diese wichtige Sache deutlicher erklären, und hierdurch offenbar gestehen, dass ich fräulein Julgen schon längstens in mein Herz geschlossen habe. Ich war zwar Willens, niemals an eine Frau zu denken; dieser Gedanke aber hat nicht länger, als bis auf die Bekanntschaft mit Sir Carln gedauert. Da ich nun diesem wunderbaren mann in allem nachfolgen muss, wenn ich anders so glücklich, als er, werden will: so gehört nichts, als eine schöne Henriette zu meiner Vollkommenheit. Es ist also billig, dass ich mich an Dich und an Deine Frau Gemahlin zuerst wende, und Eure liebe fräulein Tochter von Eurer Hand erwarte. Da man wider meine person, welche, ohne Ruhm zu melden, nicht unangenehm ist, eben so wenig, als wider mein jährlich Einkommenen, welches nach englischen Gelde reine 500. Pf. einträgt, keine abschlägliche Antwort zu erhalten. Ich weiss zwar, dass sich Julgen ein wenig zieren wird, (das muss sie tun, wenn sie der vortreflichen Henriette ähnlich sein will,) so hebe Du indessen dem guten kind allen Zweifel. Essen und Trinken schmeckt mir noch ganz wohl, und zuweilen fresse ich mehr als zwei Bären; munter und stark bin ich auch: wenn Ihr also fräulein Julgen, in der Vergleichung mit mir, für zu jung haltet; so betrügt Ihr euch. Ich steh meinen Mann, und bin noch eben so rüstig, als Sir Carl immer sein kann. Was brauch ich aber so viel für mich anzuführen? Julgen scheint mir nicht ungeneigt zu sein; und wenn ich alle ihre Reden, zumal bei dem Feuerwerke, recht genau überlege: so ist das kleine Närrchen wohl gar schon verliebt in mich. Ich gäb mein bestes Pferd darum, wenn es wahr wär. Denn Henriette Byron liebte Sir Carln lange zuvor, ehe er ihr noch eine Erklärung tun konnte. Meine Freunde werde ich durch eine solche Heirat auch verbinden: denn sie haben zeitero alle meine Anstalten gelobt; und je ähnlicher ich dem Engländern werde, desto mehr gefalle ich ihnen. Die Hochzeit soll als denn bei Euch sein in Willmermanor – alles nach Grandisons seiner Art – recht prächtig. Wir fahren miteinander in Kutschen nach der Kirche, wir viere in einer, wie leichtlich zu erraten. Aber wieder zur Hauptsache! Nehmt nur das liebe Mädgen vor, und tut ihr einen Antrag: Als denn bestimmt einen Tag zum Verlöbnisse – – die Zeit der Copulation aber soll meiner Juliane ganz und gar überlassen werden. Ich wollte zwar gerne, dass mich der Magister traute; es wird aber wohl nicht angehen, weil er noch kein Pfarrer ist. Ich bin der glücklichste Mann, und zur glücklichsten Frau soll Julgen gemacht werden von
Deinem
aufrichtigen Freund und
gehorsamster Diener
v.N.
XXXI. Brief.
Der Vater des Fräuleins v.W. an den Herrn v.N.
Wilmershausen, den 13. Septembr.
Hochgeschätzter Herr Bruder,
Vielgeehrter Freund und Nachbar,
Aus dem Schreiben, welches Du vom gestrigen Dato an mich abgelassen, habe ich nebst meiner Frau nicht nur die gute Absicht, welche der vielgeehrte Herr Bruder gegen mein Haus heget, erkannt, und bin deswegen dankbar; sondern ich habe auch bereits meiner Juliane vorläufige Nachricht von dem geschehenen Antrage gegeben, welche zwar Anfangs, wie solche junge Dinger bei dergleichen Gelegenheiten pflegen, heftig darüber zu erschrecken schien: auf mein und ihrer Mutter Zureden aber so viel zu verstehen gab, sie würde ihrem Vater in keinem Stücke ungehorsam sein. Da nun die Ehen im Himmel geschlossen und auf Erden vollzogen werden; auch weder meine Frau noch ich dem Schlusse des himmels widerstreben können: so erteilen wir dem Herrn Bruder unsern älterlichen Consens desto lieber, weil Du jederzeit ein guter nachbarlicher Freund von mir gewesen bist; auch überdem die männlichen Jahre lange erreichet, und das flatterhafte Wesen der Jugend, das an so vielem Unglück der Ehen Schuld ist, abgeleget hast. Wir haben anbei die gute Hoffnung, dass unsere Tochter mit Dir ganz wohl fahren soll. Der Himmel beglücke euch beide mit seinem Segen, und führe das angefangene gute Werk glücklich hinaus. Mir wird es angenehm sein, wenn ich mich werde nennen können
Meines vielgeehrten Herrn Bruders und
zukünftigen Eidams
treuer Freund und Schwiegervater
Hanns Georg v.W.
N.S. Auf kommenden Dienstag, wird sein der 17. hujus, verfüge Dich zu uns, und bringe Deine werten Anverwandten mit, da soll die Sache vollends ins reine gebracht werden.
XXXII. Brief.
fräulein Juliane an fräulein Amalien.
Wilmershausen den 14 Septembr.
Haben Sie Mitleiden mit mir, liebste Amalia; ich stehe im Begriff, eine sehr unglückliche person zu werden. Sie wissen es unfehlbar. Was soll ich daraus machen, dass Sie mir keinen Wink davon gegeben haben? Sie müssen es wissen, dass ihr onkel für sich selbst, bei meinem Vater, um mich geworben hat. Sind Sie so grausam, dass Sie nebst Ihren Freunden in Schöntal sich wider mich verschworen haben? Ist es um deswillen geschehen, dass Sie mir nicht eine Silbe von dem Vorhaben ihres Vetters entdeckt haben, damit man mich desto geschwinder überraschen, und das, was man will, aus mir machen könnte?
Ich will Ihnen noch nichts Schuld geben; vielleicht hat Ihr onkel Ihnen selbst noch nichts von seinem Vorhaben entdecket; vielleicht haben Sie aus der ganzen Sache eine Kleinigkeit gemacht, die in der Tat keine ist.
Ihr Herz mag nun bei dieser gelegenheit entweder für oder wider mich