ehre, dem fräulein v.W. aufzuwarten, dass wir ihn noch nicht gesehen haben? Es ist doch etwas wunderbares mit den verliebten Leuten, man kann aus ihnen nicht klug werden. Gestern wurde die Abrede genommen, wir sollten ihn heute abholen, um Ihnen aufzuwarten: und da wir nach Kargfeld kommen, sagt man uns, dass er schon vor Tage weggeritten sei. Ich werde nicht irren, wenn ich von dieser Eilfertigkeit auf die Heftigkeit seiner Liebe gegen das fräulein v.W. schliesse. Sie scheint jetzt sein einziger Gedanke zu sein, und uns alle hat er darüber vergessen. Wenn er zum Vorschein kommt, werde ich mich ein wenig mit ihm zanken. Das würde ein artiges Spiegelfechten sein, sagte die Frau v.W., ich hätte Lust, es mit anzusehen. Ich habe auch noch etwas mit ihrem Herr onkel auszumachen. Heute frühe fehlte wenig daran, dass wir uns nicht in eine ernstliche Unterredung mit einander eingelassen hätten. Sie, gnädige Frau, Sie wollen Sich in eine Zwist mit ihrem Herrn Schwiegersohne einlassen, an einem Tage, da er erst dieser Ehre teilhaftig werden soll? Was hat er denn gemacht, dass er ihren Zorn verdienet, wenn es anders ihr Ernst ist?
Sie können noch fragen, liebes fräulein? zu einer andern Zeit würde ich über diese Frage mit ihnen zürnen müssen. In der Tat, Sie sind eine kleine boshafte Creatur, nehmen Sie es nicht übel. (Sie wurde feuerrot, aus Unwillen vermute ich.) Sie haben den ganzen Possen angestellt, und halten mich noch für blöde genug, dass ich es nicht einmal einsehen soll.
Wie? Was gnädige Frau? – Ich bitte – Was ist Ihnen? (Ich weiss nicht, was ich in der Bestürzung, über eine rätselhafte Beschuldigung, alles vorbrachte. Meine Schwester, die Furchtsame, lief ans Fenster. Meine Bestürzung brachte die Frau v.W. heimlich nur noch mehr auf.) Wir wollen gute Freunde bleiben, fräulein Amalgen, (Sie nahm mich bei der Hand: Die Schlange! dachte ich, sie krümmt sich, um desto gefährlicher zu stechen) wir wollen gute Freunde bleiben. Ich habe ihnen bereits alles vergeben. Aber mein! Sagen Sie mir, was ist es doch für ein elendes Vergnügen, die Leute zu Torheiten zu reizen; seine eignen Anverwandten verächtlich zu machen; die Kinder gegen die Eltern aufzuhetzen, um über seine boshaften Erfindungen hernach lachen zu können. Wenn man auch keine Sünde daran täte; so sollte doch ein Frauenzimmer seiner eigenen Ehre mehr schonen, denn es gibt mehr boshafte Leute in der Welt, die über anderer ihrer Bosheiten auch wieder lachen. Ich mache nicht gerne Anwendungen, so viel sage ich nur, dass ihr Herr onkel allezeit in meinen Augen ein rechtschaffener, und in seiner Art vollkommener Cavalier ist, den ich und mein Herr allezeit hoch schätzen, und mit Vergnügen unter unsere Anverwandten zählen werden; so sehr man auch dieses, durch allerhand listige Griffe, zu verhindern bemühet ist. Der einzige Fehler ihres Herrn Oncles ist sein gutes Herz, und bei diesem lässt er sich durch falsche Freunde und törigte Leute, die um ihn sind, manchmal zu einer kleinen Ausschweifung verleiten; dazu auch der heutige wunderbare Auftritt kann gerechnet werden, der gewiss zu einer sehr boshaften Absicht ausgesonnen war, die aber gewiss fehlschlagen soll.
Ich liess die böse Frau sagen, was sie wollte, ohne
ihr ins Wort zu fallen, ob ich gleich so derbe Pillen einnehmen musste. Ich