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ich dabei ein geruhiges und höchst angenehmes Leben führe. Diese Ruhe ist mir nunmehr um desto schätzbarer; weil ich mich einen grossen teil meines Lebens ausser meinen vaterland aufgehalten, und mit Jacob sagen kann: die Zeit meiner Wallfahrt ist 65. Jahr; wenig und böse ist die Zeit meines Lebens, und langet nicht von der Zeit meiner Väter in ihrer Wallfahrt. Wie sollte ich mir nunmehr in meinem Alter eine neue Unruhe über den Hals ziehen, ein Weib nehmen; und wissen Sie, schätzbarer Freund, ich habe niemals einen rechten Trieb zum Ehestande gehabt, und ein englischer Geistlicher, wenn er grössere Würden erlangen will, tut wohl, wenn er ein Junggeselle bleibt. Tillotson war der erste Erzbischoff von Canterbury, welcher eine Frau hatte. Sein Beispiel aber findet mehrere Tadler als Nachahmer. Da Sie hingegen in einer ganz anderen Verfassung stehen, und ausserdem einen heftigen Trieb zum Beiliegen empfinden, so heiraten Sie: um den Verweisen Pauli zu entgehen. Ihr Freund, der Herr v.S. hat mir ohnedem schon etwas von Ihrer liebe vertrauet, und wenn Sie die Schwürigkeiten heben können, so wird Sie Jungfer Hannchen zum glückseligsten Magister von Deutschland machen. Ihrem Gebet empfiehlet sich hiermit

Dero

gehorsamster Diener u. Verehrer

Bartlett.

XXII. Brief.

Der Magister an Herrn Carl Grandison.

Kargfeld, den 17. August.

Hochwohlgebohrner Herr Baronet,

Gnädiger Herr,

Wenn ich Eu. Excellenz ganz und gar unbekannt wäre, so würde es nötig sein, meine Unternehmung, Sie mit einem Schreiben zu belästigen zu rechtfertigen: so viel ich aber weiss, hat Ihnen der junge Baron v.S. von meinem Herrn Principal sowohl, als auch von meiner person, bereits umständliche Nachricht erteilet. Dieses, und der besondere Auftrag meines gnädigen Herrn, werden mich entschuldigen, dass ich es wage, die Feder anzusetzen, und Eu. Excellenz schriftlich von der ausserordentlichen Hochachtung zu versichern, welche sich in den Herzen eines jeden von dem hochadlichen haus, se, gegen Sie und die Blume der Welt, Dero verehrungswürdigen Frau Gemahlin, veroffenbaret. Es war vor kurzem Jedermann hier in der äussersten Bestürzung, wegen der betrübten Nachricht, welche bekamen, dass Dero hochfreiherrliches Haus durch den tödlichen Hinritt, Dero Frau Grossschwieger-Mutter, der alten Frau Shirlei, in die tiefste Trauer wäre versetzet worden. Die fromme selige Dame verdiente es, dass unser ganzes Haus in Tränen schwamm, da diese schreckende Zeitung ankam. Der gnädige Herr trug mir sogleich auf, ein Condolenzschreiben, welches, wie ich hoffe, Eu. Excellenz durch den Herrn Baron, wird eingehändiget worden sein, in seinem Namen aufzusetzen. Ungeachtet dieser hohe Todesfall, sich bereits vor drei Jahren ereignet hat; so glaubte doch weder mein Herr Patron noch ich, dass es zu späte wäre, desfalls eine Condolenz abzulegen. Wir wissen, dass, obgleich die äusserliche Trauer lange aufgehöret hat; Eu. Excellenz und Dero Frau Gemahlin doch niemals aufhören werden, diese vortrefliche Matrone in ihrem Herzen zu betrauren. Mein Herr Principal, der sich nunmehr für einem von den Ihrigen ansiehet, hat es unmöglich von sich erhalten können, diesen Trauerfall mit Stilleschweigen zu übergehen; er hat sich vielmehr aus allen Kräften bemühet, seine innerliche Trauer durch die gewöhnlichen äusserlichen Zeichen zu erkennen zu geben. Allen Untertanen des gnädigen Herrn wurde auf 14 Tage eine allgemeine Trauer angesaget. Und wenn im schloss selbsten eine Leiche gewesen wäre, so hätten nicht so viele Tränen können vergossen werden, als während diesen 14 Tagen, da von 11 bis zwölf Uhr Vormittage, und von 3 bis 4 Uhr Nachmittage das Trauergeläute gehöret wurde. Jedermann wünscht, dass das teure Haus der Grandisonen vor allen dergleichen Trauerfällen, in Zukunft lange bewahret, und bis in die spätesten zeiten erhalten werde.

Es ist mir bekannt, dass Eu. Excellenz ein grosser Kenner der Werke der Gelehrsamkeie sind; ich weiss dass Dero gelehrtes Tagebuch mit den vortreflichsten Inscriptionibus, die man bei dem Grutero vergeblich sucht, mit Chronostichis, Chronodistichis, seltenen Anagrammatibus und andern dergleichen schätzbaren Dingen, aus den alten und neuern zeiten pranget, gleich einem prächtigen Lustgarten, der mit allerlei fremden und seltsamen Gewächsen ausgezieret ist. Ich schliesse daher sehr sicher, dass Sie ein grosser Liebhaber, und ein eben so grosser Kenner von dergleichen wichtigen Erfindungen sind. Dadurch wurde ich bewogen, da mir insbesondere der Todesfall Ihrer Frau Grossschwiegermutter die beste gelegenheit darbot, mich in dieses, von mir bishero unbearbeitete Feld der Gelehrsamkeit zu wagen. Kein andrer Bewegungsgrund, als die Hochachtung gegen die verdienstvolle selige Matrone hat mich veranlasset, diejenigen Aufsätze zu verfertigen, welche sich dem scharfsichtigen Auge Eu. Excellenz im Anschlusse darstellen.

Könnte ich mir schmeicheln, dass diese meine Geburten Ihnen nicht misfielen, oder vielleicht gar auf Dero Beifall einen Anspruch machen dürften, so würde dieses zu einem edlen Stolz verleiten

Eu. Excellenz

unterhänigen Diener

und nachahmenden Verehrer

M.L. Wilibald.

Anschluss.

Erste Numer.

Aufschrift eines Epitaphii, welches der seligen Frau Shirlei könnte errichtet werden.

Q.F.F.Q.S.

VIATOR.

QVICVNQVE. ES.

ADSTA.

ET. HOC. MONIMENTO.

MONITVS.

VENERARE. MANES.

MATRONAE. VENERABILIS.

HENRICAE. SHIRLEIAE.

EQVITIS. ANGLICANI.

EIVSDEM. NOMINIS.

QVAM. GENEROSI.

VIDVAE.

OMNES FELICITATIS. GRADVS.

EMENSA.

FELIX. FELICIOR. FELICISSIMA.

FACTA.

VIRTVTIBVS. FELIX.

RELIGIONE. FELICIOR.

INTER. CAELITES. NVNC.

FELICISSIMA.

SI