lesen gedachte, und nur froh war, dass er nicht von mir verlangte alles was er getan hatte, gut zu heissen. Patron, sagte er, der Herr Lampert muss in der Liebe und in der Kenntniss des menschlichen Herzens, sehr unerfahren sein, so gelehrt er auch aussiehet, wenn er glaubt dass ihn Hannchen jemals mit ihrer Gunst beehret hat. Sie ist ihm schon gram gewesen da sie noch bei ihm in die Schule gegangen ist, und nachher da er angefangen hat ihr dann und wann etwas verbündliches nach seiner Art zu sagen, ist er ihr ganz unerträglich worden. Sie hat ihm mehr als einmal mit dürren klaren Worten gesagt, dass sie lieber den Nachtwächter als ihn lieben wollte; allein nach seiner Erklärungskunst hat er auch aus diesen Worten etwas vorteilhaftes für sich erzwingen wollen, oder hat sich wenigstens eingebildet, dass sie sich nur verstellte. Ich will zwar nicht leugnen, dass der Herr Magister dieses Frauenzimmer eher geliebt als ich, daran aber liegt ganz und gar nichts, man muss sehen was auf ihrer Seite geschehen ist. Sie hat mir mehr als einmal gestanden, dass Herr Lampert jederzeit das Unglück gehabt hätte, ihr als ein Liebhaber zu misfallen, ob sie ihm gleich übrigens in seinen Würden liess, auch nicht in Abrede sein wollte, dass sie sich manchmal an ihm belustigte weil er so witzig wäre, dass kein königlicher lustiger Rat drolligtere Einfälle haben könnte. Da nun also, fuhr er fort, ihr Herz res nullius war, so hiess es nach der juristischen Regel cedit prius occupanti, ich suchte es zu erobern und war hierinne nicht unglücklich. Gegenwärtig gehört es mir zu; Jungfer Hannchen und ich haben einander eine ewige Treue gelobet, ich habe vor einigen Tagen ordentlich durch einen guten Freund bei ihrem Vater um sie anhalten lassen, worauf ich von dem Herrn Pastor Wendelin die Antwort erhalten, dass heiraten ein schweres Werk sei, er wollte mit seiner Tochter die Sache überlegen und erstlich beten, in acht Tagen sollte ich darauf selbst nach Karafeld kommen und das Jawort in eigener person abholen. Der Herr Pastor sicher schon im prophetischen geist voraus dass unsre Heirat im Himmel gemacht ist, deswegen weiss er bereits die wirkung seines Gebetes und hat mir schon einen Termin beschieden, die Sache ins reine zu bringen. Ich gestehe Ihnen, werter Freund, dass ich über diese Dinge, welche mein Gerichtshalter vorbrachte noch bestürzter war als über Ihren Brief, vorher hatte ich Ihnen vollkommen Recht gegeben und war auf ihrer Seite, nun schien es, dass Ihr Rival ein besseres und gegründeter Recht als sie zu dem strittigen Frauenzimmer hätte. Inzwischen wollte ich Ihre Partie nicht sogleich verlassen, und ersuchte ihn mir den Gefallen zu erweisen, von dieser Heirat abzustehen und Ihnen die Beute zu überlassen: er beschwor, mich aber bei dem Triebe zur Gerechtigkeit, den ich von meinen Ahnen ererbet hätte, keine solche Ungerechtigkeit gegen ihn zu begehen und meine Vorfahren dadurch in der Erde zu beschimpfen. Ich würde, wenn ich unparteiisch dächte, selbst erkennen, dass er seine Braut mit dem besten Recht besässe, und drang so heftig auf den angeführten juristischen Canon, dass ich nicht ein Wort gegen ihn aufbringen konnte. Ich fand mich von seiner gerechten Sache vollkommen überzeugt, und verschwieg ihm dieses nur aus Freundschaft gegen Sie. Indessen zweifle ich nicht, dass Sie nach Ihrer Scharfsinnigkeit im Disputiren im stand wären, neue Zweifel bei mir zu erregen und dem Gerichtshalter sein Recht von neuem abzudisputiren, ich tue Ihnen daher den Vorschlag einen gelehrten Kampf mit Ihrem Rival hier anzustellen und die Mitglieder der Julianenakademie, oder in so fern diese Ihrem Gegner parteiisch scheinen möchten, andere gelehrte Männer zu Schiedsrichtern zu erwählen, die ich auf einen Tag, der Ihnen beliebt, zu mir will bitten lassen, alsdenn sollen Sie mit ihrem Contrepart ihre Händel durch einen gelehrten Zweikampf schlichten, wer den andern die Braut abdisputiret, mag sie heimführen. Sie sehen, dass ich für Sie nichts weiter tun kann, die gute Sache wird ganz gewiss nach Ihrem Wahlspruch siegen, ich werde mit Vergnügen sehen, wenn Sie ihren Gegner so eintreiben, dass er nicht ein Wort mehr gegen Sie aufbringen kann: sollte ihnen aber dieses widerfahren, so können Sie versichert sein, dass ich Sie aufrichtig bedaure, und alsdenn wird dieses mein Trost sein, dass ich eine vortreffliche Satyre von Ihnen zu gesicht bekomme, die Sie auf denjenigen zu verfertigen sich entschlossen haben, der bei Hannchen glücklicher sein würde als Sie. Gelingt Ihnen hierdurch Ihr Vorhaben, dass Ihr Nebenbuhler sich darüber zu tod ärgert, so dürfen Sie das Spiel nur da wieder anfangen wo Sie es jetzt gelassen haben, und alsdenn werden Sie doch auf die eine oder andere Weise in Ihrer Liebe glücklich sein. Beim Schlusse meines Briefes fällt mir noch ein sehr gutes Mittel ein, wie Sie sich um Ihre Schöne verdient machen und Ihren Rival für seine Verwegenheit züchtigen können, Sie haben ja noch den Säbel, den Sie als Husar ehemals geführt haben, glücklicher Weise hat es sich gefügt dass mein Gerichtshalter auch einige Jahre unter den Husaren gedienet hat, wie wäre es, wenn Sie, anstatt sich mit ihm in einen Gelehrten Weltstreit einzulassen, auf gut husarisch auf den Hieb eins mit Ihm wagten? Es wird mir ein besonderes Vergnügen sein diesen Scharmützel beizuwohnen. Wenn Sie in meinem Gebiete ihre Sache ausmachen wollen, so verspreche ich Ihnen, im Fall Sie Ihren Gegner aus den Sattel heben, frei und sicher Geleit: sollte Ihnen dieses aber