Warze daran hatte. Vielleicht ist die Nase bei dem einen, und die Warze bei dem andern, ein Fehler gewesen.
Der Magister. Gut, gnädiges fräulein, ich sehe dergleichen Nase nicht als ein Essentiale an: aber mir deucht, ich hätte noch mehr Aehnliches mit dem Cyro, vornämlich aber mit dem Cicerone.
Amalia. Wollen Sie eine Vergleichung anstellen; so werden Sie mir eine besondere gefälligkeit erzeigen.
Der Magister. Cicero war ein Redner; ich auch: ja, ich erhalte hier eben den Beifall, wenn ich den geistlichen Schifsschnabel betrete, welchen Tullius mit seinen Reden zu Rom erhielt. Jener war ein Patriot, und eifriger Verteidiger der römischen Freiheit; ich bin beides hier auf diesem adlichen hof. Wem hat man die Verschönerung dieses Rittersitzes anders zu verdanken, als mir? Habe ich nicht die Wahrheit, dass es einen Grandison gebe, zuerst bekannt gemacht? habe ich ihn nicht zuerst nachgeahmt?
Amalia. Ich fühle die Stärke Ihrer Beweise. Sie so den Recht haben; Hannchen soll Sie lieben, und ich will sie selbst zur Gegenliebe überreden.
Der Magister. Wo eine Conviction ist, da ist die Persuasion unnötig. Hannchen ist von meinem Werte überzeugt; sie liebt mich, und würde wie Clementine närrisch werden, wenn ich unempfindlich wär.
Amalia. Da die Sache schon so weit gekommen ist; so wär mein Rat, sie liessen das arme Kind nicht so lange seufzen. Denn sollte das schöne Hannchen in einen Entusiasmum fallen; so hätten Sie es ewig zu verantworten. Es tun sich hier keine Schwierigkeiten hervor – der General willigt ein – Sie sind auch nicht katolisch, dass die Religion also eine Hindernis sein könnte. gehen Sie also immer zum alten Vater, und halten um die Tochter an.
Der Magister. Das will ich tun; aber aufrichtig zu reden, so muss ich erstlich meinen schwarzen Rock wenden, und nach der Mode machen lassen: damit die äusserliche Seite der innerlichen die Waage hält. Alsdenn werde ich alle Hindernisse überwinden, meine Liebe gestehen, und Hannchen glücklich machen. Es kann unterdessen nicht schaden, wenn sich einige Schwierigkeiten hervor tun: ja es ist allen Liebhabern angenehm, wenn sie in der Liebe rechte hohe Gebürge übersteigen müssen.
Amalia. Sie reden etwas poetisch, Herr Magister; wünschen Sie Sich aber lieber keine Berge; Sie sind kein Jüngling mehr, und ein einziger Hügel sollte Ihnen schon Arbeit genug machen. kommt Hannchen ein junger Stutzer in Weg; so fällt der Magister Lampert in die Brüche.
Der Magister. Ach, was Stutzer! Hannchen ist die Tochter eines Geistlichen; ihr ist geistlich Fleisch gewachsen; ergo muss sie wieder an einen Geistlichen verheiratet werden.
Amalia. Das war ein vortreflicher Schluss! Wenn Sie ehedem so geschlossen haben; so sitzen die Leute, welche Sie zum Magister gemacht haben, leibhaftig in der Hölle. Ist denn das Fleisch einer Pfarrstochter anders beschaffen, als das Fleisch einer Prinzessin? Gesetzt aber, Sie meinten ihre Gemütsbeschaffenheit; so finde ich eben nichts stilles und heiliges an Ihrem Hannchen, wobei mir das geistliche Fleisch einfallen sollte, Sie ist so munter und lebhaft, wie eine Soldatentochter. Ein junger Fähndrich würde ihr besser anstehen, als ein alter Magister.
Der Magister. Sie machen mir beinahe Angst. Da sich aber die Liebe bei ihr angefangen hat, so kann ich auch auf ihre Beständigkeit schliessen.
Amalia. Woher wissen Sie aber, dass Hannchen in Sie verliebt ist? Und wie wollen Sie von der Beständigkeit einer solchen leidenschaft urteilen, da wir oft von derselben wider unsern Willen hingerissen werden.
Der Magister. Von dem ersten Punkte überzeugen mich ihre reitzenden Blicke. Einer ist matt, der andere sanfte, der dritte feurig. Die folgenden sind zum teil schmachtend, zum teil aber bemerken sie ein süsses Bewustsein. Der zweite Punkt aber, patet per se.
Amalia. Was heist das, patet per se?
Der Magister. Das will so viel sagen: wenn ein Mädchen einmal liebt; so kann sie nicht leicht wieder aufhören.
Amalia. Sie haben Recht; sie liebt immer; aber nicht einen und eben denselben Gegenstand: und dieses, glaube ich, wird der wahre Sinn der angeführten Worte sein.
Der Magister. Machen Sie mich nicht weiter unruhig. Ich will meinen Herrn Principal um seinen Vorspruch bei Hannchen bitten. Sein Ansehen und ich zusammen genommen, wird einen Eindruck sowohl bei dem Vater, als bei der Tochter machen.
Amalia. Es ist wahr, mein onkel vermag viel bei dem Pfarr; aber Hannchen darf nicht überredet, vielweniger gezwungen werden. Es ist ein angenehmes und munteres Kind, und wir haben einander von Jugend auf geliebt. Suchen Sie ihr zu gefallen, vielleicht geht die Sache nach ihrem Wunsche.
Der Magister. Sie haben Recht. Clementine soll von meiner persönlichen Vortreflichkeit bezaubert und erobert werden. Ich will eine Ode auf sie machen; ich will sie unter ihrem Fenster absingen. gibt sie meiner Liebe Gehör; so stehe ich hier still; wo nicht; so suche ich andere Kunstgriffe hervor. Ich will sechs Monate blass wie der Tod aussehen; ich will mich in eine Höhle verstecken, den Bart und die Nägel wachsen lassen; ich will Gras fressen, wie Nebucadnezar: endlich wird sie doch weich, und überwunden werden!
Weil mein onkel seine Charlotte rufte, so mussten wir unsere Unterredung endigen. Morgen werde ich von hier ab nach Schöntal, und über morgen nach Wilmershaussen zu