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Kutste nach der andern. onkel Selby

und seine Dame sind auch, da. Cornet Jacob hat

Urlaub. Ich muss hin und ihnen mein Compliment

machen."

Das wär ein Mann für Sie, Base. Wer weiss, was Ihr Bruder anstellt.

Amalia. Lesen Sie nur ruhig fort, ohne zu überlegen, ob sich ein Cornet für mich, oder ich mich für

"Den 11ten. Die Gevattern sind erwählet. Sir

Beauchamp, Lady G. und Sie, mein Hochgeehrte

ster Herr onkel. Lesen Sie hier den Gevatterbrief

von Sir Carln."

(Diesen hatte der Magister noch unerbrochen in

Händen)

Das ist ja ein entsetzlicher Streich! Mich bittet Sir Carl zu Gevattern? Ich muss doch die Stelle noch einmal lesen. Ja, ja das hat mein Vetter angestört. Warte du Vogel! er liest fort:

"Wie auch der würdige Doctor Bartlett."

Warum nicht der Superintendent von Londen?

Hier fiengen wir an, ihm Glück zu wünschen, wor

auf er ganz gleichgültig antwortete: "Es ist

wahr, sprach er, mir wiederfährt viel Ehre; aber

mein Beutel wird es auch empfinden. Was meint

ihr, Kinder, was soll ich Sir Carln einbinden?"

Der Magister. Ich dächte, gnädiger Herr, Sie gäben ihm gar nichts. Sir Carl ist sehr reich; er hat Sie aus Liebe und nicht aus Eigennutz gebeten. Der Herr von N. Das ist zwar wahr; aber das Geschenke ist auch nicht für den Vater, sondern für das Kind, welches nackend auf die Welt kommt. Ich dächte, gnädiger Herr, es wären zwei Taler genug. Lassen Sie einen rechten schönen Kuchen bakken, so will ich beides nach Grandisonhall tragen, und mir ein tüchtiges Trankgeld verdienen.

Herr von N. Was meinst du, Schwester, wenn ich mein Portrait von der Gallerie nähm, etliche Diamanten darum setzen liess, und Jeremiasen damit fortschickte.

fräulein von N. Sei nicht artig, Sir, wer wird solche grosse Bilder mit Brillanten garniren. Das wär ein Werk von einer Million.

Herr von N. Du hast Recht; ich will ihm etwas an baaren Gelde schicken; so viel als ich bei diesen schlechten zeiten entbehren kann. Funfzehn Gulden sind hinlänglich. Ich will ihm diese Summe in hiesigen Münzsorten schicken – – Creutzer sind in Engelland etwas rares – – vielleicht legt sie Sir Carl in Olivien ihr Medaillencabinet.

Amalia. Herr onkel, funfzehn Gulden sind auch gar zu wenig. Wenn Sie Sir Carln ein Geschenk machen wollen, so müssen es wenigstens hundert dukaten sein.

Herr von N. Warum nicht tausend? Wovon sollte ich hernach leben, wenn ich mich zuvor durch ein solches Patengeschenke zu grund richte? Mit einem Worte, es bleibt bei den funfzehn Gulden, damit kann Herr Grandison zufrieden sein.

hören Sie, Herr Magister, setzen Sie Sich gleich und schreiben mir eine witzige und galante Antwort auf Sir Carls Gevatterbrief. Gehen Sie aber mit den lateinischen Brocken etwas sparsam um: damit mich der Herr Gevatter für keinen Schulcollegen hält.

(Der Magister geht ab, und er liest, indessen wei

ter:)

"Lesen Sie beikommenden Gevatterbrief von Sir

Carln. Ich habe die Uebersetzung dabei gelegt."

Wo ist denn der Gevatterbrief? ich habe ja keinen gesehen. Amalia. Der Magister ist damit fortgelaufen. Herr von N. Es ist wahr, er soll ihn beantworten.

Darauf fuhr er fort:

"Da ich das Absehen auf Dero person zum voraus

merkte: so ging ich sogleich nach Londen, und

liess mir ein prächtiges Kleid machen: damit ich in

eben dem Lichte erschien, in welchem Sie erschie

nen sein würden."

Da tat er ganz recht: denn ich würde mich wie ein Fürst geputzet haben, wenn ich gegenwärtig gewesen wäre.

"Den 12ten. nunmehr ist alles glücklich vorbei.

Rausch. onkel Selby war auch nicht nüchtern.

Ich denke, es wird Niemand nüchtern gewesen sein. Sollte Sir Carl an einem solchen Tag nicht ein Räuschgen haben: so sollte es mich sehr wundern. Hätte ich einmal Kindtaufe, ich tränke, so lange ein Darm hielt.

Amalia. Das trau ich Ihnen zu; Sie sollten aber überlegen, dass es Niemand als eine Heldentat ansehen würde.

Der Herr von N. Nichts? das wär was entsetzliches! Ein Edelmann muss sauffen können. Wie will er sonst bei Hof zurechte kommen? Mein seliger Vater konnte einen Eimer Bier in einem Sitze bezwingen: aber heute zu Tage gewöhnen wir uns zu zärtlich. Ich lobe mir die alten zeiten. Da war keiner nicht gelitten, der nicht seinen Stiefel tüchtig saufen konnte

Amalia. Wir wollen uns über die Vorzüge der alten Welt für der heutigen nicht zanken. Lesen Sie uns nur den Brief weiter.

"Senden Sie nur ein ansehnliches Patengeschenke:

denn man macht sich hier von Ihrem Vermögen

eben so grosse Begriffe; als von Ihrer Freigebig

keit."

Das ist ein loser Mann! Sie würden Sich die Begriffe nicht machen, wenn er ihnen keme gelegenheit dazu gäb. Aber ich kenne Ihren Bruder; es soll bei ihm alles ins Grosse fallen. Es bleibt übrigens bei den funfzehn Gulden. Du wirst diese Erzählung so hinnehmen. Der ehrliche onkel bleibt, wie er ist. Wir wollen zufrieden sein, wenn er nur nicht schlimmer wird. Ich befürchte aber, er tut einen Schritt, der uns allen höchst unangenehm ist. So viel für diesesmal von

Deiner

treuen Schwester

Amalia von S