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, darinne getragen zu werden. Alle Korbmacherarbeit ist den Liebenden fatal, und wird von ihnen eben sowohl für ein böses Anzeichen gehalten, als die unglücklichen Vögel bei den Römern, wenn sie zu feld zogen. Ich war bei meiner Liebe so abergläubisch, dass wenn mir jemand mit einem Korbe begegnete, wenn ich ihr aufwarten wollte, so kehrte ich stehendes Fusses wieder um, und versparte meinen Besuch bis auf eine glücklichere Zeit. Sie wissen, dass der Unglaube eher mein Fehler ist, als der Aberglaube. Wenn Sie mir ehemals von Ihren Feldzügen eine Erzehlung machten, so erregte ich Ihnen so viele Zweifel, dass Sie oftmals eben so ungewiss waren, als ich, ob sich das wirklich zugetragen hätte, was Sie erzählten. Man gibt mir also mit Recht den Namen des Ungläubigen, aber bei der Liebe und beim Spiel verdiene ich ihn nicht, ich bin in beiden sehr abergläubisch. Der Pabst Sixt der fünfte, ob er gleich Pabst war, hatte doch den Aberglauben, alle glückliche begebenheiten seines Lebens ereigneten sich an einer Mittwoche, und ich habe angemerkt, dass mir das Glück im Spiel zwar alle Tage hold ist, aber nicht alle Stunden. Die Mitternachtsstunde ist mir für den übrigen 23. Stunden des Tages besonders günstig, wenn ich das Spiel so weit dehnen kann, so bin ich Meister, und alsdenn gehe ich ohne Gewinst nicht von der Stelle. Aus dieser Ursache spiele ich niemals am Tage, sondern jederzeit des Abends nach der Mahlzeit. Behalten Sie dieses geheimnis ja bei sich, wenn meine Spieler dahinter kämen, würden Sie niemals meine Glücksstunde wieder abwarten wollen. Sie sehen hieraus, dass ich in gewissen Fällen sehr abergläubisch bin, und mein Aberglaube ist dran Schuld, dass ich Ihnen widerrate, dem fräulein von W. eine Korb Portechaise zu schenken, ich zittere schon wegen dieses Einfalls für Sie, und nehme solchen für ominös an. Ich will Ihnen aber einen andern Vorschlag tun, weil Sie wegen der jetzigen schweren Zeit, wie Sie sagen, keinen grossen Aufwand machen wollen, und Ihre Geschenke, die gleichwohl in die Augen fallen sollen, gern mit wenig Kosten bestreiten, so nehmen Sie in der Holländischen Lotterie einige Loose und schenken solche dem fräulein, Sie können für 100 tl. fünfe bekommen, sie kann sich aber auch mit einem begnügen, wenn Sie sehr sparsam sein wollen. Gewinnt das los, so ist es beinahe so gut, als wenn Sie ihr eine Summe, die dem Gewinnste gleich ist, geschenket hätten; verlieret es, so haben Sie weiter nichts als eine Hand voll Geld verlohren. Mich dünkt, dieser Rat ist nicht zu verwerfen. Wollen Sie aber das gewisse fürs ungewisse nehmen, so kaufen Sie ihr eine Galanterie, und bezaubern Sie die Schöne zur Vergeltung wieder, die Sie bezaubert hat, wenn Sie sich einer goldnen Uhr oder einer Sache von gleichem Wert hierzu bedienen, so ist dieses kräftiger als alle verliebte Blicke, die vor sich eben so wenig Kraft haben, als die Stäubgen, womit die Sonne spielt, die aber alle zu abgedrückten Pfeilen werden, welche das Herz eines Frauenzimmers durchdringen, wenn Ihnen ein ansehnliches Geschenke Gewicht und Nachdruck erteilet.

Ich denke, dass ich Sie nun in Ansehung Ihrer Liebe befriediget habe, ich will Ihnen nur noch ein Wort von Ihrem Pfarrer sagen. So wenig dieser ehrwürdige Mann zu dem Innhalt meines Briefes sich zu schicken scheinet, so muss ich ihn doch eine Stelle in solchem einräumen. Ich bedaure ihn aufrichtig, dass er Ihre Gunst verlohren hat, ich weiss, dass dadurch seiner Küche mancher Braten entgehet; allein ich glaube, dass man ihn verleumdet hat, und getraue mir, ihn ganz und gar von dem Verbrechen freizusprechen, das man ihm beimisst. Wer wollte diesem Ehrenmann eine solche Bosheit zutrauen, dass er das Bild einer Ihrer Ahnen sollte verunstaltet haben, den er nie gekannt hat, und der ihn folglich nie beleidiget hat? Sollte er mit Ihnen nicht allerdings zufrieden sein, so muss man dieses seiner Schwachheit und seiner geringen Kenntniss der grossen Welt zu gute halten. Sie bleiben doch Kirchpatron, wenn er Sie auch manchmal auf eine verblümte Art öffentlich tadelt, oder nach der Sprache des gemeinen Mannes von der Kanzel wirft, ich muss mir dieses sowohl als Sie gefallen lassen, und befinde mich auf einen solchen Fall allezeit sehr wohl. Ich kann mir nicht einbilden, dass er seinen Amtseifer gegen Sie an Ihren Vorfahren ausüben sollte; zudem scheinet sein Fuss nicht mehr rüstig genug, gegen eine steinerne Bildsäule dergestalt zu wüten, dass sie davon merklich könnte beschädiget werden, wenn er sich auch Hufeisen hätte auflegen lassen. Ich habe meine besonderen Gedanken über diese Sache, Herr Lampert ist zur Intrigue gemacht, wer weiss, ob er das nicht selbst getan hat, was er dem Herrn Wendelin aufbürdet. Diese Vermutung ist nicht unwahrscheinlich, er ist in seiner Liebe bei der Jungfer Wendelin unglücklich gewesen, den grössten Philosophen verläst seine Philosophie, wenn er ein unglücklicher Liebhaber wird, er denkt auf Rache, wenn er auch übrigens so zahm ist wie ein Lamm. Das Schwerd meines Gerichtshalters hält das seinige in der Scheide, dass er sich öffentlich weder an ihn, noch an seine Braut wagen darf; er ist also vermutlich darauf bedacht gewesen, auf eine verborgene Art sich zu rächen und dem Pfarrer eine Grube zu graben. Vielleicht hat er sich einmal in die Küche schliessen lassen, und das Monument selbst beschädiget, welches er nun auf die