W. als ihren Gemahl lieben und ehren werde. Der zweite Satz: Sir Carl hätte ein Recht auf fräulein Byrons Liebe, er war der Beschützer und Erretter ihrer Ehre; dieser gilt unter einer kleinen Einschränkung, hier gleichfalls vollkommen. Mein Patron hat ein Recht, auf des Fräuleins v.W. Liebe. Er ist der Beschützer und Erretter ihrer Ehre, nämlich in so ferne diese von Jemand sollte angetastet werden. Sir Carln hatte die Bewilligung aller Anverwandten, ihr Mädchen zu lieben, mein Patron hat diese Bewilligung von den Eltern des Fräuleins v.W. in der tasche. Jedermann wünschte dort, dass die 2 vortrefflichen Personen sollten ein Paar werden. Jedermann wünscht es auch hier, wenigstens in den Familien von beiden Seiten werden alle hohe und vortreffliche Glieder derselben eine solche vorteilhafte Vermählung wünschen. Aus diesem folgt, dass mein hoher Principal von aller Abweichung, in der Nachahmung Sir Carl Grandisons entfernet ist, und solcher auf keinerlei Weise kann beschuldiget werden, welches zu erweisen war.
Der onkel. Der Geist des Doctor Bartletts, ruhet zwiefältig auf meinem Magister! So wahr ich lebe, er ist ein ganzer Mann. Ich versichere ihn meines Wohlwollens. (er drückte die Hand des Bösewichts.)
Es war Niemand von uns im stand, ein Wort vorzubringen, das Schrecken machte uns stumm. Der onkel nahm unsre Stillschweigung für eine Empfindung einer Freude an. Ich hatte Lust, ihn diesen Irrtum zu benehmen, doch unterliess ich es. Die Einwilligung des törigten Vaters, eine vollkommene Tochter durch unsern onkel unglücklich zu machen, setzte uns in viele heimliche sorge. Unser Vetter zog zwei Briefe aus der tasche: dieses ist mein Anwerbungsschreiben, um das fräulein v.W., hier ist auch die Antwort darauf. Herr Lampert, lese er doch beide. Wir wussten nicht, ob wir Scherz oder Ernst aus der Sache machen sollten, da der Magister las. Mein Schwager bat sich die Erlaubnis aus, die Briefe nochmals mit verstand zu lesen, nachdem er unsern onkel wegen des Innhalts des zweiten, einen langen Glückwunsch gemacht hatte, und sich das Ansehen gab, als wenn ihm seine Wünsche recht von Herzen gingen. Diese Schmeichelei wirkte so viel, dass der onkel dem Baron beide Briefe aushändigte, er ging damit in in sein Cabinet und hat sie abgeschrieben. So bald unser Vetter uns verliess, brachte ich diese Unterredung zu Pappiere Wir ratschlagten über eine so unerwartete Begebenheit, bis in die tiefe Nacht. Die Einwilligung – die schriftliche Einwilligung des Vaters von dem fräulein v.W. wie viel sorge machte uns die!
Mein Schwager hatte den Vorschlag, wir wollten den Grafen von Belvedere sterben, und unserm onkel lieber seine Reise nach Italien unternehmen lassen; als dass wir zugeben sollten, dass er der Gemahl von fräulein Julianen würde. Ich zweifelte, dass diese Erfindung einen guten Erfolg haben würde. Unser Grandison scheint äusserst in seine Byron verliebt zu sein, und gäbe nun wohl zehen Clementinen hin, um eine Juliane zu erlangen. Wir stehen in äusserster Furcht wegen des guten Fräuleins. Du wirst aus beiliegenden Briefen sehen, dass sie ihm morgen feierlich soll zugesaget werden. Was fangen wir an? – – Ich wollte, ich weiss nicht was, darum geben, wenn der morgende Tag vorüber wäre. Ich war Willens, dieses Paquet nicht eher an dich abzuschicken, bis ich von dem Ausgange der Sachen dir eine Nachricht geben könnte; die Post gehet aber morgen Vormittage ab, und mit dem Frühesten müssen meine Briefe in der Stadt sein. Wenn du mir versprächest, unsertwegen keine sorge zu tragen; so wollte ich das Paquet künftigen Posttag fortschicken; du könntest aber denken, meine Schwester, die wiederum vollkommen gesund ist, wäre gar gestorben, wenn ich meine Briefe einige Tage länger zurück behielt. Es ist immer besser eine unvollständige Nachricht, als gar keine. Eine kleine Nebenabsicht treibet mich zugleich mit an, die Absendung dieses Briefes, nebst den Einschlüssen in demselben, nicht länger auszusetzen. Es ist besser, dachte ich, dass wir unsern Bruder in eben der Ungewissheit lassen, in der wir uns selbst befinden; als dass wir ihm den Anfang und das Ende der Heiratsgeschichte unsres Oncles auf einmal berichten. Er mag einige Tage lang eben so, wie wir, zwischen Furcht und Hoffnung schweben, damit er sich bei einem unglücklichen Ausgang der Sache, zu welchem er schon vorbereitet ist, nicht so sehr betrübe, und bei einem glücklichen Ausschlage desto mehr erfreue. Wollte der Himmel, es könnte diese Heirat, die gewiss nicht im Himmel geschlossen ist, hintertrieben werden. Ich beschliesse meinen Brief mit einer Bitte von meinen Schwager, er verlangt die Briefe, die wegen der grandisonischen Händel sowohl von dir, als an dich sind geschrieben worden, in Abschrift zurück, um sie in einem Zusammenhange zum Zeitvertreibe zu lesen. Der junge Wendelin, der schon ausstudiret hat, und für langer Weile nichts tut, als dass er im dorf herumgehet und Sperlinge schiesst, kommt manchmal herüber nach Schöntal, und hat sich erboten, diese Briefe insgesammt sauber abzuschreiben. Für die baldige Zurücksendung derselben wird insonderheit bei ihren geliebtesten Bruder ihren Dank abstatten
Amalia v.S.
XXX. Brief.
Herr von N. an den Herrn von W. in Wilmershausen.
N. hall, den 12 Sept.
Lieber Herr Vetter,
Du hast vielleicht schon Lunde gerochen, und meine Liebe gegen deine älteste fräulein Tochter gemerkt: ich muss mich nunmehr über