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selbst begegnen, so mache ich mich anheischig, ungeachtet der Aussprüche des tridentinischen Concilii, Ihnen ein ehrliches Begräbniss zu verschaffen, wenigstens würde man auf diese Weise am ersten sehen, wer das vollkommenste Recht zu dem Frauenzimmer hat. Ich überlasse Ihnen die Wahl von diesen Vorschlägen Gebrauch zu machen oder nicht, und erwarte Ihre Antwort. Uebrigens verharre ich

Dero

geneigter Freund

v.F.

XXIV. Brief.

An Herrn Lampert Wilibald vom Herrn G.

Schöntal den 16 Dec.

Mein Herr,

Ich müsste niemals ein Soldat gewesen sein, oder diesem stand eben so wenig Ehre als Sie gemacht haben, wenn ich die beleidigende Art, womit Sie mir begegnen, mit Stilleschweigen übersehen wollte. Es ist Ihnen nicht genug meine Braut mir abspänstig machen zu wollen; Sie haben sich auch vorgenommen, es bei meinem Principal dahin zu bringen, dass er mich aus seinem Dienst entlassen soll. Es hat bald das Ansehen, dass Sie mit mir eben so umspringen wollen, als mit dem Verwalter Bornseil, der so lange er lebet, über Sie seufzet: aber hören Sie, nehmen Sie sich vor mir in acht, an mir finden Sie Ihren Mann, der Krug geht so lange zum wasser, bis er zerbricht. Der geringste Anschein einer Bosheit, die Sie gegen mich im Sinne haben, bricht Ihnen zuverlässig den Hals. Ich habe meine Canäle, durch welche ich alles, was Sie gegen mich schmieden, gewiss entdecke, und damit Sie überführet werden, dass dieses keine leeren Worte legen. Ich weiss, dass Sie einen sehr langen Brief, der mit den verkehrtesten Einfällen angefüllet ist, an den Herrn Pfarr Wendelin geschrieben, und in solchem um meine Braut gleichfalls Anwerbung getan haben; ich weiss auch, dass Sie noch an eben demselben Tage eine abschlägliche Antwort erhielten. Es ist mir nicht unbekannt, dass Sie hierauf, um Ihren Korb in bester Form Rechtens zu erhalten, selbst an Jungfer Hannchen geschrieben, und in diesem Briefe mich und meine Herren Amtsbrüder abscheulich herum genommen haben, dass wenn ichs genau suchen wollte, Sie als ein Pasquillant mir eine kniende Abbitte tun sollten; aber ich denke von Ihnen: heu quantum distas ab ego! Ich will mich mit Ihnen in keine Weitläuftigkeiten einlassen, und meine ganze Rache, die ich diesfalls an Ihnen suche, soll darinne bestehen, dass ich Ihnen melde, dass Jungfer Hannchen den Brief nicht einmal erbrochen, noch viel weniger gelesen hat, daher werden Sie auch vergeblich auf eine Antwort warten müssen. Wenn Sie nicht eben sowohl ein Gelehrter wären, als ich, so würde ich Sie bereits nach Verdiensten gezüchtiget haben: da wir aber in Ansehung des Standes einander gleich sind, so will ich Ihnen alle Rechte eines gelehrten Ritters zugestehen, und verspreche Ihnen als ein rechtschaffener Mann, wenn Sie etwas an mir zu suchen, Satisfaction zu geben. Doch weil ich mich nicht lange mit Ihnen aufzuhalten gedenke, so müssen unsere Händel binnen hier und 24. Stunden ausgemacht sein. Wenn Sie in dieser Zeit sich nicht hier in Schöntal nach dem Vorschlage, den Ihnen der Herr von F. bereits getan hat, auf dem Kampfplatze einfinden, so nehme ich dieses so an, als wenn Sie von allen vermeintlichen Anforderungen an Jungfer Hannchen abgestanden wären. Regen Sie sich hernach, so geht es Ihnen übel, und Sie können in angeschlossenem Reglement, das ich zu Ihrem Besten entworfen habe, ersehen, was Sie bei dem geringsten neuen Angriff, den Sie wagen, zu erwarten haben. Wollen Sie sich aber mit mir in einen Kampf einlassen, so haben Sie die Wahl des Gewehres, welches wir brauchen wollen, Sie können den Säbel oder die Zunge wählen. Der Herr von F. hat sich erboten, bei unserm Streit aufs gleiche zu sehen, und dem Teile, welcher überwindet, die Beute zuzusprechen. Machen Sie sich aber ja keine Hoffnung, den Sieg über mich davon zu tragen, ich verlasse mich auf beides, auf meine gerechte Sache und auf meine Kunst. Wenn Sie es nicht bereits wissen, so will ich es Ihnen hierdurch bekannt machen, dass ich die Zunge mit eben der Geschicklichkeit als die Feder oder den Degen zu regieren weiss. Ich erwarte Ihre Entschliessung, die entscheiden wird, ob ich mich ihren Freund oder Feind nennen kann.

H.

Anschluss.

Zweimal drei nützliche Regeln für den Herrn Lampert Wilibald, welche er in Puncto seines Betragens gegen mich und ein junges Frauenzimmer, die meine Freundin ist, zu beobachten, oder widrigenfalls die darauf gesetzte Bestrafung unfehlbar zu gewarten hat.

* * *

1. Soll er weder directe noch indirecte Jungfer Hannchen mit seiner Liebe ferner behelligen, bei Verlust seines rechten Ohres.

2. Er soll mir weder bei dieser Schönen noch bei ihrem Vater, am allerwenigsten aber bei meinem hochgebietenden Herrn v.F. einen bösen Leumund machen, widrigenfalls wird man ihn nötigen, ein Dutzend Tassen siedendheissen Koffee zu trinken, wodurch seine verleumderische Zunge dergestalt wird verbrannt werden, dass er sie niemals wieder wird missbrauchen können.

3. Er soll sich nicht gelüsten lassen, in der Kirche immer die Augen aus sie gerichtet zu haben, und sich kühnlich unterfangen, sie durch das Fernglas zu betrachten, oder man wird ihn auf den rechten Auge blenden lassen.

4. Wenn ich, als der einzige rechtmässige Verehrer dieses Frauenzimmers, derselben oder ihren Herrn Vater, meinem insonders hochgeehrten zukünftigen Herrn Schwiegerpapa einen Besuch abstatte, so soll er sich nicht erkühnen, heimlich unter das Fenster