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und verschiedenen Auftritten vorstellen; damit ich das viele er sagte, und sie sagte vermeide.

Erster Auftritt.

Jeremias und der Magister.

Der Magister. Wo bleibst du so lange, Jeremias? du hast gewiss vor deiner Abreise aus der Stadt alle Bierkannen sondiren müssen?

Jeremias. Ich musste doch erstlich bei der Wärme einen Labetrunk zu mir nehmen. Hat der gnädige Herr etwa geschmälet?

Der Magister. Nein, nicht sonderlich. Ich vermute aber, du wirst die Bastonnade bekommen,

Jeremias. Ich will ihn schon besänftigen: denn ich bringe einen Brief von der Post mit; vermutlich ist er von dem jungen Herrn aus der neuen Welt. Sehen Sie einmal das Petschier an, Herr Meister.

Der Magister. Höre Jeremias, ich habe dir etwas im Vertrauen zu sagen: du sollst mich künftighin nicht mehr Herr Magister; sondern Herr Doctor nennen. Denn wer philosophiae magister ist, der ist auch philosophiae doctor; atqui ich bin philosophiae magister; ergo bin ich auch philosophiae doctor. Verstehst du mich Jeremias?

Jeremias. Nein, nicht sonderlich. Denn ich kann nicht begreifen, wie Sie auf einmal zum Doctor geworden sind? Sie curiren ja nicht, und setzen auch keine Clystire.

Der Magister. Du bist so tumm wie ein Wigand. Gibt es denn sonst keine Doctores, als nur solche, welche Arznei ausgeben? Mit einem Worte, du sollst mich Doctor nennen, ohne dass ich zuvor einen langen Beweis führe. Gib mir indessen den Brief her, ich will ihn dem gnädigen Herrn zustellen; doch da kommt er selber.

Zweiter Auftritt.

Der Herr von N. Der Magister und Jeremias.

Jeremias. Hier ist ein Brief an Sie, Sir. Der Magister. Er ist von Ihrem Neven aus Londen, vermute ich.

Der Herr von N. bricht ihn auf und liesst:

"ungeachtet Sir Carl und seine würdige Gemahlin Sie hier in Engelland zu bedienen wünschen; so sehen, sie doch die Schwürigkeiten vollkommen ein, welche mit einer solchen Reise verknüpft sind."

Ach was Schwürigkeiten! ich bin der Luft gewohnt, und habe eine natur wie ein Pferd. Was habe ich nicht sonsten bei meinen Italienischen Feldzuge ausgestanden! ich will aber weiter lesen: "Zwei solche ädle Gemüter sind bereits verbunden; ob sie gleich tausend Meilen von einander leben. Vielleicht geht Sir Carl nach Deutschland, um Berlin zu sehen: in diesem Fall würde Ihnen sein Besuch gewiss sein.

Zum Henker! was will er in Berlin machen? da ist

Preussen gedient; er kann aber wegen der entsetzlichen Prügel, die er unter den Soldaten bekommen, niemals ohne Tränen an Berlin denken." Er liesst weiter. "Sie verlangen in Ihrem letzten Brief einen jungen Hund von dem Fresco, und Alexanders Gastmahl. Mit dem letzteren warte Ihnen also gehorsamst auf; da aber Fresco ein Chapeau und noch dazu castrirt ist; so hat man keine Hoffnung seine Race zu erhalten." Das ist doch ein verwünschter Streich! Solche gute Hunde werden doch selten geschnitten. Der Magister. O ja, das geschieht oft, damit sie desto hurtiger und mutiger zur Jagd werden. Herr von N. Das wäre eben, als wenn man einen Magister verschneiden wollte, damit er desto hitziger im disputiren wär. Er liest weiter:

"Ihr Anschlag auf Clementinen (hier hält, er innen,

und sagt: Jeremias, schier dich hinaus, ich will mit

dem Magister etwas heimliches reden.) fährt fort im

lesen:

Ihr Anschlag auf Clementinen ist vergeblich. Wer

weiss aber, was sie getan hätte, wenn sie von Ihrer

ädlen Neigung zeitiger benachrichtiget worden

wär?

Ja, das glaube ich selber. Ich hätte ihr schon zu leib gehen wollen. Solche Mädchens, wie Clementine, wollen frisch angegriffen sein. Belvedere war eine alte Frau; wenn sie gewartet hätte: so – – doch nichts mehr von der Sache." Liest weiter:

"Indessen ist Kätchen Holles noch ledig. Ich

sprach das angenehme Kind zu Selbyhaussen, und

finde an ihr was ungemein sanftes."

Nein, die mag ich auch nicht. Es scheint mir eine Gaus zu sein und einfältige Weibsbilder habe ich niemals leiden können. Er liest:

"Besser aber würde sich fräulein Orme für Sie

schicken; wenn der Fall kommt, dass Sie heiraten

müssten."

Ach die schickt sich wieder nicht. Sie würde ihren milzsüchtigen Bruder mitbringen, und einen solchen Wurm könnte ich nicht um mich herum leiden. Er liest:

"Ich gehe einige Tage nach Londen, um den Hof

und alles merkwürdige in der Stadt zu besehen;

nachher kehre ich wieder nach dem angenehmen

Grandisonhall zurück. Ein merkwürdiger Umstand:

Lady Grandison ist in die Wochen kommen. Ein

schönes fräulein, sagt man"

Herr Magister, rufen Sie meine Schwester und meine Base: damit ich ihnen diese gute Nachricht sogleich hinterbringe.

(Hier sprang Lampert fort; und ich konnte kaum

von der Tür wegkommen, wo ich die ganze Zeit

zugehört hatte. Wir gingen also beide hinein,

da er denn schrie)

Dritter Auftritt.

Schwester, fräulein Base, Lady Grandison ist in die Wochen kommen. Es ist eine fräulein. Ja nun, Mädchens sind auch nicht zu verachten; aber ich denke, Sir Carl hätte lieber noch einen Jungen gehabt. Meinen Sie nicht, fräulein Base?

Amalia. Er hat ja schon einen Junker; und so wird ihm das Mädgen um desto lieber sein. Er liest fort:

"Immer eine