Geschenke anzuwenden. Obgleich das fräulein sehr stoische Gesinnungen zu haben scheinet, so ist sie doch ein Frauenzimmer, und dieses macht mir Hoffnung, dass sie endlich hierdurch sich wird überwinden lassen. Sehen Sie, das sind die Regeln, welchen ich in einem Zeitraume von mehr als vierzehn Tagen, die ich wie Achilles bei der Belagerung von Troja in einer völligen Untätigkeit zugebracht zu haben scheine, ausstudiret habe. Es sind derselben wenig aber sie sind wichtig und für einen Liebhaber sicher, ich habe die ganze geschichte des Herrn Grandisons mit diesen Regeln zusammen gehalten, und habe befunden, dass Herr Grandison in seiner Liebe bei allen Mädchens glücklich gewesen ist, weil er sie aufs genaueste beobachtete, dass es hingegen den andern Anbetern des Fräuleins Byron nicht geglückt hat, weil sie solche übertreten oder verachtet haben. Was fehlte dem tapfern Greeville, dass ihn Henriette nicht glücklich machte? Nichts anders, als dass er einen Sprung tat in der Liebe, er hatte nicht schweigen gelernet, er sagte jedermann, dass er sie liebte, und gab ihr dieses selbst mündlich zu verstehen, da er noch kaum die Augen durfte reden lassen. Der weinende Herr Orene war schon etwas glücklicher, das fräulein schenkte diesem Liebhaber schon ihr Mitleiden, und dieses ist der erste Schritt zur Erhörung eines Liebhabers. Er wusste zu schweigen wie ein Pytagoräer, aber weil er seine Augen, die immer voll Tränen stunden, und von dem Salze derselben wund waren, nicht wohl brauchen konnte, um durch diese den ersten Liebesantrag tun zu lassen, so musste er unverrichteter Sache wieder abziehen. Sir Hargrave war gewiss ein Mann, dem die Mädchen nicht lange Widerstand leisten konnten; allein er machte es zu arg, er führte die Sprache des Mundes und der Augen zugleich, er redete auch dann und wann andere Sprachen, die nur in Häusern gebraucht werden, die in keinem guten Rufe stehen; mit einem Worte, Augen, Mund und hände waren an ihm redend, und dieses verdarb sein Spiel. Er wollte wie Cäsar auf einmal kommen, sehen und überwinden, und dieses gehet nicht bei allen Schönen an. Mit einem Worte, alle Liebhaber von Henrietten übertraten diese Regeln, Herr Grandison, der bei der Kunst zu lieben ein glückliches Genie hatte, und bei allen seinen Unternehmungen regelhaft verfuhr, hatte auch davon einen guten Fortgang zu erwarten. Er hatte sich vorgenommen, der Clementine einen Liebesantrag zu tun, und erklärete ihr den Milton, durch dieses Mittel, da er ihr erzählte, wie die ersten Eltern das Paradies verlohren hatten, bekam er gelegenheit, das Paradies zu erobern, oder durch den angenehmen Umgang mit diesem vortrefflichen jungen Frauenzimmer sich in ihr Herz einzuschleichen. Er sagte ihr kein Wort von seiner Liebe, aber er schielte dann und wann über das Buch weg, und liess seine Augen den ihrigen begegnen, sie lernten einander verstehen, und Herr Grandison erklärte ihr zweierlei auf einmal, den Milton und seine Liebe. Er hatte schon ein gewonnen Spiel in Händen, da er seinen Autor weglegte, und ihr mündlich und schriftlich gestund, dass er sie liebte. Mit der Henriette Byron verfuhr er nicht anders, Sie haben dieses in einem ihrer Briefe selbst angemerket, dass er in seiner Liebe sehr langsame und bedenkliche Schritte getan, und den schwindsüchtigen Anfall der fräulein Byron keiner andern Ursache beigemessen, als weil Sir Carl nicht so geschwind, als sie es gewünschet, Hochzeit gehalten hätte, daraus sehen Sie selbst, wie genau er die Regeln, die ich Ihnen mitteile, befolget hat. Ich bin durch meine eigne Erfahrung von der Richtigkeit derselben vollkommen überzeugt worden, ich habe sie erfüllet, ohne dass ich sie damals noch kannte. Ich entdeckte meiner Frau alle meine Gesinnungen, ohne ein Wort mit ihr davon zu reden; wenn wir vom Wetter sprachen, so beteuerte ihr der Accent der Worte, und die Art, mit welchen ich sie vorbrachte, durch tausend Eidschwüre, dass ich sie liebte, und wenn sie in meiner Gegenwart eine Nadel abstrickte, so war jede Schmasche beredt: ich sah aus der geschwindern oder langsamern Bewegung ihrer Finger, wie ihr mein Antrag gefiel. Da ich genugsame Gründe vor mir hatte, ihre Minen für mich günstig zu erklären, so wendete ich die andere Art der Beredsamkeit bei ihr an, um sie vollkommen zu überwinden, ich wagte es, ihr verschiedene kleine Geschenke zu machen, und da sie diese nicht ausschlug, liess ich sie immer höher steigen, bis ich ihr einen Ring an den Finger practicirte, der mir so hoch zu stehen kam, dass ich in der Messe damals meine Zeche im Gastofe schuldig bleiben musste. Sie beschenkte mich davor mit einem vierblättrichten Kleeblat, das sie eben im Garten gefunden hatte. Da ich dieses erhielt, zweifelte ich nicht mehr an meinem Glücke, ich schickte, wie Sie wissen, meinen Abgeordneten ab, um das fräulein zu werben, und war des guten Ausganges meiner Sache so gewiss, dass ich diesfalls allezeit tausend Taler gegen einen Groschen hätte setzen wollen.
Nun sind Sie hoffentlich überzeugt, dass ich meine Zeit nicht müssig zugebracht, sondern mich vielmehr zu ihrem Vorteile beschäftiget habe. Nach vielem Kopfbrechen ist es mir endlich gelungen, diese Regeln, die ich Ihnen hier mitteile, zu erfinden. Ich billige Ihr Vorhaben, dem fräulein etwas zum heilgen Christ beschehren zu lassen: nehmem Sie sich aber wohl in acht, ihr eine Korb Portechaise zu verehren, Sie dürften vielleicht der erste sein, der die Ehre hätte