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folgen; wo nicht, so spiele ich warlich keine Note, und wenn mir jede mit tausend Talern sollte bezahlet werden.

über eine Sache kann ich mich nicht gnug wundern, dass nämlich der Doctor Sir Carln auf die Jagd begleitet. Wie geht denn das in aller Welt zu? Setzt er sich in seinem langen schwarzen Mantel zu Pferde? das kann ich nicht glauben. Nähme er ihn unter den Arm, wie wollte er denn das Pferd und die Peitsche regieren? Liess er ihn fliegen; so wäre es, wenn der Wind ginge, noch beschwerlicher; wollte man sagen, er legete seinen geistlichen Habit zu der Zeit ab, wenn er auf die Jagd ginge; so kann ich das mit einem so ernstaften frommen mann auch nicht zusammen reimen. Mit einem Worte, vor einem, der es nicht gesehen hat, ist die Figur, die der Doctor zu Pferde macht, schwer zu erraten. geben Sie mir doch davon eine umständliche Nachricht. In meinem Herzen wünsche ich oft, dass Bartlett von der Jagd wegbliebe, so dürfte ich auch nicht wie ein Spürhund, den ganzen Tag mit meinem Patrone im wald herum laufen. Jedoch es heist: qui vult finem, vult etiam media. Wer sich dereinst so gross, als Bartelett will sehen, Lässt manchen sauren Wind sich ins gesicht wehen. Man muss per aspera ad astra gelangen. Der gute Mann hat es sein Tage sich wohl eben auch lassen sauer werden.

Vor einigen Wochen wurde auf Befehl des gnädigen Herrn, dem Götterpaare in Engelland zu Ehren, ein Feuerwerk von meiner Erfindung in dem Lustgarten abgebrannt. Es dauerte von 9 Uhr des Abends bis gegen 11 Uhr. Sie können es dem Herrn Grandison melden, mein Herr verlangt es ausdrücklich; es muss aber nicht lassen, als wenn sich Ihr Herr onkel dadurch ein Verdienst bei der Familie der Grandisonen machen wollte. Bei gelegenheit dieser Feierlichkeit wurden der gnädige Herr und ich, wider Vermuten, aufgefodert, Zeugnisse von unserer dem Herrn Grandison abgelernten Grossmut abzulegen. Einige Untertanen meines Patrons mussten zur Illumination einer Allee Lampen hergeben; sie wurden verwechselt. Den Tag nach diesem Feste entstunden des wegen vielerlei Zänkereien, ich legte solche durch mein Ansehen bei. Nachmittage, da ich vor dem haus Nikolaus Brummholds des Baders vorübergehe, kommt dieser Verwegene mit entblössten Gewehr, durch Anstiften seines Weibes auf mich los. Hier, schrie er, hier soll sein Gottesacker sein, und setzte mir das blanke Scheermesser an die Kehle. Schaffe Er meiner Frau ihre Lampe wieder Herr Magister, oder ich ermorde Ihn auf der Stelle.

Ich tat einen Sprung auf die Seite, um meinen Degen zwischen den Rockfalten hervorzuziehen, ihn zuentblössen. Ich sah, dass Peter der Badeknecht, seinen Herrn beispringen wollte. Er fragte mich, mit einer trotzigen Mine, und mit dem Scheermesser in der Hand, ob man ehrlichen Leuten so begegnete, und ein Recht hätte ihnen das ihrige zu entwenden.

Der freie Himmel ist sein Schutz, Herr Bader, sonst würden diese Pralereien, wenn Er etwas damit meint, Ihm teuer zustehen kommen.

Ich bin der Beschützer meiner Frau, mein Herr, Sie haben sie beleidiget, Herr.

Habe ich Seine Frau beleidiget, mein Herr? – – Und ich ging auf ihn zu; aber ich besonn mich noch eben zu rechter Zeit, und bedachte, wo ich mich befände – –. Nehm Er Sich in Acht, mein Herr Bader – –. Aber hier ist Er sicher.

Peter, der gewaltige Bewegungen machte, schwur, dass er seinem Herrn bis auf dem letzten Blutstropfen beistehen wollte. Er stellte sich an eine angreifende Positur, und zog sein Brodmesser halb aus der Scheide.

Will Er Sein Gewehr auf Seinem kopf zerbrochen haben, so ziehe Er es ganz

Er tat es mit pralenden Geberden. Der Teufel sollte ihn holen, wenn er das litte. Er zog sich zurück und setzte sich in eine verteidigende Stellung.

Der Bader mit seinem Scheermesser in der Hand, machte elende Grimmassen. Ich glaubte nicht anders, als dass die Männer Mörder wären. Ich schlug Petern mit der Breite meines Degens auf die Finger, entwaffnete ihn, und warf ihn in eben diesem plötzlichen Angriffe zu Boden.

Der Bader, der herum sprang, als wenn er auf gelegenheit lauerte, einen Schnitt mit seiner eigenen Sicherheit zu tun, verlohr das Scheermesser durch den gewöhnlichen Kunstgriff

Die Frau, welche aus dem Fenster zusahe, und mit Scheltworten in die Ferne kanonirte, lief auf die Gasse.

Ich brachte beide Männer, einen nach den andern, mit der Verachtung, die sie verdieneten, in das Haus, die Frau war schon darinne. Ich schloss die tür ab, und ging ganz gelassen nach haus.

Ich erzählte dem gnädigen Herrn den ganzen Handel. Er würde in etwas aufgebracht, und wollte die ganze Familie ins Loch werfen und sie 8 Tage lang mit wasser und Brod speisen lassen. Wir wollen grossmütig handeln, sagte ich, es wird die Zeit kommen, da diese Leute unbestraft ihre Vergehungen mehr bereuen werden; als wenn man hart mit ihnen verführe. Lassen Sie mich morgen mit diesen Leuten in der Sprache Sir Carls reden, was soll es gelten, ich will sie bekehren. Den folgenden Morgen ging ich zu dem Bader in das Haus. Der verlohrne Sohn war da, die grossväterliche Erblampe hatte sich gefunden. Ich redete offenherzig mit ihm und seiner Frau, und brachte sie zu Tränen. Sie bezeugten ihre Reue wegen ihres