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und solches andern bereden wollen, sind:

Der Herr Baron von F ... und dessen Frau Gemah

lin gebohrne von S.. fräulein Fiekgen, Pflegbefohlene meines hohen Gönners. Unser Herr Pastor, Wendelin, den ich zum Spas manchmal meinen Senior nenne, und andere.

So dringend meine Beweise, und so bündig meine Schlüsse sind, (ich muss an der Spitze meiner Partei kämpfen;) so wenig habe ich doch dadurch bishero gewonnen. Man hat uns zwar oft Friedensvorschläge getan: wir können uns aber darauf nicht einlassen. Man verlangt, wir sollen unserer bessern überzeugung entgegen, die mehrbesagte geschichte für eine witzige Erfindung, und einen nützlichen Roman eines in der gelehrten Welt unbekannten Engelländers erklären. Neulich tat ich den Vorschlag, man sollte Ihnen den Auftrag tun, ein Endurteil in dieser Streitigkeit zu fällen. Ich handelte grossmütig, dass ich den Bruder zum Richter zwischen einer geliebten Schwester und mir anrufte: ich verliess mich aber auf meine gerechte Sache, und auf ihre Zärtlichkeit für die Ehre und Wahrheit. Mein Vorschlag wurde angenommen. Ich bekam Befehl, Ihnen einen kurzen Abriss unsers Processes nebst der Urteilsfrage zu übersenden. Sehen Sie, gnädiger Herr, das ist der Verlauf der ganzen Sache. Wenn Sie in Londen glücklich angelanget von der geschichte des Grandisons urteilet; ob das Publicum auf meiner und Ihres Herrn onkel Seite, oder auf Ihres Fräuleins Schwester Seite ist. Vielleicht sagt man Ihnen, dass die Sache an sich wahr sei, und dass man nur die Namen und gewisse kleine Umstände erdichtet hat, um die Wahrheit in etwas zu verstecken. Wäre dieses, so würden Sie zwar einige Schwürigkeiten zu überwinden haben: diese aber würden Sie nur ämsiger machen, in der aufmerksamen Nachforschung fortzufahren. So bald Sie das geringste Licht in der Sache bekommen, und auf der rechten Spur sind: so erteilen Sie uns davon Nachricht. Dero Herr onkel hat dabei die grösste Absicht von der Welt; aber es wird noch alles geheim gehalten. Lassen Sie sich nicht in Ihren Bemühungen zur Ehre der Wahrheit abschrecken; wenn Sie Leute in Engelland finden, die von der geschichte des Herrn Grandisons eben so denken, als fräulein Amalia, und ihre Partei. Erinnern Sie sich, dass es vielerlei Arten von Freigeistern giesst. Alle Ihre Anvewandten segnen Sie so, wie

Ihr

untertäniger Diener

M. Lampertus Wilibald.

II. Brief.

Der Herr von S. an den Magister Wilibald.

den 12ten. April.

Hochgeehrtester Herr Magister,

Sie hatten ein Recht, an mich zu schreiben: ja, Ihr Brief würde mir willkommen gewesen sein, wenn Sie auch nur die Hälfte von den Bewegungsgründen, mich im geist zu begleiten, wie Sie sich höchst vortrefflich ausdrücken, angeführtet hätten. Ihre Freundschaft ist mir alle mal schätzbar: ich werde also Ihre Briefe in Amsterdam und Londen mit eben der Aufmerksamkeit lesen, mit welcher ich ehedem Ihre gelehrten Vorlesungen anhörte. Wie würde ich auch sonst im stand sein, so viel tiefsinnige Sprüche zu erraten, und so viel strenge Beweise einzusehen, mit welchen Sie die Wahrheit vortragen und befestigen, wenn ich Ihrer Sprache nicht bereits gewohnt wär.

Meine Schwester und der Pfarr werden nicht weiter mit Ihnen disputiren wollen, vielweniger der Kutscher. Sie haben Wiganden ganz gewiss mit einem Sorite zu Boden geschlagen; welches Sie mir aber aus Bescheidenheit in Ihrem Briefe verschweigen. Uebrides Verweises. O hätten Sie mir die Uebersetzung davon beigefügt! Ohne fehlbar ist es eine Umschreibung gewesen. Ne sutor vltra crepidam. Welcher vortrefliche Einfall! Sie waren also der Mahler; die geschichte mit dem Jeremias das Bild, und Wigand der naseweise Schuster. Wie hat sich aber der Bube unterstehen dürfen, einem mann zu widersprechen, welcher gelehrter ist als Aristoteles und Confucius? Ich wünsche Ihnen unterdessen Glück, dass sie den Heiden bekehrt, und ihm die Rangordnung zwischen einem Kutscher und einem Postknechte beigebracht haben.

Die Nachricht, von dem nunmehr herrschenden Geschmack im haus meines onkel, vergnügt mich. Was kann doch ein Mann von Genie tun! Sie müssen mehr als eine Seele haben: wenn ich mich anders so ausdrücken darf. Mein onkel war ja ehedem kein Liebhaber von Romanen, wenn ich den Don Quixotte ausnehme: daher auch die Heldentaten, welche er noch als Fähndrich in Italien verrichtet, der beständige Gegenstand unserer Unterredung sein mussten. Bei den Fräuleins aber war noch eher etwas auszurichten. Sie sind jung, und wie weiches Wachs, welches alle Eindrücke anzunehmen fähig ist. Fahren Sie indessen fort, meine Schwester nach dem Beispiele der Henriette Byron zu bilden. Ich werde Sie noch einmal so sehr lieben, wenn ich Sie einst in einem so vortrefflichen Lichte erblicken kann. Ich denke aber, Charlotte oder die vermählte Gräfin G. wird ihr besser gefallen: denn sie liebt den Scherz, und verliehrt lieber ihren Freund, als einen sinnreichen Gedanken. Der Einfall, dass Sie den alten Pastor Ihren Senior nennen, ist so spashaft nicht, als Sie wohl meinen. Ich habe schon ehedem angemerkt, dass Sie der Tochter dieses ehrlichen Mannes nicht gleichgültig sind. Sie wird von Ihnen erobert werden, ehe Sie es denkt; und wie wird sie einem Liebesantrag widerstehen können, wenn Sie solchen mit Ihrer gewöhnlichen Beredsamkeit tun, und dabei einen Schluss mit dem andern verbinden. Ich küsse Ihnen die hände, lieber Herr Magister, wenn Sie Ihren ersten Liebesantrag entweder drücken lassen, oder doch wenigstens einen Auszug davon in den gelehrten Zeitungen bekannt machen. Mein onkel unterstützet Sie als Kirchenpatron bei