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Rechnung des Pfarrers schreibt. Glauben Sie nur, Herr Wendelin ist ein ehrlicher Mann, der für Leid in die Grube fahren würde, wenn er die boshafte Beschuldigung wüsste. Lassen Sie sich, wenn Sie meinem Rate folgen wollen, gegen ihn nichts merken und übergehen sie die ganze Sache, die ohnedem eine Kleinigkeit ist, mit Stillschweigen. So gern ich wünschte, Ihr Verlangen zu erfüllen, und meinen Gerichtshalter zu überreden, seiner Rechte auf Hannchen, die bereits seine Braut ist, zum Vorteil des Herrn Lamperts sich zu begeben; so wenig bin ich im stand, dieses ins Werk zu richten. Mein Gerichtshalter will eher das Leben verlieren, als seine Braut. Er ist, wie Sie wissen, ein Mann, der Herzhaftigkeit besitzt und ein gewaltiger Disputator, dass ihr Herr Lampert gewiss gegen ihn den kürzern ziehen würde, wenn er sich mündlich oder schriftlich, auf den Hieb oder Schuss mit ihm einlassen wollte. über dieses glaube ich, dass mein Gerichtshalter dieses artige Mädchen wohl verdient; er hat alle Regeln eines Liebhabers, der in seinem Vorhaben glücklich sein will, aufs genaueste beobachtet. Er hat zu rechter Zeit geschwiegen, und zu rechter Zeit seine Beredsamkeit angewendet; und das ist es alles, was man von einem rechtschaffenen Verehrer eines Frauenzimmers verlangt. Sein Mitbuhler, der diese Regeln übertreten hat, muss sich sein unglückliches Schicksal selbst zuschreiben, und ich hätte ihm dieses prophezeien wollen. Gedult und ein wenig philosophische Gelassenheit, die schon so viele unglückliche Liebhaber beruhiget und sie von den gefährlichsten Gedanken abgehalten haben, sich selbst zu ermorden, sind die einzigen Hülfsmittel, zu welchen er seine Zuflucht nehmen kann, um sein Unglück sich erträglich zu machen. Ich habe Ihnen nun alles gesagt, was ich mir vorgenommen hatte, Ihnen zu sagen, es ist mir daher nichts mehr übrig, als Sie zu versichern, dass ich mit vieler Hochachtung bin

Dero

gehorsamster Diener

v.F.