auch in allem guten vermerkt: wenn Sie aber meinen Untertanen wiederum zu einer grossen Schelle auf den Turme helfen wollten; so würde ich das lieber sehen, als wenn ich von allen ihren Anverwand
Was macht den mein Patgen gutes. Ich habe ein rechtes Verlangen, das kleine Ding zu sehen. Wenn mir Doctor Faust seinen Mantel borgte, so führe ich noch heute auf solchen, nach Engelland zu Ihnen. Seitdem Sie mich zu Gevattern gebeten haben, ist mir eine grosse Lust angekommen, selbst einmal taufen zu lassen. Ich bin der Jüngsten eben keiner; ich bin aber doch auch kein Hogestolz. Wenn ich eine Henriette finden kann, so werde ich Ihrem Beispiele folgen und mich verheiraten. Ich kann es nicht leugnen, es ist ein hübsches Mädgen in meiner Nachbarschaft, auf die ich ein Auge habe. Es sind tausend Dinge, wonach ich mich erkundigen wollte, und von denen ich genaue Nachricht haben möchte; mein Bartlett, der Magister Lampert, soll deswegen an meinen Neffen schreiben, geben Sie diesem von allen umständliche Nachricht. Machen Sie meine Empfehlung bei Ihrer Frau Liebste, ich lasse ihr zum glücklichen Kirchgange, wie ich hoffe, gratuliren. Ihren Schwestern und Schwägern, dem guten ehrlich onkel Selby und allen die mich kennen, empfehlen Sie mich. Ich verharre
Meines werten Herrn Gevatters
gehorsamster Diener
v.N.
XXV. Brief.
Die Gemeinde zu Kargfeld an Herrn Carl Grandison.
den 26 August,
Hochwohledelgebohrner, Gestrenger Herr,
Eu. Hochwohledelgebohrne und gestrenge Herrlichkeiten wird wohl aus den öffentlichen Avisen nicht unbekannt sein, welcher Unglücksfall unsern armen Ort, das Hochadliche Gerichtsdorf Kargfeld am 27 Julius jetztlaufenden Jahres zwischen 11 und 12 Uhr Vormittage betroffen hat. Es hatte nämlich unser gestrenger Herr, der Hochwohlgebohrn. Herr Ehrhard Rudolph v.N. Erd-Lehn und Gerichtsherr auf Kargfeld Dürrenstein et cact. den 19 obbemeldeten Monats eine ehrbare Gemeinde fordern, und da männiglich im hochadlichem Schlosshofe erschien, durch den Herrn Hofmeister, Ehrn M. Lampert Wilibald anzeigen lassen: dass eine gewisse hochadliche Matrone aus der Familie unsres Erbherrn in Engelland Todes verfahren wäre, und dieserwegen christl. Gebrauch nach, das gewöhnliche Trauergeläute 14 Tage lang, jeden Tag zwo Stunden, sollte angeordnet werden. Sämmtliche Gemeinde versprach, nach dem Befehle des geSchulze forderte alle Tage 2 Fröhner zum Geläute. Am 27 Julius, da Adam Riese und Georg Velten zur Fröhne litten, börstete die grosse Glocke. Die Leute machten allerlei Auslegungen darüber, einige wollten sagen, die beiden Nachbarn, welche damals läuten mussten, hätten die Glocke gestohlen und eine von Topf davor in den Glockenstuhl gehänget. Nachdem sie aber von den Geschwornen ist besichtiget worden, hat es sich gefunden, dass die rechte Glocke zwar noch an Ort und Stelle ist; aber einen grässlichen Riss bekommen hat. Da nun durch dieses Unglück unsere liebe Kirche ihren Schmuck und der Kirchturm, seine Bassstimme verlohren hat; unsere Gemeinde aber, seit der Schwedenzeit, wegen vieler Unglücksfälle, die aus dem Kirchenbuch, sub littera A ausgezeichnet, zu ersehen sind, auf das äusserste herunter gekommen ist, dass es nicht in ihren Kräften stehet, wiederum eine tüchtige Glocke giessen zu lassen; das liebe teutsche Vaterland auch durch den schädlichen und landverderblichen Krieg dergestalt mitgenommen ist, dass wir uns keine sonderliche Beisteuer daraus versprechen können: so ergehet unsere demütige Bitte an Eu. Hochwohledelgebohrne und gestrenge Herrlichkeit, Sie wollen durch Ihr vielgeltendes Vorwort, bei der hohen Obrigkeit Ihres Landes es dahin bringen, dass in ganz Engelland eine Collecte für unsere arme Kirche eingesammlet, und uns solche getreulich übersendet werde. Solche hohe Gnade werden wir icht nur mit geziemenden Danke erkennen; sondern auch dem Glockengiesser anbefehlen, Eu. Hochwohledelgebohrnen hohen Namen, oben über unser Gerichtsherrn und des Herrn Pfarrers Namen dankbarlich an die neue Glocke zu setzen. Verharrende
Eu. Hochwohledelgebohrnen und gestrengen
Herrlichkeit
Kargfeld,
1759
untertänige
Hanns Sachs,
Schulteiss.
Lorenz Lobesan, Ludimagister und Gemeindeschreiber, concepit.
Tomas Hebebaum,
Gemeinde Vorsteher.
Sebastian Kleinmann,
Kirchvater.
A.
Auszug des Kirchenbuches zu Kargfeld, was für Unglücksfälle besagten Ort seit der Schwedenzeit betroffen, und wodurch die Gemeinde daselbst gar sehr mitgenommen worden ist. Anno 1634 den 9 Junius marschirte die schwedische Armee unter dem General Baner durch das Dorf, die Bagage ging hinten weg. Die Reuter hausseten sehr übel. Sie zogen ihre Pferde in die Stuben, und haben Mattesen ein ganz Gebräude Bier ausgesoffen. Im schloss lag der Stab. 1637 den 3 August kam der General Pallasch, (dieser Name ist sehr undeutlich geschrieben, der Herr Pfarr sagt, er hiesse Gallas,) mit einem Corpo Kaiserlichen bei hiesigem dorf an, und lagerten sich auf dem Gänserasen. Die Nachbarn mussten ihnen Essen und Trinken hinaus tragen. Des Nachts hieben sie die Satzweiden um und machten viele Wachtfeuer davon. Der Herr Pfarr behielt nicht einen Korb voll Rüben auf seinen ganzen Acker. Des Morgens fuhr die herrschaft hinaus ins Lager, welches vielen Leuten nicht gefallen wollte. 1642 des Abends vor Petri Stuhlfeier kam ein Trupp Reuter in das Dorf und quartierte sich ein. Der Herr Pfarrer musste den Hauptmann einnehmen, der schalt ihn einen pfaffen und seine Frau noch ärger. Des Morgens wollten sie Schulzens Ilsen mitnehmen, und hatten sie schon auf ein Pferd gesetzt; sie wurde aber wieder losgebeten. 1653 wurde das neue Schloss zu bauen angefangen. Da ging es an ein Fröhnen, alle neun Tage kam die Reihe herum. 1657 den 11ten December in der Nacht, kam bei