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der tollen Aenne Feuer aus, welches 9 Häuser mit Scheunen und Ställen verzehrte. 1671 starben viele Leute, das trug mir und dem Herrn Pfarrer etwas ehrliches ein. 1677 wurde Marta, Saufsteffens Wittib, wegen des Verdachts, dass sie eine Hexe wäre, eingezogen. FH hatte immer wegen ihrer roten Augen kein gutes Vertrauen zu ihr. Ob ich gleich von ihren Kindeskindern kein Schulgeld nahm; so hat sie mir doch, weil ich das eine Mädchen geschlagen, durch ihr giftiges Anhauchen, bei nüchternem Morgen, einen dicken Backen gemacht. Des Herrn Pfarrers Gänse

hat sie alle in einer Nacht gesterbet, und ihnen die

Köpfe abgebissen, als wenn es das Ratz getan

hätte. Sie konnte sich in eine schwarze Katze mit

feurigen Augen verwandeln, und hat mir einmal

selbst in dieser Gestalt, da ich aus der Schenke

nach haus ging, begegnet. Der Böse ist in Men

schengestal bei ihr ein und ausgegangen; hat seinen

Kuhfuss aber doch nicht recht verstecken können,

ob er gleich oftmals Stiefeln angehabt.

1678 wurde diese Unholdin vor dem dorf auf dem Anger verbrannt. Sie ist auf die 20 und mehrmal auf dem Blocksberge gewesen, und Steffgen ist alle Jahr 2 mal bei ihr eingefahren, ob er gleich niemals, ausser das letzte mal, ist gesehen worden.

Fürm Drachen uns bewahre Gott

Und trage uns aus aller Not.

1680 zu Ende des Jahres und zu Anfang des folgenden, stunde ein grosser Comet über unserm dorf, und kehrte den Schwanz gerade nach dem Edelhofe zu. Etliche meinten, der alte Herr würde es wohl nicht lange mehr machen. 1683 rückte der Türke vor Wien, vom 29 August dieses Jahres bis zum 14 des Christmonats, da die

von Wien weggeschlagen wären, musste ein Mann

aus der Gemeinde Tag und Nacht auf dem Turme

wachen, um ein Zeichen zu geben, wenn er Türken

sähe, damit sich Jedermann retten könnte.

1687 im Julius wurden durch ein schweres Ungewitter alle Feldfrüchte in unsrer Fluhr verhagelt. 1692 kurz vor der Erndte fiel ein Volk Heuschrecken auf unsere Krautländer, deswegen musste die ganze Gemeinde durch schreien, schiessen, trommeln und allerhand Geräusche sie zu vertreiben suchen; es wollte aber nichts helfen, bis ich selber meine stimme erhob, und auch so glücklich war, dass ich sie in einer halben Stunde alle aus unsrer Flur wegschrie. Davor bekomme ich jährlich auf Jacobstag 2 Kannen Bier. 1699 in der Nacht vom 13 auf den 14 Hornung brachen die Diebe im schloss ein; der Nachtwächter und des gnädigen Herrns Bollenbeisser verjagten sie aber, dass sie nichts wegbringen konnten. 1709 war so ein grimmig kalter Winter, dass die Orgel mit heissen Steinen musste erwärmet werden, damit der Wind in solcher unter der Music nicht einfrieren und der Generalbass gehemmet werden möchte. 1713 fiel N.N. der Gemeindevorsteher mit einer Weibsperson von der Bank, und kam deswegen vom Dienste. 1719 wurde Herr Lorenz Lobesan Schuldiener und Küster in Kargfeld. 1722 im August wollte der kleine Samuel von einem Kornfuder herunter springen, und brach ein Bein. 1728 in diesem Jahre hat das Vieh nicht gedeihen wollen. Es kam ein gewaltiges Sterben unter die Bienen, meine zwei Stöcke gingen auch darauf. Bernd dem Scheerenschleifer ist im Frühjahr ein Schwein ersoffen. Hin und wieder ist auch durch die grossen wasser vieler Schade geschehen. 1735 den 19 October hätte sich der Herr Schulmeister auf einer Kindtaufe, da er einen Braten trenschiren wollte, beinahe den Daumen weggeschnitten. 1744 ging wieder ein Comet knapp über unsern dorf weg, wer oben auf der Spitze des Kirchturms gewesen wäre, hätte ihn leichtlich mit der Hand erlangen können. 1759 den 20 April marschirten etliche Regimenter Kaiserliche Türken durch das Dorf, welches Jedermann in grosse Furcht und Schrecken setzte. Mir haben sie 2 Gänse und dem Schulzen ein Schwein mitgenommen. Das waren, barbarische Leute.

il fin.

XXVI. Brief.

fräulein Amalia an ihren Bruder.

Schöntal, den 9. Sept.

fräulein Julgen ist eben von mir weg, ich schicke mich daher an, meinem geliebtesten Bruder von den hiesigen begebenheiten, meinem Versprechen gemäss, getreue Nachricht zu erteilen. Ich weiss nicht, ob ich meine Erzählung von dem fräulein von W. oder von unserm onkel anfangen soll, beide geben mir sehr viel Materie an die Hand. Nur ein paar Worte von fräulein Julgen. Die gottlose Stiefmutter will sie durchaus in einen Stift tun, sie kann sie nicht vor Augen sehen. Die böse Frau ist ein rechtes Marterholz für das gute Kind. Diesen Morgen kommt sie in ihr Zimmer: Ich werde Ihnen Glück wünschen müssen, liebes Julgen, der Herr von N. unser guter Freund und Nachbar wird mit ehestem um sie anhalten. Gestehen Sie es nur, Sie sind Ihm nicht gram, ich merkte es wohl, beim Feuerwerke, wie Sie doch so schlau lächeln konnten, wenn er scherzte. Nicht wahr, Sie sind Ihm ein Bisgen gut? Die unverschämte Frau! das liebe Kind mit einem Liebhaber, der Ihr Grossvater sein könnte, zu peinigen, Sie kann es nicht verantworten. Sie spricht, Julgen hätte die Wahl, entweder in den Stift zu gehen, oder den Herrn v.N. zu heiraten. Sie scherzet in der Tat, der Scherz ist aber so unrecht angebracht, dass das fräulein sich zu tod darüber ärgern möchte. Ich weiss dass du meiner Freundinn dein ganzes Mitleiden schenken wirst. Ich will diesen traurigen Affect nicht weiter regen; unser onkel liefert scherzhaftere Auftritte, durch